Artenporträt · Phasmiden
Periphetesgraniferum
Bei dieser Stabschrecke von den Philippinen sehen Männchen und Weibchen fast aus wie zwei verschiedene Arten: Die Weibchen sind glänzend grün, die Männchen leuchten in Orange, Blau, Grün und Schwarz. Beide sind flügellos, haben eine körnige Oberfläche und sind nach den Berichten von Haltern ausgesprochen hektisch.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Periphetes graniferum (Westwood, 1859); Erstbeschreibung als Phasma graniferum
- Einordnung
- Gespenstschrecken (Phasmatodea) · Familie Lonchodidae · Unterfamilie Lonchodinae · Gattung Periphetes Stål, 1877
- Hinweis zum Namen
- Datenbanken ordnen die Art nicht einheitlich ein: Das Phasmida Species File und GBIF nennen die Familie Lonchodidae, die Seite phasmatodea.com führt sie unter Phasmatidae. Als Synonym gilt Lonchodes analis Brunner von Wattenwyl, 1907
- Trivialname
- keinen etablierten deutschen Namen gefunden, auch die Phasmid Study Group führt keinen
- Herkunft
- Philippinen, laut einer Quelle auf mehreren Inseln; der bekannte Zuchtstamm „Mt. Capotoan“ stammt von der Insel Samar
- Größe
- Weibchen etwa 8 bis 8,5 cm, Männchen etwa 7 bis 7,5 cm
- Flügel
- keine
- Fortpflanzung
- sexuell, die Weibchen lassen die Eier fallen
- Lebensdauer
- Berichtet für erwachsene Tiere: Männchen etwa 2 bis 3 Monate, Weibchen etwa 4 bis 7 Monate
- Ernährung
- Blätter, vor allem Brombeere
- Schwierigkeit
- laut einem Zuchtbericht leicht zu züchten; die Phasmid Study Group gibt keine Einstufung an
- Schutzstatus
- in keinem CITES- oder EU-Anhang gelistet; von der IUCN nicht bewertet (Abfrage am 11. Oktober 2026)
Erkennen
Zwei Geschlechter, zwei Farbkleider
Weibchen: Der Körper ist glänzend kräftig grün, die Gelenke und Beine sind blaugrün, die Augen orangebraun und die Unterseite orange. Die Oberfläche ist körnig, besonders an den mittleren Brustsegmenten (Meso- und Metathorax).
Männchen: Sie sind kleiner und auffallend bunt. Kopf, Vorderbrust und der hintere Teil des Hinterleibs sind grün, die mittleren Brustsegmente und der vordere Hinterleib orange. Gelenke, Knie und Augen sind blau, Fühler, Beine und das Hinterleibsende schwarz. Die Unterseite hat dieselbe Färbung wie die Oberseite. Auch Männchen kurz vor der letzten Häutung tragen das bunte Kleid schon.
Nymphen und Eier: Frisch geschlüpfte Nymphen sind etwa 17 Millimeter lang, braun und am Hinterende dunkler. Ihre Fühler sind länger als die Vorderbeine. Sobald sie zu fressen beginnen, färben sie sich innerhalb von ein bis zwei Wochen überwiegend grün. Die Eier sind rötlichbraun, unregelmäßig geformt und etwa 2 × 2 Millimeter groß.
Klima
Zimmertemperatur, gut gelüftet
Die Quellen sind sich bei den Zahlen nicht einig, deshalb stehen hier Spannen aus einem Haltungsblatt. Ein Zuchtbericht nennt für die Aufzucht Zimmertemperatur von 20 bis 23 °C und gibt keine Luftfeuchte in Prozent an.
Beim Befeuchten widersprechen sich die Quellen: Der Zuchtbericht hat die Tiere nie besprüht und legt stattdessen ein dauerhaft feuchtes Küchenpapier auf den Boden. Das Haltungsblatt empfiehlt, alle zwei bis drei Tage zu sprühen. Welcher Weg bei dir passt, zeigt dir am besten, wie sich die Tiere und das Becken verhalten. Stehende, nasse Luft führt bei jedem Weg zu Schimmel.
Einrichtung
Faunabox mit Strumpf, Platz zum Häuten
Behälter: Der Zuchtbericht hält Nymphen und Erwachsene in einer Faunabox oder einem ähnlichen Käfig. Wachsen die Tiere, kommen sie in einen passend größeren Käfig. Für frisch geschlüpfte Nymphen wird der Deckel mit einem Strumpf abgedeckt, sonst können sie entkommen. Das Haltungsblatt empfiehlt eine Höhe von etwa dem Dreifachen der Körperlänge der Erwachsenen, für wenige Tiere also zum Beispiel 30 × 30 × 30 cm.
