Pflanzenporträt · Aronstabgewächse
Alocasiapuncakborneensis
Glänzende Blätter mit einem feinen, erhabenen Adernetz, und ein Name, der auf einen Gipfel auf Borneo zurückgeht: Die Art wurde erst 2020 wissenschaftlich beschrieben. Ich habe sie als kleine Jungpflanze von der lieben Avventura Plants bekommen.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Alocasia puncakborneensis S.Y.Wong & P.C.Boyce, 2020
- Im Handel
- Alocasia 'Puncak Borneensis', bei manchen Händlern auch als Alocasia borneensis geführt. Gültig ist der Name aus der Erstbeschreibung, puncakborneensis
- Familie
- Aronstabgewächse (Araceae), Gruppe um Alocasia princeps
- Herkunft
- Penrissen-Gebirge im Südwesten von Sarawak (Malaysia) auf Borneo, in feuchten oberen Bergwäldern auf steilen, schattigen Hängen und feuchten Felsblöcken, meist zwischen etwa 880 und 1170 m Höhe
- Wuchs
- kleines Kraut, das Rhizom ist zuerst gedrungen und aufrecht, später verlängert es sich und liegt am Boden
- Größe
- bis etwa 55 cm hoch, Blattspreiten von 10 × 4 cm bis etwa 35 × 12 cm
- Wachstum
- langsam, nach Händlerangaben
- Giftig
- ja, wie die meisten Aronstabgewächse
Erkennen
Glanz und feines Netz
Die Blätter sind dünn und ledrig, eiförmig bis schmal pfeilförmig und glänzend leuchtend grün. Auf der Oberseite liegt ein dichtes, fein erhabenes Netz aus Adern, das die Fläche fast wie geprägt wirken lässt. Je Seite gehen drei bis vier kräftige Seitenadern ab, die hinteren Blattlappen sind kurz. Manche Blätter sind schildförmig angeheftet, der Stiel setzt dann innerhalb der Blattfläche an, andere nicht.
Die Blattstiele sind schlank, hellgrün und leicht glänzend, zwischen 10 und 45 cm lang. Von den verwandten Arten der princeps-Gruppe unterscheidet sich die Art laut Erstbeschreibung durch genau diese glänzenden Blätter mit dem auffällig erhabenen, feinen Netz.
Standort
Temperatur, Feuchte, Licht
Zur Haltung dieser Art gibt es keine Fachliteratur, die Werte stammen aus Angaben von Händlern und passen zu dem, was für Alocasien dieser Gruppe üblich ist. Am Naturstandort wächst sie im Schatten des Bergwaldes. Dort liegt die Luftfeuchte laut Aroidpedia bei 60 bis 70 %, die Temperaturen reichen etwa von 9 bis 31 °C und fallen nicht unter 7 °C. Ein heller Platz ohne direkte Mittagssonne kommt dem am nächsten.
Pflege
Gießen und Substrat
Gießen: erst wieder, wenn das Substrat ein Stück abgetrocknet ist, und dann eher in kleinen Mengen. Staunässe ist der häufigste Fehler: Dann faulen Wurzeln und Rhizom.
Substrat: luftig und locker, mit organischen und mineralischen Anteilen, damit Wasser gut abläuft. Das Rhizom sitzt knapp unter der Oberfläche und wird nicht tief eingegraben.
Düngen: Alocasien sind Starkzehrer und brauchen das ganze Jahr ihren Dünger, auch im Winter. Händler empfehlen für diese Art einen ausgewogenen Dünger in halber Dosis.
Rhizom und Nachwuchs: Das Rhizom ist der Nährstoffspeicher der Pflanze. Beim Umtopfen lassen sich kleine Rhizome absammeln, aus ihnen wachsen neue Pflanzen. Dazu bilden sich Seitentriebe. Pflanzen aus Gewebekultur (TC) haben zu Beginn noch kein Rhizom, es bildet sich erst mit dem Wachstum.
Jahreslauf
Im Winter etwas ruhiger, aber nicht ohne Dünger
In den dunklen Monaten wächst sie langsamer, dann wird entsprechend weniger gegossen. Gedüngt wird weiter.
Ein älteres Blatt darf nach und nach gelb werden und abfallen. Verliert sie dagegen alle Blätter, stimmt etwas nicht, auch im Winter. Dann prüfe ich der Reihe nach das Rhizom (fest und hell oder weich und faulig), die Wassergaben, die Temperatur (nicht unter 15 °C, keine Zugluft), das Licht, den Dünger und die Blattunterseiten auf Schädlinge.
Staunässe ist die häufigste Ursache. Faule Stellen am Rhizom werden großzügig weggeschnitten, dann lässt man es abtrocknen und setzt es in frisches, luftiges Substrat. Bei trockener Heizungsluft gehören Spinnmilben zu den häufigsten Plagegeistern, ein Blick auf die Blattunterseiten lohnt sich.
Wichtig
Giftig
Wie viele Aronstabgewächse enthält sie Kristalle aus Calciumoxalat. Wer ein Blatt anknabbert, bekommt schnell ein Brennen und Schwellungen im Mund, der Pflanzensaft kann außerdem Haut und Augen reizen. Deshalb gehört sie außer Reichweite von Kindern und Haustieren, und nach dem Umtopfen wäscht man sich die Hände.
Gut zu wissen
Ein Name vom Gipfel
Das malaiische Wort puncak bedeutet „Gipfel“, der Artname verweist auf den Fundort Puncak Borneo im Bezirk Padawan in Sarawak. Das Typusexemplar stammt von dort, aus etwa 838 m Höhe. 2020 beschrieben Sin Yeng Wong und Peter C. Boyce die Art in der Fachzeitschrift Webbia als neu.
Besonders ist ihr Standort: Sie wächst auf sehr hartem Sandstein und gilt in ihrer Gruppe als die Art mit dem höchsten Vorkommen unter den Arten, die nur lokal und an bestimmten Gesteinen vorkommen. Die meisten ähnlichen Arten sind dagegen Tieflandbewohner auf Kalkfelsen, meist unter 600 m. Laut einem Händler verbreitete sie sich nach der Beschreibung rasch weltweit.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Angaben zu Herkunft, Aussehen und Größe stammen aus der Erstbeschreibung: Wong & Boyce (2020), „Studies on the Alocasia Schott (Araceae) of Borneo III: Alocasia puncakborneensis, a new species belonging to the Princeps Complex“, Webbia 75(1): 111–115 (zum Artikel). Die Pflegewerte sind Richtwerte aus Händlerangaben, aus Erfahrungen von Pflanzenhaltern und aus eigener Pflege. Jede Wohnung ist anders, und die Pflanze zeigt meist selbst am besten, ob es ihr gefällt.
Dazu kommt der Rat von Avventura Plants. Sie steht mir bei Fragen zu Pflanzen immer wieder zur Verfügung und erklärt mir geduldig vieles.
Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.