Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Acanthoscurriageniculata


Tiefschwarz, mit breiten weißen Bändern an den Beingelenken: Die Weißknie-Vogelspinne aus dem brasilianischen Amazonasgebiet gehört zu den größten und auffälligsten Bodenbewohnern im Hobby — und ganz sicher zu den hungrigsten.

Im Bestand
Yara
Kennung
26.IL.0.0.1.UNF.007
Zeichnung einer Acanthoscurria geniculata von oben: schwarzer Körper, weiß gebänderte Beine, rötlich behaarter Hinterleib
Illustration, KI-generiert · Acanthoscurria geniculata

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Acanthoscurria geniculata (C. L. Koch, 1841)
Erstbeschreibung
als Mygale geniculata; zugleich Typusart der Gattung Acanthoscurria
Trivialname
Weißknie-Vogelspinne, Brazilian Whiteknee
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
Herkunft
Brasilien, Amazonasgebiet im Norden des Landes
Lebensweise
bodenbewohnend, nutzt Verstecke und gräbt bei Bedarf
Endgröße
bis etwa 9 cm Körperlänge, Beinspannweite um 20 cm
Wachstum
für eine Vogelspinne schnell
Lebenserwartung
Weibchen etwa 12–20 Jahre; Männchen leben nach der Reifehäutung meist nur noch kurze Zeit
Verteidigung
Brennhaare am Hinterleib, die sie schnell und reichlich einsetzt; Biss schmerzhaft, für gesunde Menschen aber vergleichsweise harmlos
Schutzstatus
nicht geschützt — in keinem CITES-Anhang gelistet

Erkennen

Die mit den weißen Knien

Körper und Beine sind schwarz bis dunkelbraun. An den Beingelenken sitzen breite, leuchtend weiße Querbänder — daher der Name: geniculata bedeutet sinngemäß „mit Knien“. Der Vorderkörper ist hell gesäumt, der Hinterleib trägt lange, rötlich schimmernde Haare.

Männchen bleiben schlanker, sind hochbeiniger und weniger kontrastreich gefärbt; Weibchen wirken deutlich massiger. Ähnlich gebänderte Arten gibt es in Südamerika einige — die breiten, klar abgesetzten weißen Kniebänder sind ihr auffälligstes Merkmal.

Yara, eine Acanthoscurria geniculata, sitzt von oben fotografiert auf grünem Moos
YaraMeine Weißknie-Vogelspinne auf dem Moospolster ihres Beckens — eigene Aufnahme.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

24–28 °C
Temperatur
nachts nicht dauerhaft unter 20 °C
70–80 %
Luftfeuchte
Bodengrund in der Tiefe feucht halten
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Sie stammt aus einem feuchtwarmen Klima mit viel Regen und kaum einer Trockenzeit — deutlich feuchter als etwa die mexikanischen Bodenbewohner. Bewährt hat sich ein Bodengrund, der in den unteren Schichten feucht bleibt, während die Oberfläche abtrocknen darf. Gute Belüftung ist dabei Pflicht, sonst hat Schimmel leichtes Spiel.

Jahreslauf

Saisonale Veränderungen

Eine Winterruhe gibt es nicht — ihr Heimatklima kennt kaum Jahreszeiten. Etwas kühlere Wintermonate in der Wohnung verträgt sie, die Temperatur sollte aber nicht über längere Zeit deutlich unter den Wohlfühlbereich fallen. Auch die Feuchtigkeit bleibt übers Jahr gleich; gerade im Winter trocknet Heizungsluft das Becken schneller aus als gedacht.

Häutung: Vor einer Häutung stellt sie oft das Fressen ein, der Hinterleib wird dunkler, und sie zieht sich zurück. Dann wird weder gefüttert noch gestört. Nach der Häutung braucht der neue Panzer einige Tage bis etwa zwei Wochen zum Aushärten — bei großen Tieren eher länger. Erst danach gibt es wieder Futter.

Einrichtung

Viel Fläche, tiefer Boden

Becken: Als großer Bodenbewohner braucht sie Grundfläche, keine Höhe. Für ein ausgewachsenes Weibchen nennen viele Halter rund 40 × 30 cm als Untergrenze — mehr Fläche schadet nie. Ein zu hohes Becken birgt Sturzgefahr, und bei einem schweren Tier kann ein Sturz tödlich enden.

Bodengrund: mindestens 10 cm, gern deutlich mehr, humos und gut formbar, damit Gänge und Mulden halten. Etwas Falllaub obenauf bietet Deckung.

Ausstattung: ein großzügiges Versteck, etwa eine halb eingegrabene Korkröhre, und eine stabile, flache Wasserschale, die sie nicht umwerfen kann. Das Becken sicher verschlossen, gut belüftet und ohne scharfe Kanten.

Ernährung

Futtertiere und Rhythmus

Futtertiere: Heimchen, Grillen und Schaben. Kaum eine Art nimmt Futter so zuverlässig — und so stürmisch — an. Das Futtertier sollte nicht größer sein als ihr Hinterleib.

Jungtiere
zwei- bis dreimal pro Woche, passend kleine Beute
Halbwüchsig
etwa einmal pro Woche
Erwachsen
alle ein bis zwei Wochen, je nach Hinterleib

Wegen des großen Appetits ist sie leicht zu überfüttern. Der Hinterleib ist der beste Maßstab: Ist er deutlich breiter als der Vorderkörper, darf eine Pause sein. Nicht gefressenes Futter kommt nach einem Tag wieder heraus, frisches Wasser steht immer bereit.

Verhalten

Selbstbewusst — mit Kehrseite

Sie ist eine der Arten, die man tatsächlich zu sehen bekommt: oft offen im Becken, aufmerksam und schnell bei der Sache, wenn sich etwas bewegt. Das Selbstbewusstsein hat allerdings eine Kehrseite. Bei Störung streift sie rasch und ausgiebig Brennhaare vom Hinterleib ab, die Haut, Augen und Atemwege stark reizen können.

Deshalb gilt: nicht auf die Hand nehmen, im Becken ruhig und mit langer Pinzette arbeiten, danach die Hände waschen. Gehalten wird jedes Tier allein.

Gut zu wissen

Ein Modell für die Forschung

Acanthoscurria geniculata ist nicht nur im Hobby beliebt. An der Universität zu Köln wurde an ihr untersucht, wie sich Vogelspinnen im Ei entwickeln — gut erforscht waren bis dahin vor allem andere Spinnengruppen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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