Artenporträt · Vogelspinnen
Monocentropusbalfouri
Leuchtend blaue Beine an einem hellen, cremefarbenen Körper — und dazu eine Eigenschaft, die bei Vogelspinnen fast einzigartig ist: Sie lebt gern in Gesellschaft. Die Blaue Jemen-Vogelspinne stammt von einer einzigen Insel im Indischen Ozean.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Monocentropus balfouri Pocock, 1897
- Trivialname
- Blaue Jemen-Vogelspinne, Socotra Island Blue Baboon
- Familie
- Theraphosidae · Unterfamilie Eumenophorinae
- Herkunft
- ausschließlich die Insel Sokotra im Indischen Ozean, die zum Jemen gehört
- Lebensweise
- bodenbewohnend, gräbt bei Gelegenheit
- Endgröße
- etwa 5–6 cm Körperlänge
- Lebenserwartung
- Weibchen etwa 10–14 Jahre, Männchen etwa 3–4 Jahre
- Verteidigung
- keine Brennhaare; droht und beißt im Zweifel. Über die Wirkung ihres Gifts ist wenig bekannt
- Besonderheit
- eine der ganz wenigen Vogelspinnen, die sich dauerhaft in der Gruppe halten lassen
- Schutzstatus
- nicht geschützt — in keinem CITES-Anhang gelistet
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende.
Erkennen
Blau, wo es zählt
Erwachsene Tiere tragen ein kräftiges, leuchtendes Blau an den Beinen. Vorder- und Hinterleib sind heller, creme- bis graufarben, oft mit bläulichem Schimmer. Der Kontrast macht sie zu einer der auffälligsten Vogelspinnen überhaupt. Ganz selten tauchen Tiere mit rötlicher oder bernsteinfarbener Tönung auf.
Benannt ist die Art nach Isaac Bayley Balfour, einem schottischen Botaniker, der auf Sokotra gesammelt hat.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Sokotra ist warm und eher trocken. Die Angaben erfahrener Halter streuen trotzdem stark, deshalb die Spanne. Bewährt hat sich ein überwiegend trockener Bodengrund, der in der Tiefe leicht feucht bleibt, dazu eine flache Wasserschale.
Jahreslauf
Saisonale Veränderungen
Eine Winterruhe braucht sie nicht. Temperatur und Feuchte bleiben übers Jahr weitgehend gleich; im Winter lohnt ein Blick darauf, dass es auf der Fensterbank nicht zu kühl wird.
Häutung: Vor einer Häutung frisst sie oft nicht mehr und zieht sich zurück. Dann wird weder gefüttert noch gestört — in einer Gruppe gilt das besonders, damit ein frisch gehäutetes, noch weiches Tier nicht bedrängt wird.
Gruppenhaltung
Gemeinsam statt einsam
Die meisten Vogelspinnen fressen ihre Artgenossen, wenn man sie zusammensetzt. Monocentropus balfouri ist eine der seltenen Ausnahmen: Geschwister aus einem Kokon wachsen oft friedlich zusammen auf und teilen sich Gänge und Verstecke. Auch Amira und Zayn leben bei mir gemeinsam in einem Becken.
Damit das gelingt, beginnt man am besten mit mehreren gleich großen Jungtieren und setzt später keine Fremden mehr dazu — nachträgliches Zusammenführen ist deutlich riskanter. Das Becken sollte dabei nicht zu groß sein, damit die Tiere keine getrennten Reviere bilden, und genug Verstecke sowie reichlich Futter bieten. Eine Garantie gibt es trotzdem nie: Einzelne Verluste kommen auch in gut laufenden Gruppen vor.
Einrichtung
Boden zum Graben, Platz zum Verstecken
Becken: Für ein einzelnes Tier nennen viele Halter rund 30 × 30 cm Grundfläche. Für eine kleine Gruppe braucht es etwas mehr — aber, wie gesagt, nicht zu viel.
Bodengrund: mindestens 10 cm, gern mehr, grabfähig und formbar.
Ausstattung: ein Versteck als Startpunkt, etwa eine halb eingegrabene Korkröhre — in der Gruppe gern mehrere —, und eine flache Wasserschale.
Ernährung
Futtertiere und Rhythmus
Futtertiere: Heimchen, Grillen, Schaben und Heuschrecken — alles, was sie gut überwältigen kann.
- Jungtiere
- zwei- bis dreimal pro Woche, passend kleine Beute
- Halbwüchsig
- etwa einmal pro Woche
- Erwachsen
- alle ein bis zwei Wochen, je nach Hinterleib
In der Gruppe lieber etwas mehr Futter anbieten, damit kein Tier leer ausgeht. Nicht gefressenes Futter kommt nach einem Tag wieder heraus.
Verhalten
Friedlich untereinander, wehrhaft nach außen
Wie alle Vogelspinnen aus Afrika und Asien besitzt sie keine Brennhaare. Wird sie gestört, nimmt sie eine Drohhaltung ein und beißt im Zweifel auch zu. Weil über die Wirkung ihres Gifts wenig bekannt ist, gilt hier erst recht: nicht auf die Hand nehmen und im Becken nur mit langer Pinzette arbeiten.
Gut zu wissen
Ein Kamel-Mythos
Über Monocentropus balfouri hält sich hartnäckig die Geschichte, ihr Biss könne ein Dromedar töten. Belegt ist das nicht, und sehr wahrscheinlich ist es schlicht Seemannsgarn. Wahr ist dagegen, dass Sokotra wegen seiner vielen Arten, die es nirgendwo sonst gibt, oft als „Galapagos des Indischen Ozeans“ bezeichnet wird.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen.
- Pocock, R. I. (1897): On the spiders of the suborder Mygalomorphae from the Ethiopian Region. Proceedings of the Zoological Society of London 65 (3), doi:10.1111/j.1096-3642.1897.tb03116.x (Erstbeschreibung)
- Zamani, A. et al. (2025): Revision der Gattung Monocentropus. ZooKeys, frei verfügbar bei PubMed Central
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid — auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.