Artenporträt · Phasmiden
Phylliumgiganteum
Ein Blatt mit Beinen: Das Große Wandelnde Blatt aus Malaysia ist eines der größten seiner Art und so perfekt getarnt, dass man es zwischen den Futterzweigen oft erst auf den zweiten Blick findet. Bei mir heißt es Rucola.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name im Hobby
- Phyllium giganteum
- Gültiger Name
- Pulchriphyllium giganteum (Hausleithner, 1984); seit 2021 in eigener Gattung
- Trivialname
- Großes Wandelndes Blatt
- Einordnung
- Gespenstschrecken (Phasmatodea) · Familie Phylliidae, die Wandelnden Blätter
- Herkunft
- Malaiische Halbinsel und Borneo, gemeldet auch aus Thailand und Sumatra
- Größe
- Weibchen fast 12 cm, Männchen bis etwa 8 cm
- Fortpflanzung
- fast ausschließlich ohne Männchen; Männchen sind selten
- Lebenserwartung
- Weibchen etwa ein bis anderthalb Jahre
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Ein Blatt, das läuft
Der ganze Körper ist flach und blattartig, mit einer Mittelrippe und feinen „Adern“ auf dem breiten Hinterleib. Auch die Beine tragen blattförmige Lappen. Braune, wie vertrocknet wirkende Ränder vervollständigen die Tarnung, bis hin zu kleinen Flecken, die wie Fraßspuren aussehen.
Die Weibchen können nicht fliegen. Die seltenen Männchen sind deutlich schlanker, haben lange Fühler und können fliegen. Die Art gehört zu den größten Wandelnden Blättern überhaupt, daher der Name giganteum.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Je jünger die Tiere, desto feuchter mögen sie es. Erwachsene Tiere halten viele Halter etwas trockener und dafür gut belüftet, denn Luftbewegung regt sie zum Fressen und Laufen an. Etwa alle zwei Tage sprühen, ohne die Tiere direkt zu treffen.
Einrichtung
Hoch, luftig, voller Blätter
Becken: hoch und gut belüftet, denn wie alle Gespenstschrecken häuten sie sich hängend. Für wenige Tiere nennen viele Halter rund 30 × 30 × 40 cm als Untergrenze.
Ausstattung: die Futterzweige selbst, in einem Gefäß mit Wasser, das so abgedeckt ist, dass keine Nymphe hineinfallen kann. Dazu eine dünne Bodenschicht, auf der die Eier liegen bleiben und sich leicht einsammeln lassen.
Ernährung
Brombeere im Winter, Eiche im Sommer
In ihrer Heimat fressen sie unter anderem die Blätter von Guaven. Bei uns bewährt sich im Sommer Eichenlaub und im Winter Brombeere, dazu weitere Rosengewächse. Beides wächst bei mir im Garten.
Für kleine Nymphen: Den vertrockneten Rand der Blätter abschneiden. Eine frische Schnittkante erleichtert den Kleinen den ersten Biss.
Rucola ist, nebenbei gesagt, deutlich weniger verfressen als meine Gespenstschrecken Rinden-Rambo und Blattilda, die Australischen Gespenstschrecken.
Fortpflanzung
Ohne Männchen, mit viel Geduld
Die Weibchen vermehren sich ohne Männchen. Etwa vier Wochen nach der letzten Häutung beginnen sie mit der Eiablage und lassen die Eier einfach zu Boden fallen, bis zu sieben pro Woche. Die fast schwarzen Eier sind die größten und schwersten aller Wandelnden Blätter.
Bis zum Schlupf vergehen etwa acht Monate. Die frisch geschlüpften Nymphen sind zunächst ganz rotbraun und werden erst grün, wenn sie zu fressen beginnen.
Verhalten
Ruhig und sanft
Wandelnde Blätter sind vor allem in der Dämmerung aktiv und bewegen sich langsam und bedächtig. Sie beißen nicht und sind nicht giftig. Wer sie aufnimmt, lässt sie am besten selbst auf die Hand klettern.
Häutung: hängend, deshalb nichts im Weg und keine Störung. Mehr dazu unter Häutung verstehen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte aus Fachquellen, Erfahrungen der Phasmidenhaltung und eigener Haltung.
- GBIF, Global Biodiversity Information Facility: Pulchriphyllium giganteum (Hausleithner, 1984)
- Wikipedia: Großes Wandelndes Blatt (Größe, Eier, Entwicklung)
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.