Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Tliltocatlvagans


Samtschwarz, mit einem Hinterleib voller langer roter Haare: die „Mexican Red Rump“ ist ein robuster, eher ruhiger Bodenbewohner, der eigene Röhren gräbt und viele Jahre alt werden kann. Bis 2020 lief sie unter dem Namen Brachypelma vagans.

Im Bestand
Meztli
Kennung
26.FN.0.0.1.SNF.001
Besonderheit
meine erste Vogelspinne
Zeichnung einer Tliltocatl vagans: schwarzer Körper, geringelte Beine, rot behaarter Hinterleib
Illustration, KI-generiert · Tliltocatl vagans

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Tliltocatl vagans (Ausserer, 1875)
Früher
Brachypelma vagans
Trivialname
Mexican Red Rump, Schwarzrote Vogelspinne
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
Herkunft
Mexiko, vor allem die Halbinsel Yucatán, sowie angrenzende Teile Mittelamerikas wie Belize und Guatemala
Lebensweise
bodenbewohnend, gräbt eigene Wohnröhren
Endgröße
etwa 5–6 cm Körperlänge, bis rund 14 cm Beinspannweite
Wachstum
eher langsam
Lebenserwartung
Weibchen oft 15–20 Jahre und mehr; Männchen leben nach der Reifehäutung meist nur noch wenige Jahre
Verteidigung
Brennhaare am Hinterleib; Biss für gesunde Menschen vergleichsweise harmlos
Schutzstatus
CITES II  EU-Anhang B · Herkunftsnachweis erforderlich

Erkennen

Schwarz und Rot, sonst nichts

Vorderkörper und Beine sind gleichmäßig tiefschwarz, ohne Zeichnung. Auffällig ist allein der Hinterleib mit seinen langen, rötlichen Haaren. Farbige Ringe an den Beingelenken, wie sie viele Brachypelma-Arten tragen, fehlen ihr — das ist das einfachste Unterscheidungsmerkmal.

Männchen wirken schlanker und hochbeiniger, Weibchen sind kompakter und schwerer gebaut. Frisch geschlüpfte Jungtiere sind noch unscheinbar hell; die typische Färbung bildet sich mit den Häutungen heraus.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22–27 °C
Temperatur
Zimmertemperatur reicht meist; nachts darf es etwas kühler werden
55–65 %
Luftfeuchte
eher trocken halten, Bodengrund unten leicht feucht
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Bewährt hat sich ein Feuchtigkeitsgefälle: die tieferen Schichten des Bodengrunds leicht feucht, die Oberfläche abgetrocknet. Dauerhaft nasser Boden führt schnell zu Schimmel und ist der häufigste Haltungsfehler bei dieser Art.

Jahreslauf

Saisonale Veränderungen

Eine ausgeprägte Winterruhe braucht die Art nicht. Etwas kühlere und trockenere Wintermonate, wie sie in einer beheizten Wohnung ohnehin entstehen, verträgt sie gut. In dieser Zeit frisst sie oft weniger — das ist normal und kein Grund zur Sorge, solange der Hinterleib gut gefüllt ist.

Häutung: Vor einer Häutung verweigert das Tier häufig wochenlang das Futter, der Hinterleib wird dunkler und glänzend, und es zieht sich in die Röhre zurück. In dieser Phase wird nicht gefüttert und nicht gestört. Nach der Häutung braucht der neue Panzer einige Tage bis etwa zwei Wochen, um auszuhärten — erst danach gibt es wieder Futter.

Einrichtung

Fläche statt Höhe

Becken: Als Bodenbewohner braucht sie Grundfläche, keine Höhe. Als Faustregel gilt eine Länge von etwa drei und eine Breite von etwa zwei Beinspannweiten. Ein zu hohes Becken ist sogar gefährlich: Stürzt ein schweres Tier von der Scheibe oder vom Deckel, kann der Hinterleib aufplatzen.

Bodengrund: grabfähig, humos und gut formbar, damit Röhren nicht einstürzen. Die Füllhöhe darf großzügig sein, etwa die Hälfte der Beckenhöhe. Etwas Falllaub obenauf bietet zusätzliche Deckung.

Ausstattung: ein Versteck als Startpunkt für die eigene Röhre, etwa eine halb eingegrabene Korkröhre, und eine flache Wasserschale. Deko ohne scharfe Kanten, das Becken sicher verschlossen und gut belüftet.

Ernährung

Futtertiere und Rhythmus

Futtertiere: Heimchen, Grillen und Schaben, gelegentlich auch Larven wie Mehlwürmer zur Abwechslung. Das Futtertier sollte nicht größer sein als der Hinterleib der Spinne.

Jungtiere
zwei- bis dreimal pro Woche, passend kleine Beute
Halbwüchsig
etwa einmal pro Woche
Erwachsen
alle ein bis zwei Wochen, je nach Hinterleib

Der beste Maßstab ist der Hinterleib: Ist er deutlich breiter als der Vorderkörper, darf eine Pause eingelegt werden. Futter, das nach einem Tag nicht angenommen wurde, kommt wieder heraus — lebende Grillen können ein Tier in der Häutung verletzen. Frisches Wasser steht immer bereit.

Verhalten

Ruhig, aber schreckhaft

Im Alltag gilt sie als gelassen und ist oft offen am Röhreneingang zu sehen. Bei Störung zieht sie sich zurück oder streift mit den Hinterbeinen Brennhaare vom Hinterleib ab. Diese reizen Haut, Augen und Atemwege teils deutlich, deshalb gilt: nicht auf die Hand nehmen, bei Arbeiten im Becken ruhig bleiben und die Hände danach waschen.

Vogelspinnen sind Einzelgänger. Gehalten wird jedes Tier allein; Männchen und Weibchen kommen nur zur Verpaarung und unter Aufsicht zusammen.

Artenschutz

Nachweis gehört dazu

Wie alle Arten der Gattungen Tliltocatl und Brachypelma steht Tliltocatl vagans in CITES Anhang II und damit in EU-Anhang B. Die Haltung ist erlaubt, der rechtmäßige Erwerb muss aber jederzeit belegt werden können. Was das im Einzelnen heißt, steht unter Artenschutz & Nachweispflicht.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.

  • World Spider Catalog, Natural History Museum Bern — Eintrag Tliltocatl vagans
  • Mendoza, J. & Francke, O. (2020): Systematic revision of Mexican threatened tarantulas Brachypelma. Zoological Journal of the Linnean Society 188 (1), doi:10.1093/zoolinnean/zlz046
  • CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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