Artenporträt · Vogelspinnen
Lasiodoraparahybana
Groß, dunkel und mit einem rosa Schimmer in den Haaren: Die Brasilianische Riesenvogelspinne ist eine der größten Vogelspinnen überhaupt. Sie wächst zügig, frisst mit großem Appetit und streift bei Störung bereitwillig Brennhaare ab.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Lasiodora parahybana (Mello-Leitão, 1917)
- Erstbeschreibung
- in der Gattung Lasiodora
- Synonym
- Lasiodora acanthognatha Mello-Leitão, 1921 (seit Bertani 2023; GBIF führt sie noch als eigene Art)
- Trivialname
- Brasilianische Riesenvogelspinne, Brazilian Salmon Pink Birdeater
- Familie
- Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
- Herkunft
- Nordosten Brasiliens, der Name verweist auf den Bundesstaat Paraíba; die Biotopangaben reichen von Küstenwald bis Trockengebiet
- Lebensweise
- bodenbewohnend, nutzt Höhlen unter Hölzern und Falllaub und kleidet Verstecke mit Seide aus
- Endgröße
- Beinspannweite typisch 20 bis 25 cm, Maximalangaben bis 28 oder 30 cm; Körperlänge etwa 9 bis 10 cm
- Wachstum
- mittel bis schnell; Männchen reifen nach etwa 2 bis 3 Jahren, Weibchen nach 3 bis 4 Jahren
- Lebenserwartung
- Weibchen etwa 15 Jahre, eine Quelle nennt bis 19; Männchen 3 bis 5 Jahre
- Verteidigung
- Brennhaare der Typen I und III, die sie bei Störung leicht abstreift
- Schutzstatus
- nach meiner Recherche nicht geschützt, bitte bei WISIA gegenprüfen
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.
Erkennen
Dunkel mit rosa Haaren
Grundfarbe schwarz bis schwarzgrau, dicht behaart, mit einem rosa bis beigen Schimmer vor allem auf dem Hinterleib. Die Beine tragen hellere Ränder an den Gelenken. Das Gesamtbild wirkt gedeckter als bei der verwandten Lasiodora klugi, deren Hinterleib kräftig rot erscheint.
Verlässlich trennen lassen sich die Arten nur am Geschlechtsorgan und mit dem Bestimmungsschlüssel in Bertani 2023. Fotos reichen nicht, und im Handel kommen falsch bestimmte Tiere vor. Wer sicher gehen will, kauft bei einem Züchter.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Die Art gilt als robust. Zimmertemperatur um 23 bis 24 °C genügt, bis etwa 28 °C wird sie toleriert. Der Bodengrund bleibt in der Tiefe leicht feucht, die Oberfläche darf zwischen dem Gießen abtrocknen. Dauernässe vermeiden, die Luft soll zirkulieren.
Jahreslauf
Saisonale Veränderungen
Eine Winterruhe gibt es nicht, Temperatur und Feuchte bleiben übers Jahr gleich. Junge Tiere häuten sich häufig.
Häutung: Vorher frisst sie nichts mehr und zieht sich zurück. Dann bleibt das Becken ungestört. Nach der Häutung wartet man bei Jungtieren ein bis zwei Tage, bei Erwachsenen fünf bis zehn Tage mit dem Futter.
Einrichtung
Groß, tief und sicher
Becken: Als Faustregel nennen Pflegeblätter mindestens die dreifache Beinspannweite an Grundfläche, für Erwachsene lieber das Vier- bis Fünffache. Eine Quelle nennt 40 × 40 × 40 cm. Das Becken sollte nicht zu hoch sein, ein Sturz kann den schweren Hinterleib verletzen.
Bodengrund: mindestens 10 cm, grabfähig und formbar, zum Beispiel Erde mit Sand und Lehm. Eingegrabene Tiere nicht stören.
Ausstattung: Korkröhre oder Rinde als Versteck und eine flache, stabile Wasserschale.
Ernährung
Futtertiere und Rhythmus
Futtertiere: Grillen, Heimchen, Heuschrecken und Schaben. Der Beutetrieb ist stark.
- Jungtiere
- zweimal pro Woche, kleine Beute
- Halbwüchsig
- alle 7 bis 10 Tage
- Erwachsen
- alle 2 bis 3 Wochen, etwa 4 bis 5 große Grillen oder eine große Schabe
Nicht gefressene Reste nach einem Tag entfernen.
Verhalten
Groß und wehrhaft
Über das Wesen gehen die Berichte auseinander. Mehrere Pflegeblätter nennen die Art eher ruhig und mutig statt defensiv, andere Quellen beschreiben sie als reizbar, mit Drohhaltung und Schlägen der Vorderbeine. Gemeinsam ist: Brennhaare werden bei Störung rasch abgestreift und reizen Haut, Augen und Atemwege.
Der Biss gilt als medizinisch unbedeutend, aber wegen der langen Klauen mechanisch unangenehm. Gehalten wird jedes Tier allein, gearbeitet wird mit langer Pinzette.
Gut zu wissen
Ein Name, der in die Irre führt
Obwohl „Birdeater“ im Namen steckt, gibt es kaum Belege dafür, dass die Art Vögel fängt. Die Gattung Lasiodora besitzt Stridulationsborsten an den Hüften, mit denen sie zischende Geräusche erzeugen kann.
Bertani (2023) hat die Gattung auf sieben Arten reduziert und dabei auch Lasiodora acanthognatha mit L. parahybana zusammengelegt. Ein Kokon enthält laut Pflegeblättern 600 bis über 1000 Eier, deutsche Quellen nennen bis zu 2000. Die Jungen schlüpfen nach etwa 6 bis 8 Wochen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.
- World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Lasiodora parahybana
- Bertani, R. (2023): Taxonomic revision and cladistic analysis of Lasiodora, Zootaxa 5390 (1), zenodo.org
- Kaderka, R. et al. (2019): Urticating setae of tarantulas, PLOS ONE, PMC6844489 (Brennhaare)
- The Tarantula Collective: Pflegeblatt
- vogelspinnen-info.de: Artsteckbrief
- Wikipedia (de): Lasiodora parahybana
- Fear Not Tarantulas: Pflegeblatt
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.
Passt diese Art zu deinem Zimmer? Im Klima-Check prüfen · Wie viel Bodengrund? Substrat-Rechner