Artenporträt · Vogelspinnen
Brachypelmaauratum
Samtschwarz, mit Knien, auf denen rotorange Flammen zu lodern scheinen: Die Flammenknie-Vogelspinne galt lange nur als Spielart der Rotknie-Vogelspinne. Seit 1992 ist sie eine eigene Art. Bei mir lebt ein Pärchen, mit dem ich züchten möchte.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Brachypelma auratum Schmidt, 1992
- Früher
- als Hochlandform von Brachypelma smithi angesehen
- Trivialname
- Mexikanische Flammenknie-Vogelspinne
- Einordnung
- Vogelspinnen (Theraphosidae) · Theraphosinae
- Herkunft
- Pazifikseite Mexikos, vor allem Guerrero und Michoacán, Trockenwälder und Buschland im Balsas-Becken
- Lebensweise
- Bodenbewohner, bezieht vorhandene Höhlen oder gräbt eigene
- Größe
- Körper der Weibchen etwa 6–7 cm, Spannweite bis rund 16 cm
- Lebenserwartung
- Weibchen 20 Jahre und mehr, Männchen meist ein bis zwei Jahre nach der Reifehäutung
- Schutzstatus
- CITES II EU-Anhang B · Herkunftsnachweis erforderlich
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.
Erkennen
Flammen statt Blöcke
Vorderkörper, Hinterleib und Beine sind tiefschwarz. Auf den Knien sitzt eine rotorange Zeichnung, die wie eine kleine Flamme nach oben ausläuft, feine helle Ringe trennen die Beinglieder.
Bei der verwandten Brachypelma hamorii ist das Orange breiter und eher blockförmig, bei B. boehmei sind die Beine ab dem Knie fast ganz orange. Sicher bestimmen lässt sich die Art nur über die Geschlechtsorgane.
Bei der Aufteilung der Gattung im Jahr 2020 wanderten die Rotbauch-Arten wie Meztli nach Tliltocatl. Die Rotbein-Arten, darunter B. auratum, blieben Brachypelma.
Klima
Warm und überwiegend trocken
Die Heimat hat eine lange Trockenzeit. Staunässe und stehende Luft sind der häufigste Fehler und fördern Pilze und Milben. Es reicht, die Erde rund um den Wassernapf leicht feucht zu halten, Jungtiere etwas feuchter als erwachsene Tiere.
Braucht es zusätzliche Wärme, gehört die Heizung an die Rück- oder Seitenwand, nie unter den Boden. Die Spinne weicht sonst in die Tiefe aus, genau dorthin, wo es am heißesten wird.
Einrichtung
Tief graben, niedrig fallen
Becken: für ein erwachsenes Weibchen mindestens 30 × 30 cm Grundfläche, besser 40 × 30 cm. Höhe ist unwichtig, eine geringe Fallhöhe schützt den schweren Hinterleib.
Bodengrund: 10 bis 15 cm fester, grabfähiger Bodengrund, der auch trocken nicht zu Staub zerfällt. Den mische ich für sie extra an, angelehnt an die trockenen Böden ihrer Heimat. Mehr dazu unter Bodenleben.
Ausstattung: ein schräg eingegrabenes Stück Kork als Höhlenanfang und ein flacher Wassernapf ohne Schwamm oder Gel. Steine und Wurzeln direkt auf den Beckenboden stellen und erst dann Erde einfüllen, damit beim Graben nichts nachrutscht.
Ernährung
Genügsam
Grillen, Heimchen, Heuschrecken oder Schaben wie meine Schokoschaben. Erwachsene Tiere bekommen alle ein bis zwei Wochen ein bis zwei Futtertiere, Jungtiere alle drei bis vier Tage etwas Passendes.
Der Hinterleib ist der Maßstab: Er sollte nicht breiter sein als der Vorderkörper. Ist er prall und glänzend, wird die Fütterung ausgesetzt. Fastenzeiten von drei bis sechs Monaten sind bei erwachsenen Tieren normal, vor allem vor einer Häutung.
Verhalten
Ruhig, aber mit Brennhaaren
Bei Störung zieht sie sich meist schnell in ihre Höhle zurück, statt zu drohen. Fühlt sie sich bedrängt, streift sie Brennhaare vom Hinterleib ab. Die jucken stark und reizen Augen und Atemwege. Das Gift ist schwach, gebissen wird selten. Sie bleibt ein Tier zum Beobachten.
Nachzucht
Mein Zuchtprojekt
Mit Aurelio und Aurelia möchte ich die Art nachziehen. Sinnvoll ist eine Verpaarung erst, wenn beide erwachsen sind: Das Männchen erkennt man nach der Reifehäutung an den Bulben an den Tastern und an Schienbeinhaken an den Vorderbeinen. Vorher baut es ein kleines Spermanetz und lädt seine Bulben.
Das Männchen kündigt sich mit Trommeln an. Antwortet das Weibchen ebenso, hält das Männchen ihre Giftklauen mit seinen Schienbeinhaken fest. Gute Voraussetzungen sind ein gut genährtes Weibchen einige Wochen nach seiner letzten Häutung und eine Pinzette griffbereit, falls die Stimmung kippt.
Nach vier bis sechs Monaten kann das Weibchen einen Kokon bauen, den sie bewacht und wendet. Nach etwa acht bis zehn Wochen schlüpfen je nach Gelege mehrere hundert Jungtiere. Sie sind anfangs unscheinbar braun, die Farben kommen erst nach einigen Häutungen.
Jede Nachzucht einer geschützten Art braucht bei der Abgabe einen Herkunftsnachweis. Den stelle ich mit meiner eigenen, speziell programmierten Bestands-App direkt auf meinem Briefkopf aus.
Artenschutz
Nachweis gehört dazu
Wie alle Arten der Gattung Brachypelma steht sie seit 1994 in CITES Anhang II und damit in EU-Anhang B. Die Haltung ist erlaubt, der rechtmäßige Erwerb muss aber jederzeit belegt werden können. Was das im Einzelnen heißt, steht unter Artenschutz & Nachweispflicht.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.
- World Spider Catalog, Brachypelma auratum Schmidt, 1992
- Mendoza, J. & Francke, O. (2020): Systematic revision of Mexican threatened tarantulas Brachypelma, with a description of a new genus, Zoological Journal of the Linnean Society
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.