Artenporträt · Skorpione
Liochelesaustralasiae
Flach wie ein Blatt Papier, mit großen Scheren und einem erstaunlich dünnen Schwanz: Der Zwergholzskorpion lebt in Spalten unter Rinde und Steinen und bleibt dort am liebsten ungesehen. Sein größtes Geheimnis: Er braucht keine Männchen. Bei mir leben zwei Weibchen, Melati und Lestari.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Liocheles australasiae (Fabricius, 1775)
- Trivialname
- Zwergholzskorpion; englisch Dwarf Wood Scorpion
- Einordnung
- Skorpione (Scorpiones) · Familie Hormuridae, früher als Liochelidae oder Ischnuridae geführt
- Herkunft
- riesiges Gebiet von Indien und Sri Lanka über Südostasien, Südchina und Japan bis Neuguinea, Australien und viele Pazifikinseln
- Lebensraum
- feuchte, warme Wälder, in Spalten unter Rinde, Holz und Steinen
- Größe
- etwa 2,2–3,6 cm Gesamtlänge
- Fortpflanzung
- in den meisten Populationen ohne Männchen (Jungfernzeugung)
- Lebenserwartung
- mehrere Jahre
- Gift
- schwach, für Menschen harmlos
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Große Scheren, dünner Schwanz
Der Körper ist extrem flach gebaut, eine Anpassung an das Leben in engen Ritzen. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis fast schwarz, Beine und Scheren sind oft etwas heller und rötlich braun. Auffällig sind die breiten, kräftigen Scheren im Vergleich zum schmalen, eher kurzen Schwanz.
Das passt zu einer alten Faustregel aus dem Hobby: Skorpione mit großen Scheren und dünnem Schwanz verlassen sich beim Beutefang und zur Verteidigung vor allem auf ihre Scheren. Ihr Gift ist meist schwach. Beim Zwergholzskorpion trifft das zu. Als allgemeine Regel taugt es trotzdem nicht, auf die eigene Sicherheit sollte man sich dabei nie verlassen.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Ein Tier aus dem Regenwald: Trocknet das Becken aus, gibt es Probleme bei der Häutung. Am besten hält man eine Seite etwas feuchter als die andere. So kann sich jeder Skorpion seinen Platz selbst aussuchen.
Einrichtung
Spalten, Spalten, Spalten
Becken: Weil die Tiere so klein sind, reicht ein kleines Becken, für wenige Tiere etwa ab 20 × 20 × 20 cm. Wichtiger als die Größe ist ein ausbruchsicherer Deckel, denn durch schmale Lüftungsschlitze passen sie mühelos hindurch.
Bodengrund: einige Zentimeter feuchtigkeitshaltendes Substrat. Bei mir ist das wie in allen Becken mein Assel- und Käfersubstrat mit Laub und etwas morschem Holz. Mehr dazu unter Bodenleben.
Verstecke: das Wichtigste überhaupt. Flache Korkrindenstücke oder Schieferplatten, locker übereinandergelegt, ergeben genau die engen Spalten, in denen sie auch in der Natur sitzen. Dazu ein winziger, flacher Wassernapf, etwa ein Kronkorken, und ab und zu etwas sprühen.
Mitbewohner: Springschwänze wie Sinella curviseta räumen Futterreste und Schimmel weg und sind für die Skorpione ungefährlich.
Ernährung
Klein muss es sein
Die Beute richtet sich nach der Größe des Jägers, und die ist hier eben winzig. Gut passen:
- Bei mir
- Ofenfischchen aus eigener Zucht
- Ebenfalls gut
- kleine Nymphen von Schokoschaben, Mikroheimchen, Fruchtfliegen
- Wie oft
- etwa ein- bis zweimal pro Woche, je nach Bauchumfang
Was nach einem Tag nicht gefressen ist, nehme ich wieder heraus. Mehr über meine Futtertiere steht unter Futter.
Fortpflanzung
Ein Weibchen reicht
Der Zwergholzskorpion pflanzt sich in den allermeisten Fällen durch Jungfernzeugung fort: Die Weibchen bekommen Nachwuchs, ohne sich je gepaart zu haben. Männchen sind so selten, dass man sie in der Haltung praktisch nie zu sehen bekommt. Eine Studie hat die Jungfernzeugung sogar über fünf Generationen hinweg nachgewiesen.
Wie bei allen Skorpionen kommen die Jungen lebend zur Welt und klettern sofort auf den Rücken der Mutter. Dort bleiben sie bis zu ihrer ersten Häutung. Ein einzelnes Weibchen kann so eine ganze kleine Gruppe gründen.
Verhalten
Friedlich und fast unsichtbar
Zwergholzskorpione gelten als verträglich und lassen sich gut in kleinen Gruppen halten. Voraussetzung sind genug Futter und genug Spalten für alle. Wer sie halten möchte, braucht Geduld: Tagsüber sieht man sie so gut wie nie. Erst in der Nacht, mit etwas Glück und einer schwachen Taschenlampe, zeigen sie sich.
Sie stechen nur selten und setzen lieber ihre Scheren ein. Trotzdem sind es Beobachtungstiere, auf die Hand gehören sie nicht.
Gut zu wissen
Ein Skorpion mit langer Geschichte
Beschrieben wurde die Art schon 1775 von Johan Christian Fabricius, einem Schüler Carl von Linnés. Ihr riesiges Verbreitungsgebiet verdankt sie vermutlich auch ihrer Fortpflanzung: Ein einziges Weibchen, das etwa mit Holz oder Pflanzen auf eine neue Insel gelangt, genügt, um dort eine Population zu begründen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.
- Rein, J. O.: The Scorpion Files, NTNU Trondheim (Name, Familie, Verbreitung)
- Yamazaki, K. & Makioka, T. (2005): Parthenogenesis through five generations in the scorpion Liocheles australasiae, The Journal of Arachnology
- Lourenço, W. R. (2008): Parthenogenesis in scorpions: some history, new data
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.