Mario Sickert

Artenporträt · Schaben

Macropanesthiarhinoceros


Die schwerste Schabe der Welt: flügellos, gebaut wie ein kleiner Panzer und mit einer Schaufel am Halsschild, mit der sie sich in Australien bis zu einen Meter tief in den Boden gräbt. Dazu kommt, was bei Insekten selten ist: Die Mutter kümmert sich monatelang um ihren Nachwuchs.

Im Bestand
3.3.0
Herkunft der Art
Queensland, Australien
Zeichnung einer Riesen-Grabschabe von der Seite: massiger, braun glänzender Körper mit kräftig bedornten Beinen und einem schildartig gewölbten Halsschild
Illustration, KI-generiert · Macropanesthia rhinoceros

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Macropanesthia rhinoceros
Trivialname
Riesen-Grabschabe, Nashornschabe, Giant Burrowing Cockroach
Familie
Blaberidae (Riesenschaben), Unterfamilie Geoscapheinae (Grabschaben)
Herkunft
Queensland in Australien, vor allem in tropischen Gebieten. Sie lebt in selbst gegrabenen Spiralbauten, die bis etwa einen Meter tief reichen
Ernährung in der Natur
abgestorbenes Laub und Pflanzenreste, vor allem Eukalyptuslaub, das sie in den Bau einträgt
Endgröße
bis etwa 8 cm Körperlänge, Gewicht bis 35 g
Lebenserwartung
bis zu 10 Jahre nach australischen Quellen, Halter berichten meist von 5 bis 7 Jahren
Fortpflanzung
lebendgebärend (ovovivipar), 20 bis 30 Junge pro Wurf
Schutzstatus
nach meiner Recherche nicht geschützt, bitte vor dem Erwerb bei WISIA gegenprüfen

Erkennen

Die Schaufel trägt nur das Männchen

Beide Geschlechter sind flügellos, massig gebaut und haben kräftige, bedornte Vorderbeine, die als Grabschaufeln dienen. Die Männchen tragen am Halsschild (Pronotum) eine schaufel- oder schildartige Struktur über dem Kopf, nach der die Art ihren Namen „Nashornschabe“ hat. Weibchen haben einen runderen, glatteren Halsschild. Frisch gehäutete Jungtiere sind bis auf die Augen weiß, bis zum erwachsenen Tier häuten sie sich zwölf- bis dreizehnmal.

Wird sie gestört, zischt sie leise: Sie presst dafür Luft durch den Hinterleib.

Klima

Moderat warm, unten leicht feucht

22 bis 26 °C
Temperatur
über 27 °C meiden, bei kühleren Temperaturen wachsen sie langsamer
60 bis 80 %
Luftfeuchte
etwa die Hälfte des Beckens feucht, der Rest trocken, nie nass
dunkel
Licht
nachtaktiv und meist unterirdisch, kein UV-Licht nötig

Einrichtung

Tief graben lassen

Terrarium: ab 60 × 40 × 40 cm für eine kleine Gruppe, zum Beispiel ein Männchen mit zwei bis drei Weibchen.

Substrat: ein grabfähiges Gemisch aus Sand und ungedüngter Erde oder Kokos, dazu viel trockenes Laub. In der Natur legt die Art tiefe Bauten an, deshalb sind mindestens 10 cm Tiefe sinnvoll, und wer den Platz hat, gibt 15 bis 20 cm. Die Quellen sind sich hier nicht einig: Manche Halter kommen auch mit 2 bis 3 cm und Verstecken zurecht, tiefes Substrat bietet aber das natürlichere Verhalten. Es sollte höchstens einmal im Jahr gewechselt werden.

Einrichtung: ein paar flache Steine oder Rindenstücke auf dem Boden genügen, den Rest graben sie sich selbst. Kletteräste braucht die Art nicht.

Ernährung

Laubfresser, kein Obstesser

Basis
trockenes Laub in dicker Schicht, im Substrat und obenauf. In Australien wird Eukalyptuslaub gefüttert, hierzulande nutzen viele Halter Eiche und Buche. Beim Eukalyptus sind sich die Quellen nicht einig, eine Laubmischung ist deshalb die sichere Wahl
Zufütterung
ein kleines Stück Apfel, Karotte oder Süßkartoffel, dazu nach Halterberichten ein- bis zweimal pro Woche etwas Hunde- oder Katzentrockenfutter als Eiweiß
Wasser
eine flache Schale mit Schwamm oder Watte

Große Mengen feuchtes Obst oder Gemüse sollten nicht auf den Speiseplan, sie sind für die laubfressenden Tiere keine passende Hauptnahrung.

Sozialverhalten & Fortpflanzung

Brutpflege bei einer Schabe

Die Weibchen bringen etwa 20 bis 30 Junge lebend zur Welt, meist einmal im Jahr. Die Jungen bleiben rund ein halbes Jahr im Bau. In dieser Zeit versorgt die Mutter sie mit Laub, das sie von der Oberfläche einträgt und für die Kleinen zerkleinert. Das ist bei Schaben sehr ungewöhnlich.

Die Tiere wachsen langsam und sind erst nach etwa 3 bis 5 Jahren erwachsen. Eine Gruppe mit einem Männchen und mehreren Weibchen funktioniert, mehrere Männchen können territorial werden. Manche Halter nehmen das Männchen vor einer erwarteten Geburt heraus, weil Neugeborene sonst gefressen werden können.

Gut zu wissen

Schwer, aber nicht stürzfest

Die Tiere beißen nicht und lassen sich gut handhaben, sollten aber nicht öfter als einmal täglich in die Hand genommen werden. Ein Sturz aus Standhöhe kann für ein so schweres Tier tödlich enden, also immer niedrig über einer weichen Unterlage arbeiten.

Typische Stolpersteine sind Staunässe im Substrat, zu flaches Substrat und zu viel Weichfutter statt Laub.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich die Quellen widersprechen, habe ich das oben dazugeschrieben.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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