Mario Sickert

Artenporträt · Raubwanzen

Platymerisbiguttatus


Glänzend schwarz, zwei weiße Flecken auf den Flügeln und ein kräftiger Stechrüssel unter dem Kopf: Die Weißfleck-Raubwanze aus dem tropischen Afrika lähmt ihre Beute mit einem Stich und verdaut sie von innen. Spannend zu beobachten, aber nichts für die Hand.

Im Bestand
Gruppe, ab Oktober 2026
Herkunft der Art
tropisches Afrika
Zeichnung zweier schwarzer Raubwanzen Platymeris biguttatus, links von oben mit zwei runden weißen Flecken auf den Flügeln, rechts von der Seite mit gelb geringelten Beinen
Illustration, KI-generiert · Platymeris biguttatus, von oben und von der Seite

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Platymeris biguttatus (Linnaeus, 1767), in manchen Datenbanken als Platymeris biguttata geführt
Trivialname
im Handel meist Weißfleck-Raubwanze, im englischen Sprachraum White Spot Assassin Bug oder Two-spotted Assassin Bug
Familie
Raubwanzen (Reduviidae), Unterfamilie Reduviinae
Herkunft
tropisches Afrika, von Senegal und Gambia über Nigeria und Äthiopien bis Kenia, Tansania, Sambia, Simbabwe und Mosambik
Größe
Weibchen etwa 3,3 bis 4 cm, Männchen um 3,3 cm
Entwicklung
fünf Nymphenstadien, bis zum erwachsenen Tier je nach Futter und Wärme etwa vier bis sechs Monate
Lebenserwartung
als erwachsenes Tier etwa ein Jahr, Angaben reichen bis zwei Jahre
Haltung
Gruppenhaltung möglich, bei reichlich Futter und vielen Verstecken
Schutzstatus
nicht geschützt, keine CITES-Listung

Aussehen & Erkennen

Zwei weiße Flecken als Warnsignal

Erwachsene Tiere sind glänzend schwarz und tragen auf jedem Vorderflügel einen großen, runden, weißen bis cremefarbenen Fleck. Die auffällige Zeichnung gilt als Warnfärbung für Fressfeinde. Die Beine sind schwarz und geringelt. Beim Wildtyp beschreiben Halter die Ringe als gelb, ein Zoo-Datenblatt nennt sie rot. Im Hobby gibt es außerdem die Farbform „Ghost“ mit weißen Beinringen.

Die weißen Flügelflecken trennen P. biguttatus von den anderen Platymeris-Arten im Hobby: P. rhadamanthus hat gelbe bis rote Flecken, P. laevicollis kleine rote Flecken und rote Beinringe. Weil sich die Arten in Haltung kreuzen können, sollten Gruppen verschiedener Arten nie gemischt werden.

Frisch geschlüpfte Nymphen sind rot gefärbt und werden mit jeder Häutung dunkler. Die Flecken und Flügel tragen erst die erwachsenen Tiere.

Klima

Warm und eher trocken

25 bis 29 °C
Temperatur
bei 25 bis 30 °C entwickeln sich Nymphen und Eier am besten
eher trocken
Luftfeuchte
mit einer leicht feuchten Ecke im Bodengrund
gut belüftet
Luft
Gaze im Deckel, keine Staunässe

Die Art mag es warm. In einer Untersuchung zur Entwicklung schlüpften bei dauerhaft 35,5 °C keine Nymphen mehr, zu heiß ist also genauso schlecht wie zu kalt. Getrunken wird selten, eine feuchte Stelle im Boden reicht. Dort legen die Weibchen auch gern ihre Eier ab, denn die brauchen Feuchtigkeit.

Einrichtung

Rinde zum Klettern und Häuten

Becken: gut belüftet und sicher verschlossen. Ein Händler nennt 8 bis 10 erwachsene Tiere auf etwa 38 Liter. Mehr Platz schadet nicht, denn mehr Fläche heißt weniger Begegnungen und weniger Stress.

Bodengrund: ein paar Zentimeter trockener Sand oder ein Sand-Erde-Gemisch, an einer Stelle leicht feucht gehalten.

Einrichtung: schräg angelehnte Korkrinde und Eierkartons als Verstecke. Unter der Rinde muss genug Platz bleiben, denn die Nymphen häuten sich kopfüber hängend.

Ernährung

Stechen, lähmen, aussaugen

Futtertiere: Schaben wie Blaptica dubia oder Shelfordella lateralis, dazu Heimchen, Mehlwürmer und Zophobas. Ein bis zwei Fütterungen pro Woche reichen, das Futtertier sollte nicht größer sein als die Wanze.

Abwechslung lohnt sich: In einer Studie entwickelten sich Nymphen mit gemischtem Futter schneller. Wer nur eine Sorte anbieten kann, nimmt am besten Schaben. Ausgesaugte Reste kommen am nächsten Tag raus, bevor sie schimmeln. Frisch geschlüpfte Nymphen bekommen erst nach etwa einem Tag ihr erstes Futter.

Sozialverhalten & Fortpflanzung

Gesellig, solange alle satt sind

Anders als Mantiden lassen sich diese Raubwanzen in Gruppen halten. Kannibalismus kommt bei ausreichend Futter selten vor, ganz ausschließen lässt er sich aber nie. Am meisten gefährdet sind Tiere, die gerade in der Häutung stecken. Viele Verstecke und regelmäßiges Füttern senken das Risiko deutlich.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln und lose in den Bodengrund. Bis zum Schlupf vergehen je nach Quelle und Temperatur etwa drei bis sechs Wochen. Ob unbefruchtete Weibchen entwicklungsfähige Eier legen, ist nicht sicher belegt. Wer züchten will, braucht also beide Geschlechter.

Sicherheit

Nicht anfassen, Augen schützen

Der Stich mit dem Rüssel ist schmerzhaft. Halter vergleichen ihn mit einem Bienenstich, manche beschreiben ihn als stärker. Hinzu kommt der Giftspeichel: Von der nahe verwandten Platymeris rhadamanthus ist wissenschaftlich belegt, dass sie ihn bei Bedrohung gezielt verspritzt. Für P. biguttatus gibt es nur Einzelberichte von Spritzern mit Brennen und kurz verschwommener Sicht, eine Studie dazu kenne ich nicht.

Ich gehe deshalb auf Nummer sicher: Die Tiere kommen nie auf die Hand, ich arbeite mit Pinzette oder Futterzange und halte das Gesicht nicht über das offene Becken. Eine Schutzbrille ist eine gute Idee. Landet trotzdem etwas im Auge, sofort gründlich mit Wasser spülen und bei anhaltenden Beschwerden zum Arzt.

Mit den blutsaugenden Raubwanzen aus Mittel- und Südamerika, die die Chagas-Krankheit übertragen, hat diese Art nichts zu tun. Die gehören zu einer anderen Unterfamilie, den Triatominae. Platymeris jagt Insekten, kein Blut.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, habe ich das im Text genannt.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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