Praxis · Herzensprojekt
ZweiteChance
Viele meiner Pflanzen stammen nicht aus dem Katalog, sondern aus der Ecke, an der die meisten vorbeigehen: schief gewachsen, mit gelben Flecken, im Supermarkt halb vertrocknet. Ich nehme sie trotzdem mit. Oder gerade deshalb.
Warum ich das mache
Weil es Leben ist
Eine Pflanze, die nicht ganz nach Katalog gewachsen ist, ist deswegen nicht weniger wert. Sie hat vielleicht zu wenig Licht bekommen, zu viel Wasser oder einfach niemanden, der sich gekümmert hat. Aber sie lebt, und mit ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit treibt sie oft wieder aus, als wäre nichts gewesen.
Ich finde, das ist es wert. Es ist Leben, das man schützen kann, statt es im Container landen zu lassen. Und es sind so tolle Pflanzen dabei, die nur ein wenig Pech hatten.
Ganz ehrlich: Es gibt auch einen praktischen Grund. Finanziell ist bei mir nicht alles rosig, und eine Pflanze aus der Reduziert-Ecke kostet oft nur einen Bruchteil. So kann ich mich trotzdem mit Grün umgeben, und die Pflanze bekommt ein Zuhause.
Nicht nach Katalog
Jede hat ihre Geschichte
Wenn man genau hinschaut, hat jede meiner Pflanzen irgendwo etwas, das nicht im Katalog stehen würde: ein Blatt mit Narbe, einen krummen Trieb, eine Stelle, an der einmal etwas nicht gestimmt hat. Mich stört das nicht. Im Gegenteil, genau das macht sie zu meinen Pflanzen.
Auch meine Alocasia 'Jacklyn' gehört dazu. Heute ist sie der Blickfang in meiner Wohnung.
Aufpäppeln
Was einer Pflanze wieder auf die Beine hilft
- Genau hinschauen
Blattunterseiten und Blattachseln nach Schädlingen absuchen. Die Wurzeln verraten viel: fest und hell ist gut, braun und matschig bedeutet Fäulnis. Stamm oder Knolle sollten sich fest anfühlen.
- Erst einmal allein
Neue Pflanzen stehen ein paar Wochen für sich, weit weg von den anderen. So schleppt man keine Spinnmilben oder Trauermücken in die ganze Sammlung.
- Frische Erde
Umtopfen, alte Erde vorsichtig entfernen und faule Wurzeln sauber abschneiden. Luftiges, frisches Substrat ist oft schon die halbe Rettung.
- Weniger ist mehr
Nicht gleich düngen und nicht aus Mitleid ertränken. Maßvoll gießen, hell stellen, aber nicht in die pralle Sonne, eine geschwächte Pflanze verträgt keine Extreme.
- Geduld
Neue Blätter lassen oft Wochen auf sich warten. Beschädigte alte Blätter dürfen bleiben, solange sie noch grün sind, sie versorgen die Pflanze weiter, bis Nachschub kommt.
Wichtig für Terrarianer
Erst gesund, dann ins Becken
Pflanzen aus Supermarkt, Baumarkt oder Gärtnerei sind oft mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, manchmal so, dass der Wirkstoff in der Pflanze selbst steckt. Was Blattläusen schadet, schadet auch Asseln, Springschwänzen und Spinnen.
Deshalb: Wurzeln gründlich abspülen, in frische Erde setzen und die Pflanze eine ganze Weile außerhalb des Beckens wachsen lassen. Viele Halter warten mehrere Monate, bis einige neue Blätter nachgewachsen sind. Je länger, desto sicherer.
Galerie
Gerettet
Hier zeige ich nach und nach Pflanzen, die bei mir eine zweite Chance bekommen haben. Die Galerie wächst.
Wenn du auch mal vorbeikommst
An so einer Ecke mit reduzierten Pflanzen zum Beispiel: Schau ruhig einmal genauer hin. Nicht jede Pflanze ist zu retten, aber erstaunlich viele sind es. Und kaum etwas freut mehr als das erste neue Blatt an einer Pflanze, die schon aufgegeben war.
Stand: 22. September 2026. Zurück zur Praxis.