Artenporträt · Vogelspinnen
Acanthoscurriageniculata
Tiefschwarz, mit breiten weißen Bändern an den Beingelenken: Die Weißknie-Vogelspinne aus dem brasilianischen Amazonasgebiet gehört zu den größten und auffälligsten Bodenbewohnern im Hobby — und ganz sicher zu den hungrigsten.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Acanthoscurria geniculata (C. L. Koch, 1841)
- Erstbeschreibung
- als Mygale geniculata; zugleich Typusart der Gattung Acanthoscurria
- Trivialname
- Weißknie-Vogelspinne, Brazilian Whiteknee
- Familie
- Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
- Herkunft
- Brasilien, Amazonasgebiet im Norden des Landes
- Lebensweise
- bodenbewohnend, nutzt Verstecke und gräbt bei Bedarf
- Endgröße
- bis etwa 9 cm Körperlänge, Beinspannweite um 20 cm
- Wachstum
- für eine Vogelspinne schnell
- Lebenserwartung
- Weibchen etwa 12–20 Jahre; Männchen leben nach der Reifehäutung meist nur noch kurze Zeit
- Verteidigung
- Brennhaare am Hinterleib, die sie schnell und reichlich einsetzt; Biss schmerzhaft, für gesunde Menschen aber vergleichsweise harmlos
- Schutzstatus
- nicht geschützt — in keinem CITES-Anhang gelistet
Erkennen
Die mit den weißen Knien
Körper und Beine sind schwarz bis dunkelbraun. An den Beingelenken sitzen breite, leuchtend weiße Querbänder — daher der Name: geniculata bedeutet sinngemäß „mit Knien“. Der Vorderkörper ist hell gesäumt, der Hinterleib trägt lange, rötlich schimmernde Haare.
Männchen bleiben schlanker, sind hochbeiniger und weniger kontrastreich gefärbt; Weibchen wirken deutlich massiger. Ähnlich gebänderte Arten gibt es in Südamerika einige — die breiten, klar abgesetzten weißen Kniebänder sind ihr auffälligstes Merkmal.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Sie stammt aus einem feuchtwarmen Klima mit viel Regen und kaum einer Trockenzeit — deutlich feuchter als etwa die mexikanischen Bodenbewohner. Bewährt hat sich ein Bodengrund, der in den unteren Schichten feucht bleibt, während die Oberfläche abtrocknen darf. Gute Belüftung ist dabei Pflicht, sonst hat Schimmel leichtes Spiel.
Jahreslauf
Saisonale Veränderungen
Eine Winterruhe gibt es nicht — ihr Heimatklima kennt kaum Jahreszeiten. Etwas kühlere Wintermonate in der Wohnung verträgt sie, die Temperatur sollte aber nicht über längere Zeit deutlich unter den Wohlfühlbereich fallen. Auch die Feuchtigkeit bleibt übers Jahr gleich; gerade im Winter trocknet Heizungsluft das Becken schneller aus als gedacht.
Häutung: Vor einer Häutung stellt sie oft das Fressen ein, der Hinterleib wird dunkler, und sie zieht sich zurück. Dann wird weder gefüttert noch gestört. Nach der Häutung braucht der neue Panzer einige Tage bis etwa zwei Wochen zum Aushärten — bei großen Tieren eher länger. Erst danach gibt es wieder Futter.
Einrichtung
Viel Fläche, tiefer Boden
Becken: Als großer Bodenbewohner braucht sie Grundfläche, keine Höhe. Für ein ausgewachsenes Weibchen nennen viele Halter rund 40 × 30 cm als Untergrenze — mehr Fläche schadet nie. Ein zu hohes Becken birgt Sturzgefahr, und bei einem schweren Tier kann ein Sturz tödlich enden.
Bodengrund: mindestens 10 cm, gern deutlich mehr, humos und gut formbar, damit Gänge und Mulden halten. Etwas Falllaub obenauf bietet Deckung.
Ausstattung: ein großzügiges Versteck, etwa eine halb eingegrabene Korkröhre, und eine stabile, flache Wasserschale, die sie nicht umwerfen kann. Das Becken sicher verschlossen, gut belüftet und ohne scharfe Kanten.
Ernährung
Futtertiere und Rhythmus
Futtertiere: Heimchen, Grillen und Schaben. Kaum eine Art nimmt Futter so zuverlässig — und so stürmisch — an. Das Futtertier sollte nicht größer sein als ihr Hinterleib.
- Jungtiere
- zwei- bis dreimal pro Woche, passend kleine Beute
- Halbwüchsig
- etwa einmal pro Woche
- Erwachsen
- alle ein bis zwei Wochen, je nach Hinterleib
Wegen des großen Appetits ist sie leicht zu überfüttern. Der Hinterleib ist der beste Maßstab: Ist er deutlich breiter als der Vorderkörper, darf eine Pause sein. Nicht gefressenes Futter kommt nach einem Tag wieder heraus, frisches Wasser steht immer bereit.
Verhalten
Selbstbewusst — mit Kehrseite
Sie ist eine der Arten, die man tatsächlich zu sehen bekommt: oft offen im Becken, aufmerksam und schnell bei der Sache, wenn sich etwas bewegt. Das Selbstbewusstsein hat allerdings eine Kehrseite. Bei Störung streift sie rasch und ausgiebig Brennhaare vom Hinterleib ab, die Haut, Augen und Atemwege stark reizen können.
Deshalb gilt: nicht auf die Hand nehmen, im Becken ruhig und mit langer Pinzette arbeiten, danach die Hände waschen. Gehalten wird jedes Tier allein.
Gut zu wissen
Ein Modell für die Forschung
Acanthoscurria geniculata ist nicht nur im Hobby beliebt. An der Universität zu Köln wurde an ihr untersucht, wie sich Vogelspinnen im Ei entwickeln — gut erforscht waren bis dahin vor allem andere Spinnengruppen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.
- World Spider Catalog, Natural History Museum Bern — Eintrag Acanthoscurria geniculata
- Pechmann, M. (2020): Embryonic development and secondary axis induction in the Brazilian white knee tarantula Acanthoscurria geniculata. Development Genes and Evolution, doi:10.1007/s00427-020-00653-w
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.