Artenporträt · Tausendfüßer
Archispirostreptusgigas
Über 30 Zentimeter lang, glänzend schwarz und dabei vollkommen friedlich: Der Afrikanische Riesentausendfüßer gehört zu den größten Tausendfüßern der Welt — ein ruhiger Riese, der seine Tage mit Fressen, Graben und gemächlichem Klettern verbringt.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Archispirostreptus gigas (Peters, 1855)
- Früher
- Spirostreptus gigas, Graphidostreptus gigas
- Trivialname
- Afrikanischer Riesentausendfüßer, Riesenschnurfüßer
- Einordnung
- Doppelfüßer (Diplopoda) · Familie Spirostreptidae
- Herkunft
- Ostafrika: Kenia, Tansania, Somalia und Sansibar; Funde aus Mosambik und Südafrika gelten als nicht sicher zugeordnet
- Lebensraum
- Wälder und Savannen; in trockeneren Gebieten nur während der Regenzeit aktiv
- Größe
- im Freiland etwa 18–26 cm lang und 15–19 mm dick; Tiere aus Nachzucht werden teils noch größer, über 30 cm
- Körperringe
- 62–70
- Lebenserwartung
- im Terrarium fünf bis sieben, möglicherweise bis zu zehn Jahre
- Verteidigung
- rollt sich spiralförmig ein und kann ein reizendes Wehrsekret absondern; beißt nicht
- Schutzstatus
- nicht geschützt; auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet eingestuft
Erkennen
Ein Riese mit Ringen
Der lange, walzenförmige Körper ist glänzend schwarz bis dunkelbraun, oft mit einem rötlichen Schimmer an den Rändern der Körperringe. Jeder dieser Ringe trägt zwei Beinpaare — genau das macht Tausendfüßer zu „Doppelfüßern“ und unterscheidet sie auf den ersten Blick von den flinken, räuberischen Hundertfüßern.
Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Beim Männchen sind am siebten Körperring die Beine zu Begattungsorganen umgebildet, dort fehlen also die normalen Laufbeine — mit etwas Übung und einem ruhigen Tier gut zu erkennen.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Die Art gilt als robust und kommt mit einer recht großen Bandbreite zurecht. Entscheidend ist ein Bodengrund, der in den tieferen Schichten nie austrocknet. Offenes Wasser brauchen die Tiere nicht unbedingt, weil sie viel Feuchtigkeit über ihr Futter aufnehmen — eine flache Schale schadet aber nicht.
Jahreslauf
Keine Winterruhe, aber Häutungspausen
Eine Winterruhe gibt es nicht. In der Natur richtet sich die Aktivität nach Regen- und Trockenzeit; im Terrarium bleiben die Bedingungen übers Jahr gleich.
Häutung: Zum Häuten graben sich die Tiere tief ein und legen eine kleine Kammer an. Das kann mehrere Wochen dauern — in dieser Zeit wird nicht gegraben und nicht gesucht. Die alte Haut fressen sie danach meist selbst; sie liefert wertvollen Kalk und bleibt deshalb liegen.
Einrichtung
Tiefer Boden, viel Laub
Becken: Grundfläche geht vor Höhe, auch wenn Äste zum Klettern gern genutzt werden. Für eine kleine Gruppe sollte die Fläche großzügig sein — viele Halter nennen rund 80 × 40 cm als guten Richtwert.
Bodengrund: tief, gern 15 cm und mehr, humos und laubreich, mit weißfaulem Holz. Für Tausendfüßer ist der Boden Lebensraum, Häutungsplatz und Futter zugleich.
Ausstattung: Korkrinde als Versteck, Äste zum Klettern, reichlich Falllaub von Eiche oder Buche — und immer eine Kalkquelle, etwa eine Sepiaschale.
Ernährung
Laub, Holz, Gemüse
Grundfutter: zersetztes Laub und weißfaules Holz — das fressen sie ständig und nebenbei.
Dazu: Gemüse und Obst wie Gurke, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Melone oder Banane, gelegentlich etwas Eiweiß, zum Beispiel Fischflocken.
- Immer
- Laub, weißfaules Holz und Kalk
- Mehrmals pro Woche
- frisches Obst oder Gemüse
- Gelegentlich
- eine kleine Portion Eiweiß
Frischfutter, das nach ein bis zwei Tagen noch liegt, kommt heraus, bevor es schimmelt.
Verhalten
Friedlich und gesellig
Riesentausendfüßer sind dämmerungs- und nachtaktiv, vollkommen friedlich und lassen sich gut in einer Gruppe halten. Gebissen wird nicht. Fühlen sie sich bedroht, rollen sie sich zu einer festen Spirale zusammen und können ein Wehrsekret absondern, das die Haut verfärben und reizen kann.
Wer ein Tier aufnimmt, hält es deshalb ruhig auf der flachen Hand, fasst sich nicht ins Gesicht und wäscht sich danach die Hände.
Gut zu wissen
Rekordverdächtig
Archispirostreptus gigas gilt als einer der größten lebenden Tausendfüßer überhaupt; für Rekordtiere werden gut 33 Zentimeter genannt. In Teilen Afrikas heißen Tausendfüßer übrigens „Shongololo“ — ein Name, der auch diesem sanften Riesen anhängt.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.
- Catalogue of Life / MilliBase — Eintrag Archispirostreptus gigas (Name, Synonyme)
- Taxonomische Artbeschreibung bei Plazi / Zenodo — Archispirostreptus gigas Peters 1855 (Größe, Körperringe, Verbreitung)
- IUCN Red List (2021): Einstufung „Least Concern“
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.