Mario Sickert

Artenporträt · Vogelspinnen

Tliltocatlalbopilosus


Ruhig, robust und unkompliziert: Die Kraushaar-Vogelspinne trägt ihren Namen nach den gekräuselten Haaren an Beinen und Hinterleib. Bei mir leben zwei Linien der Art, die Hobbyform und die Nicaragua-Form. Bis 2020 lief sie unter dem Namen Brachypelma albopilosum.

Im Bestand
Hobbyform und Nicaragua
Herkunft
Mittelamerika
Zeichnung einer Kraushaar-Vogelspinne: dunkelbrauner, dicht behaarter Körper, Beine mit hellen Ringen und goldbraunen, gekräuselten Haaren
Illustration, KI-generiert · Tliltocatl albopilosus

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Tliltocatl albopilosus (Valerio, 1980)
Früher
Brachypelma albopilosum
Bedeutung
albopilosus heißt „weiß behaart“ (lateinisch albus, weiß, und pilosus, behaart)
Trivialname
Kraushaar-Vogelspinne, englisch Curly Hair Tarantula
Familie
Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
Herkunft
Mittelamerika. Der World Spider Catalog nennt Costa Rica, in Nachschlagewerken und im Hobby kommen Nicaragua und Honduras dazu. Die genaue Verbreitung ist nicht sicher geklärt.
Lebensweise
bodenbewohnend, gräbt Röhren, vorwiegend nachtaktiv
Endgröße
etwa 6–8 cm Körperlänge, Beinspannweite etwa 15–17 cm
Wachstum
mittel bis langsam; Weibchen sind laut Händlerangabe nach etwa 5 bis 8 Jahren ausgewachsen
Lebenserwartung
Weibchen oft 15–20 Jahre und mehr; Männchen nach ihrer letzten Häutung nur noch wenige Jahre
Verteidigung
Brennhaare am Hinterleib; ein Biss gilt als selten und wahrscheinlich folgenlos
Schutzstatus
CITES II  EU-Anhang B · Herkunftsnachweis erforderlich

Erkennen

Dunkel, mit goldenem Schimmer

Der Körper ist dunkelbraun bis schwarz. Beine, Taster und Hinterleib tragen gekräuselte, hellere Haare, die je nach Lichteinfall golden bis bronzefarben schimmern. Auf dem Vorderkörper ist der Schimmer oft besonders gut zu sehen. Jungtiere sind heller und dunkeln mit den Häutungen nach.

Männchen sind etwas schlanker und meist minimal kleiner, Weibchen kompakter und schwerer gebaut. Als Bodenbewohnerin ist sie weniger bunt als viele Brachypelma-Arten, ihr Reiz liegt in der Behaarung.

Formen

Hobbyform und Nicaragua: zwei Linien, eine Art

Beide Tiere gehören zu Tliltocatl albopilosus und werden gleich gepflegt. Alles auf dieser Seite gilt also für beide. Der Unterschied liegt in der Herkunft der Zuchtlinie, nicht in der Art. Bei mir lebt die Hobbyform als Xilo, die Nicaragua-Form als Pelusa, Rizo, Oso, Copo und Nube.

Hobbyform: So heißt die Linie, die seit langer Zeit in menschlicher Obhut nachgezogen wird und im Handel häufig zu finden ist. Im englischsprachigen Hobby wird sie oft „Honduran“ genannt. Woher die Gründertiere stammen, ist nicht belegt. Händler und Hobbyisten halten es für möglich, dass in früheren Jahren verwandte Arten eingekreuzt wurden. Bewiesen ist das nicht, Gentests stehen laut einer Haltungsseite noch aus.

Nicaragua: Diese Tiere gehen auf Importe aus Nicaragua zurück. Händler bieten sie oft als Nachzuchten solcher Wildfänge an. Beschrieben werden sie mit längeren, stärker gekräuselten und dichteren Haaren, die im Licht heller und goldener wirken. Händler führen sie als die ursprünglichere Linie.