Zum Häuten: Tiere kurz vor der Adulthäutung brauchen Stellen mit genug Platz darunter, an denen sie sich frei hängend häuten können.
Futterzweige: Wie bei Gespenstschrecken allgemein bewährt, stehen sie in einem Gefäß mit Wasser, das oben lückenlos verschlossen ist, damit keine Nymphe hineinfällt. Mehr dazu im Porträt der Knickstabschrecke, einer Verwandten aus derselben Unterfamilie.
Ernährung
Brombeere als Grundfutter
Brombeere wird in beiden Haltungsquellen genannt und trägt als immergrüne Sorte auch im Winter Laub (nicht jede Brombeere tut das, mehr dazu im Futterplaner). Dazu nennt ein Zuchtbericht Salal (Gaultheria shallon), das zumindest Erwachsene fressen, und Feuerdorn. Die Phasmid Study Group führt außerdem Weißdorn, Hasel, Photinia und Eukalyptus auf. Zweige frisch anschneiden, gleich ins Wasser stellen und nur dort schneiden, wo nicht gespritzt wird.
Die Hürde am Anfang: Viele frisch geschlüpfte Nymphen fressen die Brombeere zunächst nicht. Der Zuchtbericht rechnet deshalb mit 30 bis 40 Prozent Verlusten in der ersten Stufe und rät, mit mindestens 50 Eiern zu starten.
Fortpflanzung
Viele Eier, lange Wartezeit
Die Fortpflanzung ist sexuell: Paarungen sind laut Zuchtbericht häufig, danach trennen sich die Paare wieder. Die Angaben zur Entwicklung weichen zwischen den Quellen ab, deshalb stehen beide Fassungen da.
- Geschlechtsreife
Zuchtbericht: Männchen nach etwa 2 bis 2,5 Monaten, Weibchen nach etwa 3 bis 3,5 Monaten. Haltungsblatt: beide Geschlechter nach etwa 2 bis 3 Monaten.
- Eiablage
Zuchtbericht: Etwa 2 bis 3 Wochen nach der letzten Häutung beginnen die Weibchen zu legen, bis zu 40 bis 50 Eier pro Woche. Haltungsblatt: etwa 4 Eier pro Tag. Die Eier werden einfach fallen gelassen.
- Inkubation
Zuchtbericht: etwa 4 Monate bei 20 bis 23 °C, mit trockenem Sand nach der sogenannten HH-Methode über 50 Prozent Schlupf. Haltungsblatt: 5 bis 6 Monate auf Küchenpapier oder Vermiculit.
- Lebensdauer
Zuchtbericht: Männchen leben als Erwachsene etwa 2 bis 3 Monate, Weibchen etwa 4 bis 7 Monate.
Verhalten
Hektisch und zappelig
Nach dem Zuchtbericht ist die Art ausgesprochen zappelig. Wird sie gestört, lassen sich Nymphen wie Erwachsene zu Boden fallen und winden sich. Besonders die Männchen verhalten sich hektisch und beruhigen sich nur langsam. Den Futterwechsel beschreibt der Bericht als nervenaufreibend, vor allem wenn viele Tiere im selben Käfig leben. Männchen wedeln oft mit dem Hinterleib, der Bericht vergleicht das mit einer Walflosse.
Gut zu wissen
Ein Name mit Geschichte
Westwood beschrieb die Art 1859 als Phasma graniferum. Stål stellte 1877 die Gattung Periphetes auf, mit dieser Art als Typusart. 1907 wurde Lonchodes analis beschrieben, der heute als Synonym gilt. Das Phasmida Species File führt die Gattung als gültig, verweist aber darauf, dass sie von Herwaarden 1998 als Synonym von Lonchodes geführt wurde. Die Einordnung ist also nicht in jeder Datenbank gleich. Der bekannte Zuchtstamm „Mt. Capotoan“ wurde 2010 von der Insel Samar importiert.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Fachliteratur zur Haltung gibt es kaum. Die Haltungsangaben stammen aus einem Zuchtbericht und einem französischen Haltungsblatt, beide von Haltern, und widersprechen sich teilweise. Das ist oben jeweils vermerkt. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben.
- Phasmid Study Group, PSG 357 (Artdaten, Futterpflanzen)
- phasmatodea.com, Zuchtstamm „Mt. Capotoan“ (Zuchtbericht von Bruno Kneubühler)
- Hexapédia, Fiche d’élevage (französisches Haltungsblatt)
- Phasmida Species File, Periphetes graniferum und Gattung Periphetes (Name, Synonyme)
- GBIF (Name, Einordnung)
- IUCN Red List und Species+ (Schutzstatus, Suche am 11. Oktober 2026 ohne Treffer)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.