Artenporträt · Schmetterlinge
Samiaricini
Aus einem winzigen Ei wird in wenigen Wochen eine dicke, weiß gepuderte Raupe und daraus ein großer, samtiger Nachtfalter, der nie wieder etwas frisst. Der Eri-Seidenspinner ist ein echtes Haustier, seit Jahrhunderten gezüchtet für seine Seide. Meine Raupen wachsen mit Kirschlorbeer aus unserem Garten auf.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Samia ricini (Donovan, 1798)
- Trivialnamen
- Eri-Seidenspinner, Rizinusspinner; im Hobby oft Götterbaumspinner genannt
- Einordnung
- Schmetterlinge (Lepidoptera) · Familie Pfauenspinner (Saturniidae)
- Herkunft
- Haustier, im Nordosten Indiens aus der wilden Samia canningi gezüchtet; in freier Natur gibt es ihn nicht
- Spannweite
- um 10 cm
- Raupe
- bis etwa 8 cm, weiß bis bläulich bepudert
- Entwicklung
- Raupe etwa vier Wochen, Puppe zwei bis drei Wochen, Falter ein bis zwei Wochen
- Jahreslauf
- keine Winterruhe, mehrere Generationen im Jahr
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Raupe, Kokon, Falter
Raupen sind anfangs klein und gelblich, später dick, hell und wie mit Puder überzogen. Diese wachsartige Schicht schützt sie. Die weichen Zapfen auf dem Rücken sehen wehrhaft aus, sind aber völlig harmlos.
Falter sind braun bis olivgrau, mit hellen, halbmondförmigen Flecken und einer hellen Querbinde auf den Flügeln. Der Körper ist dicht und flauschig behaart. Männchen erkennt man an den breiter gefiederten Fühlern und dem schlankeren Hinterleib.
Klima
Zimmertemperatur und viel frische Luft
Das Wichtigste ist frische Luft. In stehender, feuchter Luft werden die Raupen schnell krank. Ein Glasterrarium ist deshalb ungeeignet, ein Gazekäfig ist genau richtig.
Haltung
Gazekäfig statt Terrarium
Behälter: ein luftiger Netz- oder Gazekäfig, für eine kleine Gruppe etwa ab 40 × 40 × 60 cm. Im letzten Raupenstadium wachsen die Tiere enorm, dann brauchen sie Platz, um sich nicht gegenseitig beim Einspinnen zu stören.
Boden: kein Substrat, nur Küchenpapier. Die Raupen machen erstaunlich viel Kot, das Papier wird deshalb oft gewechselt.
Futterzweige: in einem Gefäß mit Wasser, das so abgedeckt ist, dass keine Raupe hineinfallen und ertrinken kann.
Ernährung
Raupen fressen alles, Falter gar nichts
Die Raupen sind wahre Fressmaschinen und nehmen viele Pflanzen an: Götterbaum und Rizinus, dazu Liguster, Flieder und Kirschlorbeer. Kirschlorbeer hat einen großen Vorteil: Er bleibt auch im Winter grün. Deshalb bekommen meine Raupen genau ihn, frisch aus dem Garten.
Meine Erfahrung: Die Raupen bleiben am liebsten bei der Pflanze, mit der sie angefangen haben. Ein Wechsel mittendrin klappt oft schlecht. Man sollte also gleich zu Beginn eine Pflanze wählen, die man bis zum Einspinnen zuverlässig bekommt. Wasser nehmen die Raupen über die frischen Blätter auf.
Die Falter dagegen fressen überhaupt nichts mehr. Ihre Mundwerkzeuge sind verkümmert. Sie leben von den Reserven, die sie sich als Raupe angefressen haben, paaren sich, legen Eier und sterben nach ein bis zwei Wochen.
Gut zu wissen
Seide ohne Opfer
Der Kokon des Eri-Seidenspinners ist an einem Ende offen. Der Falter kann also schlüpfen, ohne den Seidenfaden zu zerreißen. Anders als beim bekannten Maulbeerseidenspinner müssen die Puppen für die Seide nicht getötet werden. Eri-Seide wird deshalb auch „Peace Silk“ genannt.
Zum Namen: Der eigentliche Götterbaumspinner ist Samia cynthia, ein naher Verwandter, der in manchen europäischen Städten sogar verwildert an Götterbäumen lebt. Samia ricini ist die gezüchtete Haustierform aus Indien. Im Hobby werden beide Namen oft gleich verwendet.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf meine eigene Zucht.
- Peigler, R. S. (1993): Wild Silks of the World, American Entomologist 39 (3)
- Silkmoths and more, Artporträt Samia ricini (Futterpflanzen, Entwicklung)
- WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.