Mario Sickert

Artenporträt · Skorpione

Liochelesaustralasiae


Flach wie ein Blatt Papier, mit großen Scheren und einem erstaunlich dünnen Schwanz: Der Zwergholzskorpion lebt in Spalten unter Rinde und Steinen und bleibt dort am liebsten ungesehen. Sein größtes Geheimnis: Er braucht keine Männchen. Bei mir leben zwei Weibchen, Melati und Lestari.

Im Bestand
Melati und Lestari
Fortpflanzung
ohne Männchen
Zeichnung eines dunkelbraunen Skorpions mit großen Scheren, hellbraunen Beinen und erhobenem Schwanz
Illustration, KI-generiert · Liocheles australasiae

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Liocheles australasiae (Fabricius, 1775)
Trivialname
Zwergholzskorpion; englisch Dwarf Wood Scorpion
Einordnung
Skorpione (Scorpiones) · Familie Hormuridae, früher als Liochelidae oder Ischnuridae geführt
Herkunft
riesiges Gebiet von Indien und Sri Lanka über Südostasien, Südchina und Japan bis Neuguinea, Australien und viele Pazifikinseln
Lebensraum
feuchte, warme Wälder, in Spalten unter Rinde, Holz und Steinen
Größe
etwa 2,2–3,6 cm Gesamtlänge
Fortpflanzung
in den meisten Populationen ohne Männchen (Jungfernzeugung)
Lebenserwartung
mehrere Jahre
Gift
schwach, für Menschen harmlos
Schutzstatus
nicht geschützt

Erkennen

Große Scheren, dünner Schwanz

Der Körper ist extrem flach gebaut, eine Anpassung an das Leben in engen Ritzen. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis fast schwarz, Beine und Scheren sind oft etwas heller und rötlich braun. Auffällig sind die breiten, kräftigen Scheren im Vergleich zum schmalen, eher kurzen Schwanz.

Das passt zu einer alten Faustregel aus dem Hobby: Skorpione mit großen Scheren und dünnem Schwanz verlassen sich beim Beutefang und zur Verteidigung vor allem auf ihre Scheren. Ihr Gift ist meist schwach. Beim Zwergholzskorpion trifft das zu. Als allgemeine Regel taugt es trotzdem nicht, auf die eigene Sicherheit sollte man sich dabei nie verlassen.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

24–28 °C
Temperatur
nachts darf es auf Zimmertemperatur absinken
70–85 %
Luftfeuchte
Bodengrund immer leicht feucht, nie nass
keins
Licht
nachtaktiv, das Raumlicht genügt

Ein Tier aus dem Regenwald: Trocknet das Becken aus, gibt es Probleme bei der Häutung. Am besten hält man eine Seite etwas feuchter als die andere. So kann sich jeder Skorpion seinen Platz selbst aussuchen.

Einrichtung

Spalten, Spalten, Spalten

Becken: Weil die Tiere so klein sind, reicht ein kleines Becken, für wenige Tiere etwa ab 20 × 20 × 20 cm. Wichtiger als die Größe ist ein ausbruchsicherer Deckel, denn durch schmale Lüftungsschlitze passen sie mühelos hindurch.

Bodengrund: einige Zentimeter feuchtigkeitshaltendes Substrat. Bei mir ist das wie in allen Becken mein Assel- und Käfersubstrat mit Laub und etwas morschem Holz. Mehr dazu unter Bodenleben.

Verstecke: das Wichtigste überhaupt. Flache Korkrindenstücke oder Schieferplatten, locker übereinandergelegt, ergeben genau die engen Spalten, in denen sie auch in der Natur sitzen. Dazu ein winziger, flacher Wassernapf, etwa ein Kronkorken, und ab und zu etwas sprühen.

Mitbewohner: Springschwänze wie Sinella curviseta räumen Futterreste und Schimmel weg und sind für die Skorpione ungefährlich.

Ernährung

Klein muss es sein

Die Beute richtet sich nach der Größe des Jägers, und die ist hier eben winzig. Gut passen:

Bei mir
Ofenfischchen aus eigener Zucht
Ebenfalls gut
kleine Nymphen von Schokoschaben, Mikroheimchen, Fruchtfliegen
Wie oft
etwa ein- bis zweimal pro Woche, je nach Bauchumfang

Was nach einem Tag nicht gefressen ist, nehme ich wieder heraus. Mehr über meine Futtertiere steht unter Futter.

Fortpflanzung

Ein Weibchen reicht

Der Zwergholzskorpion pflanzt sich in den allermeisten Fällen durch Jungfernzeugung fort: Die Weibchen bekommen Nachwuchs, ohne sich je gepaart zu haben. Männchen sind so selten, dass man sie in der Haltung praktisch nie zu sehen bekommt. Eine Studie hat die Jungfernzeugung sogar über fünf Generationen hinweg nachgewiesen.

Wie bei allen Skorpionen kommen die Jungen lebend zur Welt und klettern sofort auf den Rücken der Mutter. Dort bleiben sie bis zu ihrer ersten Häutung. Ein einzelnes Weibchen kann so eine ganze kleine Gruppe gründen.

Verhalten

Friedlich und fast unsichtbar

Zwergholzskorpione gelten als verträglich und lassen sich gut in kleinen Gruppen halten. Voraussetzung sind genug Futter und genug Spalten für alle. Wer sie halten möchte, braucht Geduld: Tagsüber sieht man sie so gut wie nie. Erst in der Nacht, mit etwas Glück und einer schwachen Taschenlampe, zeigen sie sich.

Sie stechen nur selten und setzen lieber ihre Scheren ein. Trotzdem sind es Beobachtungstiere, auf die Hand gehören sie nicht.

Gut zu wissen

Ein Skorpion mit langer Geschichte

Beschrieben wurde die Art schon 1775 von Johan Christian Fabricius, einem Schüler Carl von Linnés. Ihr riesiges Verbreitungsgebiet verdankt sie vermutlich auch ihrer Fortpflanzung: Ein einziges Weibchen, das etwa mit Holz oder Pflanzen auf eine neue Insel gelangt, genügt, um dort eine Population zu begründen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.

  • Rein, J. O.: The Scorpion Files, NTNU Trondheim (Name, Familie, Verbreitung)
  • Yamazaki, K. & Makioka, T. (2005): Parthenogenesis through five generations in the scorpion Liocheles australasiae, The Journal of Arachnology
  • Lourenço, W. R. (2008): Parthenogenesis in scorpions: some history, new data
  • WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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