Artenporträt · Mantiden
Hymenopuscoronatus
Weiß und rosa, mit Beinen wie Blütenblätter: Die Orchideenmantis ist wohl die schönste Fangschrecke der Welt. Sie tarnt sich nicht nur als Blüte, sie lockt ihre Beute sogar aktiv an.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Hymenopus coronatus (Olivier, 1792)
- Trivialname
- Orchideenmantis, Kronenfangschrecke
- Einordnung
- Fangschrecken (Mantodea) · Familie Hymenopodidae
- Herkunft
- Regenwälder Südostasiens, unter anderem Malaysia, Thailand, Sumatra und Borneo
- Größe
- Weibchen etwa 6–9 cm, Männchen nur 2,5–4 cm
- Entwicklung
- Weibchen sind nach neun Häutungen erwachsen, Männchen schon nach sieben
- Lebenserwartung
- Weibchen bis etwa 1,5 Jahre, Männchen bis etwa 1 Jahr; die Angaben schwanken
- Haltung
- einzeln
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Eine Blüte auf sechs Beinen
Weiß bis zart rosa, mit breiten, blütenblattartigen Lappen an den Laufbeinen: Kaum ein Tier sieht einer Blüte so ähnlich wie die Orchideenmantis. Zwischen Blüten sitzend ist sie für ihre Beute praktisch unsichtbar.
Weibchen und Männchen unterscheiden sich so stark wie bei kaum einer anderen Mantis. Das Weibchen ist massig und kräftig, das Männchen winzig, schlank und ein guter Flieger.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Wärme und Feuchte allein reichen nicht: Die Orchideenmantis braucht vor allem frische Luft. Stehende, feuchte Luft ist für sie gefährlicher als ein etwas trockenerer Tag.
Einrichtung
Hoch und luftig
Becken: Für ein erwachsenes Weibchen nennen viele Halter rund 20 × 20 × 30 cm. Wichtiger als die Grundfläche ist die Höhe: mindestens dreimal so viel wie die Körperlänge, denn Mantiden häuten sich kopfüber hängend.
Belüftung: am besten Lüftungsflächen oben und unten, damit die Luft durch das Becken zieht.
Ausstattung: Äste, auch waagerecht und gebogen, sowie feste, breite Blätter als Sitzplätze. Der Boden spielt kaum eine Rolle, sie hält sich fast nie dort auf.
Ernährung
Am liebsten, was fliegt
- Erste Stadien
- kleine Fruchtfliegen, danach große Fruchtfliegen
- Ab etwa L5
- Fliegen, dazu passende Schokoschaben oder Heuschrecken
- Trinken
- Tropfen von Blättern oder der Scheibe, deshalb regelmäßig leicht sprühen
Fliegende Futtertiere sind ideal, weil sie ihr natürliches Jagdverhalten ansprechen. Die Beute sollte nicht größer sein als die Mantis selbst.
Verhalten & Fortpflanzung
Einzelgängerin mit Geduld
Als Lauerjägerin wartet sie reglos, bis Beute in Reichweite kommt. Artgenossen gegenüber ist sie nicht zimperlich, deshalb wird jedes Tier einzeln gehalten.
Weil Männchen weniger Häutungen brauchen, sind sie viel früher erwachsen als die Weibchen. Züchter halten sie deshalb oft etwas kühler, damit beide zur selben Zeit bereit sind. Das Männchen ist nach der letzten Häutung nach etwa einer Woche paarungsbereit, das Weibchen erst nach drei bis vier Wochen. Die Eier legt das Weibchen in schaumigen Paketen ab, den Ootheken.
Häutung: Kopfüber hängend, deshalb nichts im Weg und keine Störung. Mehr dazu unter Häutung verstehen.
Gut zu wissen
Besser als jede Blüte
Frisch geschlüpfte Nymphen sehen noch gar nicht nach Blüte aus: Sie sind schwarz und orange und ahmen damit wehrhafte Wanzen nach. Erst später werden sie weiß und rosa.
Und als Blüte ist sie erstaunlich erfolgreich. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat gezeigt, dass die Orchideenmantis bestäubende Insekten sogar stärker anlockt als echte Blüten. Sie wartet also nicht nur getarnt, sondern lockt ihre Beute aktiv an.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte aus Erfahrungen von Mantidenhaltern und eigener Haltung.
- O'Hanlon, J. C., Holwell, G. I. & Herberstein, M. E. (2014): Pollinator deception in the orchid mantis. The American Naturalist 183
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.