Artenporträt · Schnecken
Lissachatinafulica rodatzi
Ein Gehäuse ohne Streifen: So wurde die Form rodatzi beschrieben, die zur Ostafrikanischen Riesenschnecke gehört. Ob sie eine eigene Unterart ist oder nur eine Farbvariante, ist in der Fachwelt nicht eindeutig. Haltung und Pflege entsprechen der Stammart.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Lissachatina fulica rodatzi (Dunker, 1852); im Handel oft noch Achatina fulica rodatzi
- Einordnung
- Landlungenschnecken · Familie Achatschnecken (Achatinidae) · Form der Ostafrikanischen Riesenschnecke, Lissachatina fulica
- Merkmal
- Gehäuse ohne Streifen; die gestreifte Form heißt hamillei
- Herkunft
- Ostafrika; beide Formen kommen nach einer Studie in manchen Populationen in Tansania gemeinsam vor
- Größe und Alter
- wie die Stammart; nach Wikipedia werden die Tiere in Haltung meist fünf bis sechs Jahre alt, in Einzelfällen bis zu zehn Jahre
- Fortpflanzung
- Zwitter, jedes Tier kann nach einer Paarung Eier legen
- Schutzstatus
- wie die Stammart nicht geschützt; die Art gilt weltweit als eine der problematischsten eingeschleppten Arten
Einordnung
Unterart oder nur eine Farbe?
Wikipedia führt rodatzi neben castanea, hamillei, coloba und umbilicata unter den beschriebenen Unterarten von Lissachatina fulica. Nähere Angaben dazu macht der Eintrag nicht.
Eine Untersuchung von Allen (1983) beschreibt die Lage etwas genauer: In einigen Populationen in Tansania leben Schnecken mit gestreiftem Gehäuse (hamillei) und mit ungestreiftem Gehäuse (rodatzi) zusammen. Nachkommen aus vierzehn Paarungen deuten darauf hin, dass ein einzelnes Gen die Streifung steuert und die gestreifte Variante über die ungestreifte dominiert. Die Autoren sehen darin einen genetischen Polymorphismus, also zwei Erscheinungsformen innerhalb derselben Population.
Nach meinem Verständnis spricht es dafür, solche Formen eher als Varianten zu sehen, wenn sie in einer Population nebeneinander vorkommen und sich offenbar paaren, nicht als getrennte Unterarten. Ob man rodatzi deshalb als Unterart oder als Farbform führt, ist eine Frage der Betrachtung. Ich führe die Tiere unter dem Handelsnamen und nenne beides.
Erkennen
Ohne Streifen, aber glänzend
Das Gehäuse der Stammart ist braun mit hellen und dunklen Streifen und Flammen. Bei rodatzi fehlt diese Zeichnung, das Gehäuse ist gleichmäßig gefärbt. Die Zeichnung oben zeigt diese Form beispielhaft in einem warmen Braunton. Die genaue Farbe kann bei lebenden Tieren abweichen, ich habe dazu keine verlässliche Beschreibung gefunden.
Der Körper und alles andere sind wie bei der Stammart. Wie sie aussieht und welche Körperfarben es gibt, steht auf der Seite zur Ostafrikanischen Riesenschnecke.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Es sind dieselben Werte wie bei der Stammart. Wird es zu trocken oder zu heiß, ziehen sich die Schnecken ins Gehäuse zurück und verschließen es mit einem dünnen Häutchen.
Haltung
Weich, feucht und kalkreich
- Becken
Für drei bis vier ausgewachsene Tiere etwa ab 80 × 40 × 40 cm, mit dicht schließendem, gut belüftetem Deckel.
- Bodengrund
10 bis 15 cm ungedüngte, lockere Erde, mit kohlensaurem Kalk angereichert. Die Tiere graben sich gern ein.
- Ausstattung
Laub, Moos und weiche Korkstücke. Keine harten Steine, kein Glas, keine Keramik, weil das Gehäuse bei einem Sturz brechen kann. Futterschalen aus weichem Kunststoff.
- Futter
Salat, Zucchini, Möhre, Kürbis, Süßkartoffel und Wildkräuter, immer eine Kalkquelle wie Sepiaschale, einmal pro Woche etwas Eiweiß wie getrocknete Bachflohkrebse. Reste vom Vortag entfernen.
Die ausführliche Beschreibung steht beim Porträt der Stammart.
Fortpflanzung
Vererbung der Streifen und Gelege
Achatschnecken sind Zwitter, und nach einer Paarung kann jedes Tier Eier legen. Nach Wikipedia legt ein Tier mehrmals im Jahr Gelege mit etwa 200 Eiern, die Eier sind rund 5 mm groß und weiß, die Jungtiere schlüpfen nach einigen Tagen bis Wochen. Gepaarte Tiere können Sperma bis zu zwei Jahre speichern, ein Gelege kann also lange nach der letzten Paarung noch vom früheren Partner stammen.
Wer ungestreifte Tiere gezielt weiterführen möchte, sollte die Studie kennen: Weil die Streifung dominant vererbt wird, können aus einer Verpaarung mit einem gestreiften Tier gestreifte Nachkommen entstehen. Eier, die nicht schlüpfen sollen, werden eingefroren und danach entsorgt.
Gut zu wissen
Niemals aussetzen
Wie die Stammart richtet die Art in warmen Ländern große Schäden an Pflanzen an und steht auf der Liste der 100 problematischsten eingeschleppten Arten der Welt. In den USA ist die Haltung verboten. Tiere oder Eier gehören nie nach draußen, auch nicht auf den Kompost.
Nach Wikipedia kann die Art den Rattenlungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) übertragen, vor allem über Wildtiere und rohen Verzehr. Deshalb nach dem Anfassen die Hände waschen und die Tiere nie roh essen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Zur Form rodatzi gibt es wenig Literatur. Die Aussagen zur Einordnung beruhen auf der unten genannten Studie, die Haltung stützt sich auf eigene Erfahrung mit der Stammart.
- Wikipedia, Eintrag Lissachatina fulica (Unterarten, Lebensdauer, Eier, Sperma, Rattenlungenwurm)
- Allen, J. A. (1983): The inheritance of a shell colour polymorphism in Achatina fulica Bowdich from East Africa. Journal of Conchology 31(3), Zusammenfassung der Conchological Society
- Porträt der Stammart Lissachatina fulica auf dieser Seite (Haltung, Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere und Pflanzen aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt oder du Erfahrungen hast, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.