Artenporträt · Schnecken
Cornuaspersum
Die Gefleckte Weinbergschnecke stammt aus dem Mittelmeerraum und ist heute eine der am weitesten verbreiteten Landschnecken der Welt. Im Terrarium ist sie genügsam, gesellig und erstaunlich unterhaltsam — vorausgesetzt, es gibt genug Kalk.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Cornu aspersum (O. F. Müller, 1774)
- Auch bekannt als
- Helix aspersa, Cantareus aspersus
- Trivialname
- Gefleckte Weinbergschnecke; in Frankreich „Petit Gris“
- Familie
- Helicidae · Schnirkelschnecken
- Herkunft
- ursprünglich westlicher Mittelmeerraum und atlantische Küsten Europas; heute weltweit verschleppt, in Deutschland vor allem im Westen und Südwesten
- Lebensweise
- Landschnecke, vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv
- Gehäuse
- etwa 25–30 mm hoch und 25–40 mm breit
- Lebenserwartung
- meist um drei Jahre; einzelne Tiere werden fünf Jahre und älter
- Fortpflanzung
- Zwitter; Gelege mit mehreren Dutzend bis rund 100 Eiern im Boden
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Gesprenkelt statt gestreift
Das kugelige Gehäuse ist braun mit mehreren dunklen Bändern, die in Flecken zerfallen, dazwischen hellere, gelbliche Zickzack-Streifen. Genau darauf spielt der Name an: aspersum bedeutet sinngemäß „bespritzt“ oder „gesprenkelt“. Die Oberfläche ist fein gerunzelt.
Der Körper ist hellgrau bis fast schwarz, oft mit einem dunkleren Streifen über den Rücken. Von der heimischen Weinbergschnecke unterscheidet sie sich durch das kleinere, deutlich gefleckte Gehäuse — die große heimische Art erreicht bis zu 5 cm und ist schlichter beige gefärbt.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Schnecken vertragen Kühle deutlich besser als Hitze und Trockenheit. Ein Becken in der prallen Sonne oder direkt über der Heizung ist deshalb keine gute Idee. Gleichzeitig darf es nicht muffig werden: Frische Luft und ein Boden, der zwischendurch etwas abtrocknen kann, verhindern Schimmel und Milben.
Jahreslauf
Winterstarre und Trockenstarre
Im Freien zieht sich die Gefleckte Weinbergschnecke bei Kälte und bei großer Trockenheit in ihr Gehäuse zurück und verschließt die Mündung mit einem eingetrockneten Schleimhäutchen. So übersteht sie den Winter ebenso wie heiße, trockene Sommerwochen.
Im Terrarium bei Zimmertemperatur bleibt sie meist das ganze Jahr über aktiv; viele Halter verzichten auf eine Winterruhe. Zieht sich ein Tier trotzdem zurück und verschließt das Gehäuse, ist das kein Grund zur Sorge — meist war es schlicht zu trocken. Etwas mehr Feuchtigkeit weckt es in der Regel wieder auf.
Einrichtung
Weich, feucht und kalkreich
Becken: Schnecken klettern gern an den Scheiben, ein gut schließender Deckel ist also Pflicht — mit guter Belüftung. Harte Steine gehören nicht hinein: Fällt eine Schnecke von der Scheibe darauf, kann das Gehäuse Schaden nehmen.
Bodengrund: ungedüngte Erde, mit Kalk angereichert, einige Zentimeter hoch, damit die Tiere sich eingraben und ihre Eier ablegen können. Moos und Falllaub obenauf halten die Feuchtigkeit.
Ausstattung: eine flache Schale zum Baden und Trinken — so flach, dass auch die Kleinsten wieder herauskommen — und eine Kalkquelle, die immer zur Verfügung steht, etwa eine Sepiaschale. Ohne ausreichend Kalk kann das Gehäuse nicht richtig wachsen.
Ernährung
Grünzeug, Gemüse und Kalk
Futter: Salat, Gemüse wie Gurke, Zucchini oder Möhre, Wildkräuter wie Löwenzahn und hin und wieder ein Stück Obst. Gelegentlich darf es etwas Eiweiß sein, zum Beispiel getrocknete Bachflohkrebse.
- Immer
- Kalkquelle und frisches Wasser zum Baden
- Täglich
- frisches Grünfutter, Reste vom Vortag entfernen
- Nie
- Gesalzenes, Gewürztes oder Gekochtes aus der Küche
Futterreste schimmeln im feuchten Becken schnell. Lieber öfter kleine Portionen als einmal einen ganzen Salatkopf.
Verhalten & Fortpflanzung
Gesellig und neugierig
Gefleckte Weinbergschnecken leben gern in Gesellschaft und werden deshalb in der Gruppe gehalten. Tagsüber ruhen sie meist eingegraben oder an einer Scheibe, in der Dämmerung werden sie munter.
Jedes Tier ist Männchen und Weibchen zugleich. Bei der oft stundenlangen Paarung stechen sich die Partner gegenseitig einen winzigen Liebespfeil aus Kalk. Die Eier landen in kleinen Gruben im Boden; nach etwa zwei bis drei Wochen schlüpfen die Jungschnecken. Wer keinen Nachwuchs möchte, sucht den Boden regelmäßig nach Gelegen ab.
Wichtig
Nicht verwechseln, nicht aussetzen
Die Gefleckte Weinbergschnecke ist nicht geschützt und darf gehalten und abgegeben werden. Anders ihre große Verwandte: Die heimische Weinbergschnecke Helix pomatia ist in Deutschland besonders geschützt und darf nicht einfach aus der Natur mitgenommen werden.
Und wie bei allen gebietsfremden Tieren gilt: niemals aussetzen. In Regionen mit mildem Klima hat sich die Art bereits vielerorts angesiedelt und gilt dort als Schädling im Garten- und Gemüsebau.
Gut zu wissen
Vom Kochtopf in die Welt
Ihre weltweite Verbreitung verdankt die Art vor allem dem Menschen: Als beliebte Speiseschnecke wurde sie bewusst und unbewusst in viele Länder gebracht. Noch heute stammt der größte Teil der in Frankreich gezüchteten Speiseschnecken von ihr — gehandelt als „Petit Gris“, die große Zuchtform als „Gros Gris“.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.
- Naturportal Südwest — Artseite Cornu aspersum (Merkmale, Größe, Verbreitung in Deutschland)
- Naturhistorisches Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz — Gefleckte Weinbergschnecke (Herkunft, Ausbreitung, Speiseschnecke)
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.