Mario Sickert

Artenporträt · Schaben

Shelfordellalateralis


Unscheinbar, aber unverzichtbar: Die Schokoschabe ist mein wichtigstes Futtertier. Sie ist flink, vergräbt sich nicht und kann an glatten Wänden nicht hochlaufen. Bei vielen meiner Jäger löst schon ihr Anblick den Jagdtrieb aus.

Im Bestand
eigene Futtertierzucht
Abgabe
kleine Mengen auf Nachfrage
Zeichnung einer rotbraunen Schokoschabe von der Seite mit langen Fühlern und bedornten Beinen
Illustration, KI-generiert · Shelfordella lateralis

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Shelfordella lateralis (Walker, 1868)
Auch geführt als
Blatta lateralis; je nach Auffassung ist Shelfordella eine eigene Gattung oder eine Untergattung von Blatta
Trivialnamen
Schokoschabe, Turkestanschabe; englisch Red Runner
Einordnung
Schaben (Blattodea) · Familie Blattidae
Herkunft
von Nordafrika über den Nahen Osten bis Zentralasien; vom Menschen verschleppt, etwa in den Südwesten der USA
Größe
erwachsen etwa 2,5–3 cm
Entwicklung
je nach Wärme einige Monate vom Schlupf bis zum erwachsenen Tier
Verwendung
Futtertier für Spinnen, Skorpione, Mantiden und viele mehr
Schutzstatus
nicht geschützt

Erkennen

Drei Schaben in einer

Männchen sind schlank, goldbraun und voll geflügelt. Fliegen können sie kaum, aber flattern und ein Stück gleiten.

Weibchen sind breiter, dunkelbraun bis fast schwarz und haben nur winzige Flügelstummel. An den Seiten tragen sie eine feine, helle Zeichnung, auf die sich der Name lateralis, „seitlich“, bezieht.

Nymphen sind zweifarbig: vorne rötlich braun, hinten dunkel. Daher vermutlich auch der Name Schokoschabe.

Klima

Warm und trocken

25–30 °C
Temperatur
je wärmer, desto schneller die Vermehrung
40–50 %
Luftfeuchte
trocken und gut belüftet
dunkel
Licht
nachtaktiv und lichtscheu

Der häufigste Fehler ist zu viel Feuchtigkeit. Schlechte Belüftung und feuchtes Futter führen schnell zu Schimmel und Milben.

Haltung

So halte ich sie

Ganz unspektakulär: eine große Aufbewahrungsbox mit großen, mit feiner Gaze verschlossenen Lüftungsflächen im Deckel. Einen Bodengrund braucht es nicht. Hochkant gestellte Eierkartons, dicht an dicht, vervielfachen die Fläche, bieten Dunkelheit und nehmen Feuchtigkeit auf.

Die Kartons tausche ich je nach Besatz regelmäßig gegen frische aus. So haben Milben keine Chance.

Ernährung

Allesfresser

Trocken
Haferflocken, Weizenkleie, dazu etwas Eiweiß, etwa Fischfutter oder Trockenfutter für Hund oder Katze
Frisch
Karotte, Apfel, Zucchini und anderes Obst und Gemüse
Wasser
nur über das Frischfutter, keinen offenen Napf

In offenen Wassernäpfen ertrinken die kleinen Nymphen. Reste vom Frischfutter nehme ich nach ein bis zwei Tagen wieder heraus. Genug Eiweiß im Futter beugt außerdem vor, dass sie sich gegenseitig anknabbern.

Fortpflanzung

Eipakete im Karton

Die Weibchen legen kleine Eipakete, sogenannte Ootheken, die sie einfach irgendwo ablegen oder festkleben. Männchen und Weibchen kommen in einer Zucht gut miteinander aus, und die Tiere sitzen gern dicht gedrängt beieinander. Das ist ausdrücklich erwünscht, denn der enge Kontakt regt Wachstum und Paarung an. Um das Verhältnis der Geschlechter muss man sich kaum kümmern, es regelt sich von selbst.

Als Futtertier

Warum ausgerechnet Schokoschaben

Anders als Waldschaben oder Zophobas graben sie sich nicht ein. Sie laufen flink über den Boden und werden so schnell entdeckt, gerade von Lauerjägern wie Vogelspinnen und Skorpionen. Weil sie an Glas und glattem Kunststoff nicht hochkommen, lassen sie sich außerdem gut handhaben.

Aus einer Zucht gibt es alle Größen: Winzige Nymphen passen sogar für meine Zwergholzskorpione, mittlere für viele Vogelspinnen und Mantiden. Nicht gefressene Tiere nehme ich wieder aus dem Becken.

Abgabe

Wenn mal mehr da ist

Meine Zucht produziert manchmal mehr, als ich verfüttern kann. Deshalb gebe ich gelegentlich kleine Mengen ab, am liebsten mittlere Stadien, auf Nachfrage auch gemischte Größen für den Start einer eigenen kleinen Zucht. Mehr dazu unter Abgabe & Suche.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf meine eigene Futtertierzucht.

  • Kim, T. & Rust, M. K. (2013): Life History and Biology of the Invasive Turkestan Cockroach, Journal of Economic Entomology 106 (6)
  • Cockroach Species File (Name und Einordnung)
  • WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

Alle Artenporträts   Zur Bestandsliste