Mario Sickert

Artenporträt · Tausendfüßer

Archispirostreptusgigas


Über 30 Zentimeter lang, glänzend schwarz und dabei vollkommen friedlich: Der Afrikanische Riesentausendfüßer gehört zu den größten Tausendfüßern der Welt, ein ruhiger Riese, der seine Tage mit Fressen, Graben und gemächlichem Klettern verbringt.

Im Bestand
mehrere Tiere
Haltung
in der Gruppe
Zeichnung eines Afrikanischen Riesentausendfüßers von der Seite: langer, dunkel geringelter Körper mit vielen Beinen
Illustration, KI-generiert · Archispirostreptus gigas

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Archispirostreptus gigas (Peters, 1855)
Früher
Spirostreptus gigas, Graphidostreptus gigas
Trivialname
Afrikanischer Riesentausendfüßer, Riesenschnurfüßer
Einordnung
Doppelfüßer (Diplopoda) · Familie Spirostreptidae
Herkunft
Ostafrika: Kenia, Tansania, Somalia und Sansibar; Funde aus Mosambik und Südafrika gelten als nicht sicher zugeordnet
Lebensraum
vor allem Savannen mit ausgeprägter Trocken- und Regenzeit, dort vor allem während der Regenzeit aktiv
Größe
im Freiland etwa 18–26 cm lang und 15–19 mm dick; Tiere aus Nachzucht werden teils noch größer, über 30 cm
Körperringe
62–70
Lebenserwartung
im Terrarium etwa sieben bis acht Jahre, einzelne Tiere möglicherweise bis zu zehn
Geschlechtsreife
nach etwa drei bis vier Jahren
Verteidigung
rollt sich spiralförmig ein und kann ein reizendes Wehrsekret absondern; beißt nicht
Schutzstatus
nicht geschützt; auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet eingestuft

Erkennen

Ein Riese mit Ringen

Der lange, walzenförmige Körper ist glänzend schwarz bis dunkelbraun, oft mit einem rötlichen Schimmer an den Rändern der Körperringe. Jeder dieser Ringe trägt zwei Beinpaare. Genau das macht Tausendfüßer zu „Doppelfüßern“ und unterscheidet sie auf den ersten Blick von den flinken, räuberischen Hundertfüßern.

Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Beim Männchen sind am siebten Körperring die Beine zu Begattungsorganen umgebildet, dort fehlen also die normalen Laufbeine. Mit etwas Übung und einem ruhigen Tier ist das gut zu erkennen.

Afrikanische Riesentausendfüßer klettern über verzweigte Äste in einem bepflanzten Terrarium
Aus meiner GruppeKletterpartie im Geäst. Auch so große Tausendfüßer klettern erstaunlich geschickt. Eigene Aufnahme.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

23–27 °C
Temperatur
Zimmertemperatur plus ein wenig Wärme
80–90 %
Luftfeuchte
Bodengrund in der Tiefe dauerhaft feucht
ohne UV
Licht
dämmerungs- und nachtaktiv

Die Art gilt als sehr robust: Sie verträgt kurzzeitig Temperaturen bis etwa 35 °C und übersteht auch längere Trockenphasen, wie sie in ihrer Heimat üblich sind. Entscheidend ist ein Bodengrund, der in den tieferen Schichten nie austrocknet. Offenes Wasser brauchen die Tiere nicht unbedingt, weil sie viel Feuchtigkeit über ihr Futter aufnehmen. Eine flache Schale schadet aber nicht.

Jahreslauf

Keine Winterruhe, aber Häutungspausen

Eine Winterruhe gibt es nicht. In der Natur richtet sich die Aktivität nach Regen- und Trockenzeit; im Terrarium bleiben die Bedingungen übers Jahr gleich.

Häutung: Zum Häuten graben sich die Tiere tief ein und legen eine kleine Kammer an. Das kann mehrere Wochen dauern. In dieser Zeit wird nicht gegraben und nicht gesucht. Die alte Haut fressen sie danach meist selbst; sie liefert wertvollen Kalk und bleibt deshalb liegen.

