Artenporträt · Vogelspinnen
Pamphobeteuscf. antinous
Violett, blau und fast schwarz: Die Beine dieser Pamphobeteus schimmern metallisch. Ob sie wirklich zu Pamphobeteus antinous gehört, ist offen. Das „cf.“ im Namen steht für „vergleichbar mit“.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Pamphobeteus antinous Pocock, 1903; im Bestand als Pamphobeteus cf. antinous geführt
- Bedeutung von cf.
- das Tier ähnelt der Art, die Bestimmung ist nicht gesichert
- Erstbeschreibung
- in der Gattung Pamphobeteus; Typusmaterial im Natural History Museum, London; keine Synonyme
- Trivialname
- Steely Blue Leg Birdeater, Bolivian Blue Leg; ein deutscher Name ist nicht belegt
- Familie
- Theraphosidae
- Herkunft
- Peru und Bolivien laut World Spider Catalog; Regenwald
- Lebensweise
- bodenbewohnend
- Endgröße
- Beinspannweite je nach Quelle 16 bis 23 cm; die Angaben sind uneinheitlich
- Wachstum
- widersprüchlich beschrieben, von langsam bis schnell; Männchen reifen nach etwa 2,5 Jahren, Weibchen nach etwa 4 Jahren
- Lebenserwartung
- Weibchen 15 Jahre und mehr, Männchen etwa 4 Jahre
- Verteidigung
- Brennhaare der Typen I und III auf Gattungsebene; sie werden gezielt abgeschleudert
- Schutzstatus
- nach meiner Recherche nicht geschützt, bitte bei WISIA gegenprüfen
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.
Erkennen
Metallisch blau und violett
Männchen haben metallisch blaue bis violette Beine und einen fast schwarzen Rückenschild. Weibchen sind einheitlich schwarz bis schwarzbraun, mit rosa oder olivfarbenen Haaren. Der Glanz entsteht durch die Oberflächenstruktur, nicht durch Farbstoffe. Jungtiere zeigen auf dem Hinterleib oft ein tannenbaumartiges Muster, das später verblasst.
Ähnliche Arten sind P. ultramarinus (Ecuador), P. nigricolor (Kolumbien) und P. vespertinus (Ecuador). Ein belegtes Merkmal zur sicheren Trennung habe ich nicht gefunden.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Die meisten Pflegeangaben liegen bei etwa 24 bis 27 °C und 65 bis 75 % Luftfeuchte. Bewährt hat sich ein Feuchtegefälle: Eine Seite des Bodengrunds bleibt trocken, die andere leicht feucht. Das Tier wählt selbst.
Jahreslauf
Saisonale Veränderungen
Eine Winterruhe gibt es nicht. Wie bei den meisten Vogelspinnen frisst sie vor der Häutung nichts mehr und zieht sich zurück. Nach der Häutung bleibt der Panzer einige Tage weich.
Häutung: Sie wird nicht gestört, und bei großen Tieren wartet man etwa fünf bis zehn Tage mit dem Futter.
Einrichtung
Viel Fläche, wenig Höhe
Becken: Für Erwachsene habe ich kein belegtes Maß gefunden. Für Jungtiere werden etwa 30 × 30 × 25 cm genannt. Die Gattung klettert schlecht und stürzt leicht, deshalb gilt: viel Grundfläche, wenig Höhe.
Bodengrund: bei Jungtieren 5 bis 8 cm, bei Erwachsenen 13 cm oder mehr, zum Beispiel Erde mit Sand und Lehm.
Ausstattung: eine Höhle aus Kork oder Rinde und eine große, gut erreichbare Wasserschale.
Ernährung
Futtertiere und Rhythmus
Futtertiere: Grillen, Heuschrecken und Schaben. Der Appetit ist kräftig, Mäuse sind nicht nötig.
- Jungtiere
- zwei- bis viermal pro Woche, kleine Beute
- Halbwüchsig
- etwa wöchentlich
- Erwachsen
- alle 1 bis 3 Wochen, je nach Hinterleib
Die Quellen unterscheiden sich stark in der Menge, deshalb ist der Hinterleib der beste Maßstab.
Verhalten
Kräftig, schnell, uneinheitlich
Über das Wesen sind sich die Quellen nicht einig: Ein Händler nennt die Art sehr defensiv und schnell, ein Züchter eher nicht sehr defensiv, mit Drohhaltung und danach Haaren. Ein Halter beschreibt sein Weibchen als sehr aggressiv. Die Brennhaare werden bei Bedrohung gezielt abgeschleudert, danach folgt die Flucht.
Zur Giftwirkung habe ich keine Angaben gefunden. Das Tier wird nicht auf die Hand genommen, im Becken wird mit langer Pinzette gearbeitet.
Gut zu wissen
Warum „cf.“ ehrlich ist
Im Hobby laufen unter diesem Namen mehrere Formen mit Beinamen wie „Big Black“ oder „Purple Earth“. Ob sie alle zur gültigen Art gehören, ist nicht geklärt. Ein Datensatz von Gabriel (2014) gilt laut dem World Spider Catalog nach der Überarbeitung 2022 nicht mehr als P. antinous im engeren Sinn.
Sherwood und Kollegen haben 2022 Typusmaterial der Gattung neu beschrieben und vier neue Arten benannt. „mascara“ ist dagegen ein Handelsname und kein gültiger Artname. Zu Eizahl und Inkubationsdauer dieser Art habe ich nichts Belastbares gefunden.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.
- World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Pamphobeteus antinous
- Sherwood, D., Gabriel, R., Brescovit, A. D. & Lucas, S. M. (2022): Revision von Typusmaterial der Gattung Pamphobeteus, Arachnology 19 (3), Eintrag im World Spider Catalog
- Kaderka, R. et al. (2019): Urticating setae of tarantulas, PLOS ONE, PMC6844489 (Brennhaare)
- Wikipedia (en): Pamphobeteus antinous
- Giant Spiders: Pamphobeteus spp.
- Giant Spiders: Artikel zur Haltung
- Arachnoboards: Liste der Pamphobeteus im Hobby
- Josh's Frogs: Artbeschreibung
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.
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