Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Psalmopoeusirminia


Tiefschwarz mit leuchtend orangen Zeichnungen: Diese Baumbewohnerin ist schnell, scheu und sehr fresslustig. Brennhaare hat sie nicht, dafür einen ausgeprägten Fluchtreflex. Sie braucht ein hohes Becken und eine ruhige Hand.

Im Bestand
ein Tier
Name
Orinoco
Kennung
26.PR.0.0.1.UNF.088
Zeichnung einer Psalmopoeus irminia von schräg oben: schwarzer Körper, orange gebänderte Beine, orange Flecken auf dem Hinterleib
Illustration, KI-generiert · Psalmopoeus irminia

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Psalmopoeus irminia Saager, 1994
Erstbeschreibung
in der Gattung Psalmopoeus; Synonyme sind keine verzeichnet
Trivialname
Venezuela-Ornament-Vogelspinne, Venezuelan Suntiger
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Psalmopoeinae (ältere Literatur stellt die Gattung noch zu den Aviculariinae)
Herkunft
Venezuela und Guyana; seit 2017 auch aus dem brasilianischen Roraima belegt
Lebensweise
Baumbewohnerin im Regenwald, baut röhren- oder deckenartige Gespinste und bezieht den Bodengrund ein
Endgröße
Beinspannweite etwa 14 bis 15 cm, einzelne Angaben bis rund 18 cm; Körperlänge der Weibchen 5 bis 7 cm
Wachstum
schnell; Männchen reifen nach etwa 1,5 bis 2 Jahren, Weibchen nach etwa 1,5 bis 3 Jahren
Lebenserwartung
Weibchen bis etwa 12 Jahre; Männchen insgesamt 3 bis 4 Jahre
Verteidigung
keine Brennhaare; sie flüchtet blitzschnell oder beißt
Schutzstatus
nach meiner Recherche nicht geschützt, bitte bei WISIA gegenprüfen

Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.

Erkennen

Schwarz mit orangem Muster

Weibchen sind tiefschwarz, mit orange bis rot gebänderten Beinen und großen orangen Flecken auf dem Hinterleib. Der Vorderkörper schimmert metallisch. Männchen werden nach der Reifehäutung grau bis graubraun und behalten nur orange Fußglieder.

Ähnlich sieht Psalmopoeus cambridgei aus, die Art von Trinidad und Tobago. Auf Fotos ist die Bestimmung unsicher, verlässlich unterscheiden lassen sich die Arten nur an den Geschlechtsorganen.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22 bis 26 °C
Temperatur
Quellen nennen 20 bis 29 °C, die meisten 22 bis 25 °C
65 bis 75 %
Luftfeuchte
gute Belüftung ist wichtiger als hohe Feuchte
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel genügt

Die Temperaturangaben der Quellen streifen eine große Spanne, vom kühlen Zimmer bis fast 29 °C. Gemeinsam ist ihnen: kein Hitzestau, nachts darf es kühler werden. Gehalten wird eher warm als nass, mit viel frischer Luft. Staunässe führt schnell zu Schimmel.

Jahreslauf

Saisonale Veränderungen

Eine Winterruhe gibt es nicht. Wegen des schnellen Wachstums häutet sich ein junges Tier oft.

Häutung: Vorher stellt sie das Fressen ein und bleibt im Gespinst. Dann wird weder gefüttert noch gestört. Nach der Häutung wartet man bei Jungtieren ein bis zwei Tage mit dem Futter, bei großen Tieren etwa fünf bis zehn Tage.

Einrichtung

Hoch, luftig und sicher

Becken: Hoch statt breit. Für ein erwachsenes Tier nennen Quellen etwa 25 × 25 × 40 cm oder 19 bis 26 Liter in der Höhe. Etwas mehr Raum schadet nicht, denn sie baut gern am Rand und unter der Decke.

Bodengrund: rund 5 cm, leicht feucht, zum Beispiel eine Mischung aus Erde, Lehm und Sand. Kokosfaser braucht es nicht.

Ausstattung: eine Korkröhre senkrecht oder schräg, Äste und Rindenstücke, an denen sie ihr Gespinst anlegen kann, und eine Wasserschale mit frischem Wasser.

Ernährung

Futtertiere und Rhythmus

Futtertiere: Grillen, Schaben und Heuschrecken in passender Größe. Alle Quellen nennen sie eine sehr gute Fresserin.

Jungtiere
zweimal pro Woche, kleine Beute
Halbwüchsig
alle 7 bis 10 Tage
Erwachsen
alle 2 bis 3 Wochen, je nach Hinterleib

Übrig gebliebenes Futter kommt nach einem Tag wieder heraus.

Verhalten

Scheu und blitzschnell

Tagsüber hält sie sich meist versteckt, nachts wird sie aktiv. Bei Störung schießt sie davon. Zwei Quellen stufen sie als eine der defensivsten Arten im Hobby ein, Halterberichte zeigen aber Unterschiede von Tier zu Tier, manche werden mit dem Alter ruhiger. Für Anfänger gilt sie als ungeeignet.

Zur Giftwirkung gehen die Angaben auseinander: Foren sehen keine medizinische Bedeutung, ein Pflegeblatt nennt Übelkeit, Schwindel und Krämpfe nach einem Biss. Eine belastbare Studie dazu habe ich nicht gefunden. Wegen des Fluchtreflexes wird nur im geschlossenen Becken oder über eine Dose gearbeitet.

Gut zu wissen

Hamburger Wurzeln und Zirpen

Die Gattung Psalmopoeus besitzt Lautäußerungsborsten an den Mundwerkzeugen, die bei Neuwelt-Arten sonst fehlen. Das Typusmaterial der Art liegt laut World Spider Catalog im Zoologischen Museum Hamburg.

Der Artname geht laut Wikipedia auf die Lebensgefährtin des Erstbeschreibers zurück. Weibchen legen gelegentlich leere Kokons, auch ohne Verpaarung. Zu den Eiern pro Kokon schwanken die Angaben von etwa 50 bis 200, ein dokumentierter Fall ergab 108 Jungspinnen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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