Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Lasiocyanosazimai


Frisch gehäutet schimmert sie metallisch blau, dazu rötliche Haare auf dem Hinterleib. Sie lebt auf einem winzigen Fleck im brasilianischen Bergland, und ihr Gattungsname ist erst wenige Jahre alt.

Herkunft
Brasilien, Bahia
Trivialname
Brazilian Blue
Zeichnung einer Vogelspinne von schräg oben: blau schimmernde Beine, heller Rückenpanzer, rot gemusterter Hinterleib
Illustration, KI-generiert · Lasiocyano sazimai

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Lasiocyano sazimai (Bertani, Nagahama & Fukushima, 2011)
Früherer Name
beschrieben als Pterinopelma sazimai; 2023 in die neu aufgestellte Gattung Lasiocyano gestellt, die bis heute nur diese eine Art enthält
Trivialname
Brazilian Blue, Sazimas Vogelspinne
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
Herkunft
Brasilien, Bundesstaat Bahia: nur ein kleines Bergland in der Chapada Diamantina, ein sogenannter Campo rupestre mit Felsen, Gräsern und niedrigen Büschen
Lebensweise
bodenbewohnend, nutzt Spalten und Hohlräume und baut sie zu einer Röhre aus
Endgröße
im Hobby werden 14–16 cm Spannweite genannt, bei etwa 5–6 cm Körperlänge
Lebenserwartung
Weibchen nach Halterangaben 12–15 Jahre, Männchen etwa 4–5 Jahre
Verteidigung
Brennhaare, die sie schnell einsetzt; das Gift gilt als schwach
Schutzstatus
in den CITES-Anhängen nicht gelistet, im Handel aber gelegentlich fälschlich als Anhang-II-Art bezeichnet. Brasilien lässt keine Wildtiere ausführen, alle Tiere im Hobby stammen aus Nachzucht

Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.

Erkennen

Blau, das kein Farbstoff ist

Kurz nach der Häutung ist sie am schönsten: Beine und Vorderkörper schimmern metallisch blau, auf dem Hinterleib stehen lange rötliche Haare. Mit der Zeit legt sich ein Grauschleier über das Blau, bis die nächste Häutung es zurückbringt.

Weibchen behalten die Färbung ihr Leben lang. Erwachsene Männchen wirken matter, grauer und deutlich langbeiniger.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22–26 °C
Temperatur
nachts darf es auf 20 °C fallen
60–75 %
Luftfeuchte
Hobbyrichtwert, unten feucht, oben trocken
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Sie kommt nicht aus dem Tiefland-Regenwald, sondern aus einem luftigen Bergland mit kühlen Nächten. Tropenhitze braucht sie also nicht, Zimmertemperatur reicht meist aus. Wichtig ist der Wechsel im Boden: unten leicht feucht, oben abgetrocknet. Zusammen mit schlechter Belüftung führt Dauerfeuchte schnell zu Schimmel und Milben.

Einrichtung

Fläche, Höhlen und Tiefe

Becken: Für ein erwachsenes Tier genügt ein Becken um 30 × 30 × 30 cm. Wie bei allen schweren Bodenbewohnern gilt: lieber breit als hoch.

Bodengrund: 10 bis 15 cm, grabfähig und standfest. Sie ist eine Gelegenheitsgräberin: Was sie an Hohlräumen findet, baut sie kräftig aus.

Ausstattung: Korkrinde, Wurzeln oder flache Steinaufbauten als Startpunkt für die Röhre. Steine müssen so liegen, dass sie beim Untergraben nicht absacken können. Dazu ein flacher Wassernapf.

Ernährung

Futtertiere und Rhythmus

Futtertiere: Schaben, Heimchen, Grillen oder Heuschrecken, passend zur Größe. Sie frisst zuverlässig.

Jungtiere
ein- bis zweimal pro Woche
Halbwüchsig
etwa jede Woche
Erwachsen
alle zwei bis drei Wochen, je nach Hinterleib

Überfüttern muss nicht sein: Ein praller Hinterleib ist das Zeichen für eine Pause. Reste kommen nach einem Tag heraus, Wasser steht immer bereit.

Verhalten

Schreckhaft, nicht bissig

Sie hält sich gern in oder direkt an ihrer Röhre auf und verschwindet bei Störung blitzschnell darin. Ist der Fluchtweg versperrt, kann sie durchaus drohen. Vorher streift sie aber meist Brennhaare ab, und die jucken auf der Haut teils tagelang.

Also: nicht anfassen, mit langer Pinzette arbeiten, danach Hände waschen. Gehalten wird jedes Tier allein.

Gut zu wissen

Strukturfarbe statt Pigment

Das Blau vieler Vogelspinnen entsteht nicht durch einen Farbstoff, sondern durch feine Strukturen in den Haaren, die blaues Licht zurückwerfen. Untersuchungen an mehreren Gattungen zeigen: Die Strukturen sind ganz verschieden gebaut, der Blauton aber fast immer derselbe. Warum, ist offen. Für Partnerwahl spricht bisher wenig.

Der zweite besondere Punkt ist ihr winziges Verbreitungsgebiet. Lebensraumverlust und illegales Absammeln setzen der Art dort zu, deshalb gilt sie als bedroht. Im Hobby ist das kein Problem, weil sie sich gut nachziehen lässt. Nachzucht ist hier keine Formsache, sondern die einzige vertretbare Herkunft.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.

  • World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Lasiocyano sazimai (Name, Autoren, Verbreitung)
  • Bertani, R., Nagahama, R. H. & Fukushima, C. S. (2011): Revalidation of Pterinopelma Pocock 1901 with description of a new species and the female of Pterinopelma vitiosum. ZooKeys 81: 65–104, doi:10.3897/zookeys.81.1002 (Erstbeschreibung, Fundort)
  • Galleti-Lima, A., Hamilton, C. A., Borges, L. M. & Guadanucci, J. P. L. (2023): Phylogenomics of Lasiodoriforms. Frontiers in Ecology and Evolution 11, doi:10.3389/fevo.2023.1177627 (neue Gattung Lasiocyano)
  • Hsiung, B.-K., Deheyn, D. D., Shawkey, M. D. & Blackledge, T. A. (2015): Blue reflectance in tarantulas is evolutionarily conserved despite nanostructural diversity. Science Advances 1(10): e1500709, doi:10.1126/sciadv.1500709 (Strukturfarbe)
  • CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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