Mario Sickert

Artenporträt · Phasmiden

Extatosomatiaratum


Stachelig, blattartig verbreiterte Beine, den Hinterleib wie einen Skorpionschwanz über den Rücken gerollt: Die Australische Gespenstschrecke sieht aus wie ein Stück welkes Laub — und bewegt sich auch so. Beim Laufen schaukelt sie, als würde ein Windstoß durch die Blätter gehen.

Im Bestand
eine ganze Schar
Herkunft
alle aus eigener Brut
Zeichnung einer Australischen Gespenstschrecke mit blattartigen Beinen und eingerolltem Hinterleib an einem Zweig
Illustration, KI-generiert · Extatosoma tiaratum

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Extatosoma tiaratum (Macleay, 1826)
Erstbeschreibung
als Phasma tiaratum
Trivialname
Australische Gespenstschrecke; englisch Spiny Leaf Insect oder Macleay's Spectre
Einordnung
Gespenstschrecken (Phasmatodea) · Familie Phasmatidae
Herkunft
Regenwälder im Osten Australiens, vor allem in Queensland und New South Wales
Größe
Weibchen meist 12–16 cm, große Tiere bis etwa 20 cm; Männchen um 10 cm
Entwicklung
Weibchen häuten sich sechsmal, Männchen fünfmal bis zur Geschlechtsreife
Lebenserwartung
erwachsene Weibchen bis etwa ein Jahr, Männchen drei bis fünf Monate
Fortpflanzung
zweigeschlechtlich — oder ganz ohne Männchen
PSG-Nummer
9 (Liste der Phasmid Study Group)
Schutzstatus
nicht geschützt; auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet eingestuft

Erkennen

Weibchen und Männchen könnten kaum verschiedener sein

Weibchen sind massig, über und über mit Dornen besetzt und tragen den Hinterleib eingerollt über dem Rücken. Ihre Flügel sind nur kurze Stummel — fliegen können sie nicht. Die Farbe reicht von hellem Beige über Braun bis ins Grünliche.

Männchen bleiben deutlich kleiner und schlanker, haben kaum Dornen und nach der letzten Häutung lange, voll ausgebildete Flügel. Damit fliegen sie auf der Suche nach Weibchen durchaus durchs Zimmer.

Weibchen der Australischen Gespenstschrecke sitzt auf einer Hand vor einem Terrarium
Aus eigener BrutEines meiner Weibchen auf der Hand — eigene Aufnahme.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22–26 °C
Temperatur
Zimmertemperatur reicht meist
60–70 %
Luftfeuchte
gute Belüftung ist wichtiger als hohe Feuchte
Tageslicht
Licht
heller Standort, keine pralle Sonne

Stehende, feuchte Luft vertragen Gespenstschrecken schlecht. Lieber mäßig sprühen, die Tiere dabei nicht direkt treffen und für viel Luftaustausch sorgen — etwa mit einem Gazedeckel oder Gazeseiten.

Jahreslauf

Das eigentliche Thema: Futter im Winter

Eine Winterruhe gibt es nicht. Die Tiere fressen das ganze Jahr über frisches Laub — und genau das ist bei uns die größte Herausforderung. Die meisten Futterpflanzen verlieren im Herbst ihre Blätter. Brombeere dagegen bleibt auch bei Frost grün und ist deshalb das Winterfutter schlechthin.

Wer Gespenstschrecken hält, sollte also schon im Sommer wissen, wo im Januar die nächste Brombeerhecke steht.

Einrichtung

Höhe vor Fläche

Becken: Gespenstschrecken häuten sich kopfüber hängend. Das Becken muss deshalb vor allem hoch sein — als Faustregel mindestens dreimal so hoch wie das Tier lang ist. Viele Halter nennen rund 30 × 30 × 40 cm als Untergrenze für wenige Tiere; für eine Gruppe entsprechend mehr.

Ausstattung: die Futterzweige selbst, in einem Gefäß mit Wasser, das so abgedeckt ist, dass keine Nymphe hineinfallen kann. Dazu ein paar stabile Äste zum Klettern.

Boden: eine dünne Schicht, auf der die Eier liegen bleiben und sich leicht einsammeln lassen.

Ernährung

Blätter, Blätter, Blätter

In ihrer Heimat fressen sie vor allem Eukalyptus. Bei uns nehmen sie gern Laub von Brombeere, Himbeere, Rose, Eiche, Buche und Weißdorn.

Ganzjährig
Brombeere als Grundfutter
Im Sommer
Abwechslung mit Himbeere, Rose, Eiche und Co.
Immer
frische, ungespritzte Zweige; welke Blätter austauschen

Zweige bitte nur dort schneiden, wo nicht gespritzt wird — also nicht direkt am Feldrand oder aus dem Blumenladen.

Fortpflanzung

Auch ganz ohne Männchen

Weibchen können sich jungfräulich fortpflanzen: Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen dann wieder Weibchen. Mit einem Männchen geht es natürlich auch — dann steigt oder fliegt es auf den Rücken des Weibchens.

Die Weibchen lassen ihre Eier einfach einzeln fallen oder schnippen sie regelrecht durchs Becken. Bis zum Schlupf vergehen etwa fünf bis sechs Monate, bei unbefruchteten Eiern oft länger. Frisch geschlüpfte Nymphen sehen ihren Eltern überhaupt nicht ähnlich: Sie sind dunkel, flink und erinnern eher an Ameisen. Bis zum ausgewachsenen Tier dauert es dann noch einmal vier bis sechs Monate.

Der typische GangVor und zurück, wie ein Blatt im Wind — eigene Aufnahme.

Verhalten

Ruhig, gesellig und zum Anfassen

Australische Gespenstschrecken sind friedlich und lassen sich problemlos in der Gruppe halten, auch mehrere Männchen zusammen. Tagsüber hängen sie meist reglos im Geäst, aktiv werden sie vor allem in der Dämmerung.

Fühlt sich ein Weibchen bedroht, hebt es den Hinterleib wie einen Skorpionschwanz und spreizt die dornigen Beine. Gefährlich ist das nicht, aber die Dornen piksen — wer sie auf die Hand nimmt, lässt sie am besten selbst hinaufklettern, statt sie zu greifen.

Gut zu wissen

Mit Ameisen im Bunde

Die Eier tragen ein kleines, nahrhaftes Anhängsel, das Ameisen anlockt. Die Ameisen schleppen die Eier in ihre Nester, wo sie geschützt reifen können. Und die frisch geschlüpften Nymphen, die aussehen wie Ameisen, laufen dann ganz unauffällig aus dem Nest hinaus.

Alle meine Gespenstschrecken stammen aus eigener Brut — und es sind so viele geschlüpft, dass die Namensliste im Bestand längst mit „und viele mehr“ endet. Wer eine Nymphe übernehmen möchte, findet sie unter Abgabe.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und Nachzucht und können von Tier zu Tier abweichen.

  • Phasmida Species File — Gattung Extatosoma (Name, Erstbeschreibung, Verbreitung)
  • IUCN Red List — Einstufung „Least Concern“
  • Phasmid Study Group — Kulturliste, PSG-Nummer 9
  • WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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