Artenporträt · Schaben
Gromphadorhinaportentosa
Massig, flügellos und hart gepanzert: Die Madagaskar-Fauchschabe gehört zu den größten Schaben der Welt und ist für ihr charakteristisches Zischen bekannt, das sie nicht durch Reiben, sondern durch die Atmung selbst erzeugt.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Gromphadorhina portentosa (Schaum, 1853)
- Trivialname
- Madagaskar-Fauchschabe, Hissing Cockroach
- Familie
- Blaberidae (Riesenschaben)
- Herkunft
- endemisch auf Madagaskar, dort in trockeneren bis feuchttropischen Laubwäldern am Boden und im unteren Geäst
- Ernährung in der Natur
- herabgefallenes Pflanzenmaterial
- Endgröße
- 5 bis 8 cm Körperlänge
- Lebenserwartung
- bei guten Bedingungen etwa 3 bis 5 Jahre
- Fortpflanzung
- ovovivipar, das Weibchen trägt die Eier in einer Bruttasche und „gebärt" lebende Jungtiere
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Männchen mit Hörnern
Beide Geschlechter sind flügellos und extrem hart gepanzert. Erwachsene Tiere lassen sich leicht unterscheiden: Männchen tragen zwei dicke, auffällige Höcker auf dem Halsschild (Pronotum) und stark behaarte Fühler, Weibchen haben dagegen einen glatten Halsschild.
Klima
Tropisch warm und nachtaktiv
Einrichtung
Ausbruchsschutz ist Pflicht
Terrarium: mindestens 40 × 30 × 30 cm für eine Zuchtgruppe.
Substrat: ein Gemisch aus Waldhumus, Kokoserde und reichlich zerkleinertem Laub, etwa von Buche oder Eiche.
Einrichtung: Korkröhren und übereinander geschichtete raue Rindenstücke als Versteck.
Ausbruchsschutz: Anders als etwa Schokoschaben sind Madagaskar-Fauchschaben ausgezeichnete Kletterer und erklimmen senkrechtes Glas mühelos. Ein dicht schließender Deckel und ein umlaufender Streifen aus Vaseline am oberen Terrarienrand sind deshalb Pflicht.
Ernährung
Detritivor und Allesfresser
- Frisch
- Karotte, Zucchini, Apfel, Kürbis, Süßkartoffel
- Trocken / Eiweiß
- Haferflocken, Fischflockenfutter oder hochwertiges Katzen- oder Hundetrockenfutter
- Wasser
- nur über wasserreiches Gemüse oder ein Schälchen mit nassem Schwamm, gegen Ertrinken der Jungtiere
Protein ist wichtig, sonst knabbern sie sich gegenseitig die Antennen an. Frisches Futter gebe ich alle zwei bis drei Tage, Reste entferne ich wegen Schimmelgefahr zügig.
Sozialverhalten & Fortpflanzung
Gruppenhaltung mit Rangordnung
Eine Gruppenhaltung ist bei dieser Art erforderlich. Männchen sind allerdings territorial: Sie verteidigen bevorzugte Rindenstücke, indem sie sich mit den Höckern rammen und dabei fauchen. Bewährt hat sich mehr Weibchen als Männchen zu halten, etwa ein Männchen auf drei bis vier Weibchen, dazu reichlich Verstecke.
Die Weibchen legen keine frei abgelegten Eipakete, sondern ziehen die Ootheke nach der Bildung in eine Bruttasche im Hinterleib zurück. Nach etwa 60 Tagen bringen sie 20 bis 40 lebende, zunächst weiße Jungtiere zur Welt.
Gut zu wissen
Fauchen ohne Reiben
Ihr namensgebendes Zischen erzeugen sie nicht durch Aneinanderreiben von Körperteilen, sondern indem sie Luft explosionsartig durch spezielle Atemöffnungen (Stigmen) am Hinterleib pressen. Sie fauchen bei Gefahr, bei Rangkämpfen und bei der Balz.
In der Natur tragen sie oft winzige Milben (Gromphadorholaelaps schaeferi) auf dem Panzer. Das sind keine Parasiten, sondern Symbionten, die die Schabe putzen und Speichelreste fressen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen und können von Tier zu Tier abweichen.
- University of Florida, Entomology & Nematology Department (IFAS), Fact Sheet Madagascar Hissing Cockroach (Fauchmechanismus, Ovoviviparie, Milbensymbiose)
- Penn State Extension, Madagascar Hissing Cockroaches (Haltungsparameter, Ausbruchsschutz, Ernährung)
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.