Artenporträt · Tausendfüßer
Antheromorphauncinata
Ein flacher Tausendfüßer mit kantigen Seitenflügeln und kräftiger Zeichnung: dunkle Bänder auf rosa, rotem oder gelbem Grund. In Thailand ist er alles andere als selten, in manchen Jahren laufen die Tiere dort zu Tausenden durch die Dörfer.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Antheromorpha uncinata (Attems, 1931)
- Handelsnamen
- Thai Pink Dragon Millipede, Red Flatback Millipede; ein fester deutscher Name hat sich nicht eingebürgert
- Familie
- Paradoxosomatidae · Ordnung Bandfüßer (Polydesmida)
- Herkunft
- Thailand, von den zentralen und nordöstlichen Provinzen bis in den Norden; der Fundort der Erstbeschreibung ist Muak Lek
- Größe
- nach der Revision von 2016 messen Männchen 3,0–4,3 cm und Weibchen 3,4–4,5 cm. Die im Handel genannten 5 bis 8 cm sind deutlich zu hoch gegriffen
- Färbung
- rot, orange bis gelb mit dunklen Bändern, Kopf und Fühler schwärzlich; im Handel laufen Farbformen als „Pink“ und „Yellow“
- Lebensweise
- lichtscheuer Bodenbewohner in der Laubschicht, gesellig
- Lebenserwartung
- im Hobby werden zwei bis drei Jahre genannt, belastbare Angaben fehlen
- Verteidigung
- Wehrsekret mit Blausäure, riecht nach Bittermandel
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Flach, gebändert, mit Seitenflügeln
Bandfüßer sind keine Röhren, sondern flach: An jedem Segment stehen seitlich kantige Fortsätze ab, die Paranota. Dadurch wirkt das Tier breiter, als es ist, und sitzt flach auf dem Laub. Über den Rücken zieht sich ein heller Mittelstreifen, der auf beiden Seiten dunkel eingefasst ist.
Verwechselt wird die Art gern mit den Drachentausendfüßern der Gattung Desmoxytes. Die haben deutlich längere, spitzere Dornen und bleiben kleiner. Antheromorpha wirkt daneben kompakt und glatt.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Flache Tausendfüßer trocknen schneller aus als die runden Riesen. Das Substrat darf deshalb nie durchtrocknen, aber auch nicht nass sein: Steht Wasser im Boden, ersticken die Tiere in ihren Gängen. Eine Winterruhe gibt es nicht.
Einrichtung
Das Substrat ist das Futter
Becken: Für eine Gruppe reicht ein Becken ab etwa 30 × 30 × 30 cm. Wichtig ist die Bodenhöhe, nicht die Grundfläche.
Bodengrund: mindestens 10 cm aus zersetztem Laubholz, viel weißfaulem Holz und zerkleinertem Buchen- oder Eichenlaub. Reiner Kokoshumus und normale Blumenerde bieten den Tieren nichts, darin hungern sie.
Ausstattung: Rindenstücke und Moos als Deckung, dazu eine dauerhafte Kalkquelle, etwa Sepiaschale. Häuten und Eiablage finden im Boden statt, deshalb dort möglichst wenig graben.
Ernährung
Laub, Holz und etwas Beilage
Den Großteil frisst die Art direkt aus dem Bodengrund. Zugefüttert wird sparsam: Gurke, Zucchini, Süßkartoffel oder Flechten auf Ästen. Reste kommen nach einem Tag heraus, sonst schimmeln sie.
Für den Panzer brauchen Tausendfüßer dauerhaft Kalk. Alle paar Wochen etwas Eiweiß, zum Beispiel Fischflocken, senkt das Risiko, dass sich die Tiere gegenseitig anknabbern.
Verhalten
Gesellig und friedlich
Untereinander sind die Tiere friedlich, und in der Gruppe sieht man deutlich mehr von ihnen. Ein Artenbecken ist trotzdem sinnvoll, damit die empfindlichen Häutungsphasen im Boden ungestört bleiben. Springschwänze und ein paar Asseln als Bodenpolizei passen dazu.
Bei Störung rollt sich das Tier ein und bleibt liegen. Setzt es dabei sein Wehrsekret frei, riecht es deutlich nach Bittermandel.
Gut zu wissen
Blausäure und Massenwanderungen
Bandfüßer stellen in ihren Wehrdrüsen Blausäure her, dazu Benzaldehyd, das den Bittermandelgeruch verursacht. Für den Menschen ist das bei normalem Umgang harmlos, es kann aber Haut und Augen reizen. Also: Tiere nicht ans Gesicht halten und nach dem Umgang die Hände waschen.
Im Norden Thailands sorgt die Art regelmäßig für Schlagzeilen. In manchen Jahren tauchen die Tiere nach den ersten Regenfällen in riesiger Zahl auf und laufen durch Höfe und Häuser. Es gibt sogar Studien dazu, wie man sie wieder loswird. Nebenbei: Der Ort der Erstbeschreibung, Muak Lek, liegt keine 30 Kilometer von Pak Chong entfernt, der Gegend, aus der auch mein Anurostreptus stammt.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.
- Likhitrakarn, N., Golovatch, S. I. & Panha, S. (2016): Review of the Southeast Asian millipede genus Antheromorpha Jeekel, 1968. ZooKeys 571: 21–57, doi:10.3897/zookeys.571.7566 (Maße, Färbung, Verbreitung)
- Likhitrakarn, N., Golovatch, S. I., Srisonchai, R. & Panha, S. (2019): A new species and a new record of the Southeast Asian millipede genus Antheromorpha. ZooKeys, frei verfügbar bei PubMed Central (Verbreitung in Thailand, Massenauftreten)
- Shear, W. A. (2015): The chemical defenses of millipedes (Diplopoda): biochemistry, physiology and ecology. Biochemical Systematics and Ecology 61: 78–117, doi:10.1016/j.bse.2015.04.033 (Wehrsekret, Blausäure)
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.