Mario Sickert

Artenporträt · Phasmiden

Lamponiusguerini


Ein rindenrauer Zweig auf sechs Beinen, zimtbraun gefärbt und flügellos. Die Zimtschrecke von Guadeloupe ist robust, friedlich und vermehrt sich willig, und sie gehört zu den Arten, die seit Jahrzehnten stabil im Hobby laufen.

Herkunft
Guadeloupe
Zuchtnummer
PSG 101
Zeichnung einer braunen Stabschrecke von der Seite: langer schmaler Körper, lange Fühler, kräftige Hinterbeine
Illustration, KI-generiert · Lamponius guerini

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Lamponius guerini (Saussure, 1868)
Erstbeschreibung
als Pygirhynchus guerini; 1875 von Stål in die Gattung Lamponius gestellt
Trivialname
Zimtschrecke, Zimtstabschrecke, Guadeloupe-Stabschrecke
Familie
Phasmatidae · Unterfamilie Haplopodinae
Zuchtnummer
PSG 101; seit den 1980er Jahren durchgehend in europäischen Zuchten
Herkunft
Kleine Antillen, vor allem Guadeloupe, außerdem von Dominica gemeldet
Größe
Weibchen etwa 8–9,5 cm, Männchen 7–7,5 cm; beide Geschlechter flügellos
Entwicklung
Eier schlüpfen nach etwa vier bis fünf Monaten, danach vergehen rund vier bis fünf Monate bis zum erwachsenen Tier
Lebenserwartung
erwachsene Tiere leben etwa zehn bis zwölf Monate
Fortpflanzung
geschlechtlich, Männchen sind also nötig; für Jungfernzeugung habe ich bei dieser Art keinen Beleg gefunden
Schutzstatus
nicht geschützt

Erkennen

Weibchen bunt, Männchen dünn

Die Weibchen sind kräftig gebaut, haben verbreiterte Hinterleibssegmente und eine rauhe, rindenartige Oberfläche. Ihre Färbung schwankt stark, von fast weiß über beige bis dunkelbraun, oft mit hellen, flechtenartigen Flecken. Typisch sind rötliche Stellen an den Ansätzen der Vorderbeine.

Männchen sehen ganz anders aus: gertenschlank, glatter und einheitlich rotbraun bis olivgrün, dafür mit längeren Fühlern. Wer beide nebeneinander sieht, hält sie leicht für zwei Arten.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

20–25 °C
Temperatur
nachts 18–20 °C sind kein Problem
70–80 %
Luftfeuchte
abends lauwarm sprühen, nicht nass halten
ohne UV
Licht
nachtaktiv, Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Sie ist anpassungsfähig und kommt mit normaler Zimmertemperatur gut zurecht. Wichtig ist die abendliche Feuchtigkeit: Ist die Luft zu trocken, bleiben Tiere bei der Häutung in der alten Haut hängen. Zu nass darf es aber auch nicht sein, sonst schimmelt der Boden, und die Eier verderben.

Einrichtung

Höhe vor Fläche

Becken: mindestens 30 × 30 × 45 cm für eine kleine Gruppe. Die Regel lautet: Die Höhe sollte mindestens dreimal die Körperlänge der erwachsenen Weibchen betragen, damit sie kopfüber häuten können, ohne aufzusetzen.

Bodengrund: drei bis fünf Zentimeter feuchtigkeitsspeichernde Erde. Die Weibchen lassen ihre Eier einfach fallen, dort liegen sie dann feucht, aber nicht nass.

Ausstattung: raue Korkäste und Rinde zum Klettern, dazu die Futterzweige. Auf Zierpflanzen im Becken verzichte ich, weil sie angefressen werden und niemand weiß, was sie vertragen.

Ernährung

Brombeere das ganze Jahr

Futterpflanzen: Brombeere ist das Grundfutter und im Winter grün verfügbar. Daneben werden Hasel, Rose, Eiche, Efeu, Feuerdorn und Eukalyptus genommen. Nur ungespritzte Zweige verwenden und vor dem Einsetzen abspülen.

Die Zweige schräg anschneiden und ins Wasser stellen, dann halten sie über eine Woche. Gefressen wird nachts, tagsüber sitzen die Tiere meist reglos an einem Ast.

Verhalten

Friedlich und langsam

Untereinander gibt es keine Probleme: Nymphen und erwachsene Tiere können zusammen leben, solange genug Platz und Futter da sind. Bei Störung fällt die Schrecke in eine Schreckstarre und lässt sich fallen, statt ihre Beine abzuwerfen.

Die Weibchen legen etwa zehn bis fünfzehn Eier pro Woche, gut drei Millimeter groß. Wer nicht alles hochziehen will, sammelt sie regelmäßig ab, sonst wird aus der kleinen Gruppe schnell eine große.

Gut zu wissen

Woher der Name kommt

Warum die Art im Hobby Zimtschrecke heißt, ist nicht sauber belegt. Naheliegend ist die zimtbraune Färbung. Manche Halter berichten außerdem von einem würzigen Geruch, wenn man ein Tier stört, eine belastbare Untersuchung dazu habe ich nicht gefunden. Für Guadeloupe-Stabschrecke spricht die Herkunft.

Und der wichtigste Handgriff: Das Gefäß mit dem Wasser für die Futterzweige muss oben lückenlos verschlossen sein, mit Watte oder Küchenpapier. Kleine Nymphen fallen sonst hinein und ertrinken.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Beobachtung und können von Tier zu Tier abweichen.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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