Mario Sickert

Artenporträt · Mantiden

Hymenopuscoronatus


Weiß und rosa, mit Beinen wie Blütenblätter: Die Orchideenmantis ist wohl die schönste Fangschrecke der Welt. Sie tarnt sich nicht nur als Blüte, sie lockt ihre Beute sogar aktiv an.

Im Bestand
Sakura
Kennung
26.MK.0.1.0.XXX.038
Geschlecht
Weibchen
Zeichnung einer Orchideenmantis von der Seite: weiß und rosa, mit blütenblattartigen Beinen und erhobenen Fangarmen
Illustration, KI-generiert · Hymenopus coronatus

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Hymenopus coronatus (Olivier, 1792)
Trivialname
Orchideenmantis, Kronenfangschrecke
Einordnung
Fangschrecken (Mantodea) · Familie Hymenopodidae
Herkunft
Regenwälder Südostasiens, unter anderem Malaysia, Thailand, Sumatra und Borneo
Größe
Weibchen etwa 6–9 cm, Männchen nur 2,5–4 cm
Entwicklung
Weibchen sind nach neun Häutungen erwachsen, Männchen schon nach sieben
Lebenserwartung
Weibchen bis etwa 1,5 Jahre, Männchen bis etwa 1 Jahr; die Angaben schwanken
Haltung
einzeln
Schutzstatus
nicht geschützt

Erkennen

Eine Blüte auf sechs Beinen

Weiß bis zart rosa, mit breiten, blütenblattartigen Lappen an den Laufbeinen: Kaum ein Tier sieht einer Blüte so ähnlich wie die Orchideenmantis. Zwischen Blüten sitzend ist sie für ihre Beute praktisch unsichtbar.

Weibchen und Männchen unterscheiden sich so stark wie bei kaum einer anderen Mantis. Das Weibchen ist massig und kräftig, das Männchen winzig, schlank und ein guter Flieger.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

25–30 °C
Temperatur
nachts um 20 °C, nicht dauerhaft kälter
60–80 %
Luftfeuchte
ohne Staunässe und Kondenswasser
12 Stunden
Licht
heller Tag, gern mit Tageslichtlampe

Wärme und Feuchte allein reichen nicht: Die Orchideenmantis braucht vor allem frische Luft. Stehende, feuchte Luft ist für sie gefährlicher als ein etwas trockenerer Tag.

Einrichtung

Hoch und luftig

Becken: Für ein erwachsenes Weibchen nennen viele Halter rund 20 × 20 × 30 cm. Wichtiger als die Grundfläche ist die Höhe: mindestens dreimal so viel wie die Körperlänge, denn Mantiden häuten sich kopfüber hängend.

Belüftung: am besten Lüftungsflächen oben und unten, damit die Luft durch das Becken zieht.

Ausstattung: Äste, auch waagerecht und gebogen, sowie feste, breite Blätter als Sitzplätze. Der Boden spielt kaum eine Rolle, sie hält sich fast nie dort auf.

Ernährung

Am liebsten, was fliegt

Erste Stadien
kleine Fruchtfliegen, danach große Fruchtfliegen
Ab etwa L5
Fliegen, dazu passende Schokoschaben oder Heuschrecken
Trinken
Tropfen von Blättern oder der Scheibe, deshalb regelmäßig leicht sprühen

Fliegende Futtertiere sind ideal, weil sie ihr natürliches Jagdverhalten ansprechen. Die Beute sollte nicht größer sein als die Mantis selbst.

Verhalten & Fortpflanzung

Einzelgängerin mit Geduld

Als Lauerjägerin wartet sie reglos, bis Beute in Reichweite kommt. Artgenossen gegenüber ist sie nicht zimperlich, deshalb wird jedes Tier einzeln gehalten.

Weil Männchen weniger Häutungen brauchen, sind sie viel früher erwachsen als die Weibchen. Züchter halten sie deshalb oft etwas kühler, damit beide zur selben Zeit bereit sind. Das Männchen ist nach der letzten Häutung nach etwa einer Woche paarungsbereit, das Weibchen erst nach drei bis vier Wochen. Die Eier legt das Weibchen in schaumigen Paketen ab, den Ootheken.

Häutung: Kopfüber hängend, deshalb nichts im Weg und keine Störung. Mehr dazu unter Häutung verstehen.

Gut zu wissen

Besser als jede Blüte

Frisch geschlüpfte Nymphen sehen noch gar nicht nach Blüte aus: Sie sind schwarz und orange und ahmen damit wehrhafte Wanzen nach. Erst später werden sie weiß und rosa.

Und als Blüte ist sie erstaunlich erfolgreich. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat gezeigt, dass die Orchideenmantis bestäubende Insekten sogar stärker anlockt als echte Blüten. Sie wartet also nicht nur getarnt, sondern lockt ihre Beute aktiv an.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte aus Erfahrungen von Mantidenhaltern und eigener Haltung.

  • O'Hanlon, J. C., Holwell, G. I. & Herberstein, M. E. (2014): Pollinator deception in the orchid mantis. The American Naturalist 183
  • WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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