Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Aviculariaavicularia


Dunkel behaart, mit auffällig rosa bis orangefarbenen Fußspitzen: Die Südamerikanische Baumvogelspinne lebt hoch oben im Regenwald und webt dort ihr Wohngespinst. Für sie zählt vor allem eines, frische, ziehende Luft.

Im Bestand
Neuzugang
Herkunft der Art
tropisches Südamerika
Zeichnung einer Avicularia avicularia von oben: dunkler, dicht behaarter Körper mit rosa-orangefarbenen Fußspitzen
Illustration, KI-generiert · Avicularia avicularia

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Avicularia avicularia (Linnaeus, 1758)
Trivialname
Südamerikanische Baumvogelspinne, Guyana Pinktoe Tarantula
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Aviculariinae
Herkunft
tropisches Südamerika, unter anderem Brasilien, Guyana, Peru, Bolivien und Venezuela
Lebensweise
arboreal, lebt in den mittleren und oberen Vegetationsschichten des Regenwalds
Endgröße
Weibchen etwa 5–6 cm Körperlänge
Lebenserwartung
Weibchen etwa 8–12 Jahre; Männchen leben nach der Reifehäutung meist nur noch rund ein Jahr
Schutzstatus
nicht geschützt, in keinem CITES-Anhang gelistet

Die Gattung Avicularia galt lange als taxonomisch unübersichtlich. Erst 2017 haben Fukushima und Bertani sie grundlegend überarbeitet und die Zahl anerkannter Arten von über 50 auf 12 reduziert, siehe Quellen unten.

Erkennen

Die mit den rosa Zehen

Der Körper ist dicht behaart, dunkel bis metallisch schimmernd, der Hinterleib rötlich behaart. Das auffälligste Merkmal sind die leuchtend rosa bis orangefarbenen Fußspitzen (Tarsen), nach denen die Unterfamilie Aviculariinae im Hobby oft „Pinktoes" genannt wird.

Als Baumbewohnerin trägt sie breite, spatelförmige Fußpolster, mit denen sie mühelos an glatten Flächen wie Blättern oder Terrarienscheiben klettert. Sie ist außerdem eine gute Springerin.

Klima

Warm, feucht und vor allem luftig

21–27 °C
Temperatur
nachts genügt normale Zimmertemperatur
60–70 %
Luftfeuchte
Substrat leicht erdfeucht, nie nass
Doppellüftung
Belüftung
Querlüftung ist bei dieser Art keine Option, sondern Pflicht

Bei kaum einer anderen Vogelspinne hängt so viel von der Belüftung ab. Eine Lüftungsfläche oben und eine weitere unten oder vorn sorgen dafür, dass Luft durch das Becken zieht. Stehende, feuchte Luft verzeiht sie nicht, siehe SADS weiter unten.

Einrichtung

Hoch bauen, wenig gießen

Terrarium: Da sie streng in die Höhe lebt, ist ein Hochterrarium Pflicht. Für kleinere Tiere reichen etwa 20 × 20 × 30 cm, für ein ausgewachsenes Weibchen sind rund 30 × 30 × 40 cm eine gute Grundlage.

Substrat: etwa 5 cm Waldhumus oder Terrarienerde reichen. Der Boden darf leicht erdfeucht sein, sollte aber nie nass oder sumpfig werden.

Einrichtung: senkrecht stehende Korkröhren und buschige Pflanzen im oberen Drittel, dort webt sie ihr trichter- oder hängemattenartiges Wohngespinst und zieht sich tagsüber zurück.

Ernährung

Kletternde und fliegende Beute

Futtertiere: Heimchen, Grillen, Schaben, Fliegen oder Wachsmotten passen alle ins Beuteschema. Adulte Tiere füttere ich etwa alle zwei Wochen.

Wasser: ein Trinknapf am Boden ist Pflicht. Da sie den Boden nur ungern aufsucht, hilft ein zweiter, kleiner Napf weiter oben oder ein paar Tropfen Wasser direkt ans Gespinst beim wöchentlichen, leichten Sprühen.

Verhalten & Wehrhaftigkeit

Zurückhaltend, im Ernstfall kein Kicker

Solitär wie alle Vogelspinnen, jedes Tier sitzt allein. Sie beißt sehr selten. Anders als bodenbewohnende Neuweltarten „kickt" sie ihre Brennhaare bei Bedrohung nicht in die Luft, sondern streift sie direkt am Angreifer ab.

Typischer Fehler

Das SADS-Phänomen

In Foren liest man immer wieder vom gefürchteten SADS, dem Sudden Avicularia Death Syndrome: ein unerklärliches, plötzliches Sterben scheinbar gesunder Tiere. Der Grund dafür ist heute gut belegt: eine zu feuchte Haltung ohne ausreichende Querlüftung. Nässe gepaart mit stehender Luft verzeiht diese Gattung nicht, deshalb ist die Doppellüftung wichtiger als jeder einzelne Feuchtigkeitswert.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen und können von Tier zu Tier abweichen.

  • Fukushima, C. S. & Bertani, R. (2017): Taxonomic revision and cladistic analysis of Avicularia Lamarck, 1818 (Araneae, Theraphosidae, Aviculariinae), with description of three new aviculariine genera, ZooKeys 659: 1–185, doi:10.3897/zookeys.659.10717
  • World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Avicularia avicularia
  • Haltungsberichte und Forenwissen zu Avicularia spp., unter anderem zur Bedeutung der Querlüftung und zum SADS-Phänomen
  • CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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