Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Aphonopelmasp. „Coyuca“


Ein goldener Rückenpanzer auf dunklem Körper, dazu rötliche Töne an den Beinen: Diese mexikanische Bodenbewohnerin trägt bis heute keinen wissenschaftlichen Artnamen. Sie gräbt gern, wächst ausgesprochen langsam und wird dafür sehr alt.

Herkunft
Mexiko, Guerrero
Status
Art nicht beschrieben
Zeichnung einer Vogelspinne von schräg oben: dunkle Beine mit rotbraunen Streifen, goldgelber Rückenpanzer
Illustration, KI-generiert · Aphonopelma sp. „Coyuca“

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Aphonopelma sp. „Coyuca“
Status
wissenschaftlich nicht beschrieben. „Coyuca“ ist ein Handelsname nach dem Fundort, und auch die Zuordnung zur Gattung Aphonopelma stammt aus dem Hobby, eine Untersuchung dazu ist nicht veröffentlicht
Handelsname
Mexican Red and Gold, Coyuca Red & Gold
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
Herkunft
Mexiko, Umgebung von Coyuca de Benítez im Bundesstaat Guerrero, an der Pazifikküste
Lebensweise
bodenbewohnend, gräbt Röhren und hält sich viel darin auf
Endgröße
im Hobby werden 13–15 cm Spannweite genannt, belastbare Messungen gibt es für diese Form nicht
Wachstum
sehr langsam, wie bei den meisten Aphonopelma-Arten
Lebenserwartung
für die Gattung sind bei Weibchen 20 Jahre und mehr belegt; Männchen leben nach ihrer Reifehäutung nur noch kurz
Verteidigung
Brennhaare am Hinterleib, ansonsten meist zurückhaltend und fluchtbereit
Schutzstatus
nicht geschützt; aus der Gattung steht nur Aphonopelma pallidum in CITES Anhang II

Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.

Erkennen

Rot und Gold auf dunklem Grund

Der Handelsname beschreibt sie ganz gut: Auf dunkelbraunem bis schwarzem Grund leuchtet der Rückenpanzer goldgelb, an den Beinen sitzen rötliche bis orange Haare. Der Körperbau ist kompakt und gedrungen, typisch für die amerikanische Gattung Aphonopelma.

Eine wissenschaftliche Beschreibung, an der man sich festhalten könnte, gibt es nicht. Alle Angaben zu Färbung und Größe stammen deshalb aus der Haltung und schwanken von Quelle zu Quelle. Wie stabil die Färbung über die Häutungen bleibt, ist ebenfalls nicht dokumentiert.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

24–28 °C
Temperatur
nachts genügt Zimmertemperatur
eher trocken
Luftfeuchte
im Hobby werden 50–65 % genannt
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Ihre Heimat an der Küste von Guerrero ist warm und kennt eine ausgeprägte Trockenzeit. Eine dauerhaft nasse Haltung verträgt sie nicht: Die Tiere flüchten dann an die Scheiben. Wichtiger als ein Messwert am Hygrometer ist der Boden. Oben darf er trocken sein, in der Tiefe leicht feucht, dazu immer ein Wassernapf.

Jahreslauf

Saisonale Veränderungen

In Guerrero fällt fast aller Regen zwischen Juni und Oktober, danach folgt eine lange Trockenzeit. Nachbilden muss man das nicht. Etwas kühlere und trockenere Wintermonate in der Wohnung schaden aber nicht, oft frisst sie dann weniger.

Häutung: Vor der Häutung verschwindet sie meist für Wochen in ihrer Röhre und nimmt kein Futter. Das ist normal und kein Grund zum Nachgraben. Nach der Häutung härtet der neue Panzer einige Tage bis zwei Wochen aus, erst danach gibt es wieder Futter.

Einrichtung

Tiefer Boden statt Höhe

Becken: Ein Standardbecken mit rund 30 × 30 × 30 cm reicht für ein erwachsenes Tier. Fläche ist wichtiger als Höhe, weil ein Sturz bei einer schweren Spinne böse enden kann.

Bodengrund: mindestens 10 bis 15 cm und vor allem grabfähig. Ein Gemisch, das Gänge hält, etwa Erde mit Lehm und etwas Sand, ist hier entscheidender als die Beckengröße. Reiner, lockerer Humus fällt wieder zusammen.

Ausstattung: eine schräg eingegrabene Korkröhre als Startpunkt für den Bau, dazu eine flache, standfeste Wasserschale. Deckel dicht, Belüftung gut.

Ernährung

Wenig und selten

Futtertiere: Schaben, Heimchen, Grillen oder Heuschrecken, passend zur Größe der Spinne. Das Futtertier sollte nicht größer sein als ihr Hinterleib.

Jungtiere
etwa alle ein bis zwei Wochen, kleine Beute
Halbwüchsig
alle zwei bis drei Wochen
Erwachsen
alle drei bis vier Wochen, bei prallem Hinterleib länger

Aphonopelma-Arten haben einen langsamen Stoffwechsel. Längere Fresspausen sind normal, auch über Monate. Nicht gefressene Futtertiere kommen nach einem Tag wieder heraus, frisches Wasser steht immer bereit.

Verhalten

Meist unter der Erde

Jungtiere leben oft monatelang komplett eingegraben und zeigen sich kaum. Erwachsene Tiere sitzen abends und nachts häufiger am Eingang ihrer Röhre. Wer eine Spinne zum Zuschauen sucht, ist mit ihr nicht gut beraten.

Bei Störung flüchtet sie meist, statt zu drohen. Als Neuweltart trägt sie aber Brennhaare am Hinterleib, die Haut und Augen stark reizen. Deshalb: nicht auf die Hand nehmen, im Becken mit langer Pinzette arbeiten, danach Hände waschen. Gehalten wird jedes Tier allein, sonst frisst eine die andere.

Gut zu wissen

Was „sp.“ bedeutet

Das „sp.“ hinter dem Gattungsnamen heißt schlicht: Die Art ist wissenschaftlich noch nicht beschrieben. Gerade aus Mexiko sind viele Vogelspinnen bisher nur mit ihrem Fundort im Hobby unterwegs. Für Halter heißt das vor allem, dass Angaben zu Größe, Alter und Verhalten mit Vorsicht zu genießen sind.

Wildfänge sind hier keine Option. Mexiko lässt Wildtiere nicht ohne Genehmigung ausführen, und viele mexikanische Vogelspinnen stehen unter nationalem Schutz. Wer diese Form kauft, sollte deshalb auf europäische Nachzuchten achten.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.

  • World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Gattung Aphonopelma (Einordnung, Artenzahl)
  • Hamilton, C. A., Hendrixson, B. E. & Bond, J. E. (2016): Taxonomic revision of the tarantula genus Aphonopelma Pocock, 1901. ZooKeys 560: 1–340, doi:10.3897/zookeys.560.6264 (Lebensweise, Wachstum und Alter der Gattung)
  • CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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