Einrichtung

Tiefer Boden, viel Laub

Becken: Grundfläche geht vor Höhe, auch wenn Äste zum Klettern gern genutzt werden. Für ein erwachsenes Pärchen sollte das Becken mindestens 50 cm lang sein, für eine kleine Gruppe nennen viele Halter rund 80 × 40 cm.

Ausbruchsicher: Riesentausendfüßer haben erstaunlich viel Kraft und drücken lockere Deckel einfach auf. Der Deckel muss deshalb fest sitzen oder gesichert sein.

Bodengrund: tief, gern 15 cm und mehr, humos und laubreich, mit weißfaulem Holz. Für Tausendfüßer ist der Boden Lebensraum, Häutungsplatz und Futter zugleich.

Ausstattung: Korkrinde als Versteck, Äste zum Klettern, reichlich Falllaub von Eiche oder Buche, und immer eine Kalkquelle, etwa eine Sepiaschale.

Ernährung

Laub, Holz, Gemüse

Grundfutter: zersetztes Laub und weißfaules Holz. Das fressen sie ständig und nebenbei.

Dazu: Gemüse und Obst wie Gurke, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Melone oder Banane, gelegentlich etwas Eiweiß, zum Beispiel Fischflocken.

Immer
Laub, weißfaules Holz und Kalk
Mehrmals pro Woche
frisches Obst oder Gemüse
Gelegentlich
eine kleine Portion Eiweiß

Frischfutter, das nach ein bis zwei Tagen noch liegt, kommt heraus, bevor es schimmelt.

Zwei große dunkel geringelte Tausendfüßer an einer Futterschale aus Ton
An der FutterschaleRuhige Riesen, die fast den ganzen Tag fressen, eigene Aufnahme.

Fortpflanzung

Gut nachzuziehen, mit Geduld

Die Art lässt sich gut nachziehen. Bei ausreichend feuchtem Boden, 24 bis 26 °C und hoher Luftfeuchte legen die Weibchen mehrere hundert Eier im Bodengrund ab. Je nach Temperatur schlüpfen die Jungtiere nach ein bis zwei Monaten.

Anfangs wachsen sie schnell, ab einer Länge von etwa 6 bis 8 cm werden die Abstände zwischen den Häutungen größer. Geschlechtsreif sind sie nach etwa drei bis vier Jahren, und allein die letzte Häutung, die Reifehäutung, kann mehrere Monate dauern.

Ausbruchsgefahr: Schon junge Tiere kommen nachts an die Oberfläche und klettern. Feine Lüftungsgitter und ein dichter Deckel sind deshalb auch für den Nachwuchs wichtig.

Verhalten

Friedlich und gesellig

Riesentausendfüßer sind dämmerungs- und nachtaktiv, vollkommen friedlich und lassen sich gut in einer Gruppe halten. Gebissen wird nicht. Fühlen sie sich bedroht, rollen sie sich zu einer festen Spirale zusammen und können ein Wehrsekret absondern, das die Haut verfärben und reizen kann.

Wegen ihrer Robustheit gilt die Art als sehr gut für den Einstieg geeignet. Wer ein Tier aufnimmt, hält es ruhig auf der flachen Hand, fasst sich nicht ins Gesicht und wäscht sich danach die Hände.

Nachzucht statt Wildfang

Riesentausendfüßer werden sehr häufig angeboten, meist allerdings als Wildfänge. Nachzuchten sind klar vorzuziehen: Sie schonen die Bestände in der Natur, und Wildfänge bringen oft kleine Milben mit. Was die Kürzel NZ und WF in Anzeigen bedeuten, steht in der Legende.

Gut zu wissen

Rekordverdächtig

Archispirostreptus gigas gilt als einer der größten lebenden Tausendfüßer überhaupt; für Rekordtiere werden gut 33 Zentimeter genannt. In Teilen Afrikas heißen Tausendfüßer übrigens „Shongololo“, ein Name, der auch diesem sanften Riesen anhängt.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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