Hobbyform
langjährige Nachzucht, Gründertiere unklar; laut Händler- und Forenangaben meist kürzere, weniger gekräuselte Haare
Nicaragua
Linie aus Importen; laut Händlerangaben längere, dichtere, hellere Haare
Pflege
bei beiden gleich

Wie sicher sich beide Linien äußerlich trennen lassen, ist umstritten. Haarlänge und Farbe schwanken auch innerhalb einer Linie, Jungtiere sind kaum zu unterscheiden, und „Hobbyform“ und „Honduran“ sind Handelsbezeichnungen, keine wissenschaftlichen Einheiten. Eine wissenschaftliche Abgrenzung kenne ich nicht. Bei mir gilt deshalb die Angabe des Anbieters.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22–26 °C
Temperatur
nachts darf es etwas kühler werden
60–75 %
Luftfeuchte
unten leicht feucht, Oberfläche darf abtrocknen
ohne UV
Licht
normaler Tag-Nacht-Wechsel des Raumes genügt

Die Quellen nennen Temperaturen zwischen 20 und 28 °C, die Mitte liegt bei 22 bis 26 °C. Bewährt hat sich ein Feuchtigkeitsgefälle: eine etwas feuchtere Ecke und ein flacher Wassernapf, der immer gefüllt ist, der Rest bleibt eher trocken. Dauerhaft nasser Boden und stehende Luft sind zu vermeiden, gute Belüftung ist wichtig.

Jahreslauf

Häutung und Fastenzeiten

Eine Winterruhe braucht die Art nicht. Vor einer Häutung verweigert das Tier oft wochenlang das Futter, der Hinterleib wird dunkler und glänzend, und es zieht sich in die Röhre zurück. In dieser Phase wird nicht gefüttert und nicht gestört. Nach der Häutung wird erst gefüttert, wenn der neue Panzer ausgehärtet ist, bei Jungtieren nach etwa drei bis sieben Tagen, bei Erwachsenen nach fünf bis zehn Tagen. Mehr dazu unter Häutung verstehen.

Einrichtung

Fläche statt Höhe

Becken: Für ein erwachsenes Tier werden Grundflächen ab etwa 30 × 30 cm genannt, besser 40 × 30 cm. Die Höhe bleibt moderat, damit ein schweres Tier nicht tief stürzt. Bei mir lebt die Hobbyform in einem Becken mit 30 × 30 × 30 cm.

Bodengrund: grabfähig, humos und leicht verdichtet, damit Röhren nicht einstürzen, zum Beispiel ungedüngte Erde mit Lehm. Die Schicht sollte mindestens 10 bis 15 cm hoch sein, die Art gräbt gern, vor allem als Jungtier und in neu eingerichteten Becken.

Ausstattung: ein Versteck als Startpunkt für die eigene Röhre, etwa eine halb eingegrabene Korkröhre, Wurzeln oder ein halber Blumentopf, dazu eine flache Wasserschale. Das Becken wird sicher verschlossen.

Ernährung

Futtertiere und Rhythmus

Futtertiere: Heimchen, Grillen und Schaben, gelegentlich Heuschrecken. Das Futtertier sollte nicht größer sein als der Hinterleib der Spinne.

Jungtiere
ein- bis zweimal pro Woche, passend kleine Beute
Erwachsen
etwa alle ein bis drei Wochen, je nach Hinterleib

Der beste Maßstab ist der Hinterleib: Ist er deutlich breiter als der Vorderkörper, darf eine Pause eingelegt werden. Futter, das nach einem Tag nicht angenommen wurde, kommt wieder heraus. Frisches Wasser steht immer bereit.

Verhalten

Ruhig, mit eigenem Charakter

Im Alltag gilt sie als gelassen und sitzt oft längere Zeit offen vor ihrer Röhre. Jedes Tier entwickelt seinen eigenen Charakter, manche graben deutlich mehr als andere. Jungtiere sind scheuer und graben sich bei Störung tiefer ein. Wird sie bedrängt, streift sie mit den Hinterbeinen Brennhaare vom Hinterleib ab. Diese reizen Haut, Augen und Atemwege, deshalb gilt: nicht auf die Hand nehmen, bei Arbeiten im Becken ruhig bleiben und die Hände danach waschen.

Vogelspinnen sind Einzelgänger. Gehalten wird jedes Tier allein. Männchen und Weibchen kommen nur zur Verpaarung und unter Aufsicht zusammen, denn ein Weibchen kann das Männchen angreifen. Ein Kokon enthält mehrere hundert Eier.

Artenschutz

Nachweis gehört dazu

Wie alle Arten der Gattungen Tliltocatl und Brachypelma steht Tliltocatl albopilosus in CITES Anhang II und damit in EU-Anhang B. Die Haltung ist erlaubt, der rechtmäßige Erwerb muss aber jederzeit belegt werden können. Das gilt für die Hobbyform ebenso wie für die Nicaragua-Form. Was das im Einzelnen heißt, steht unter Artenschutz & Nachweispflicht.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Angaben zur Art stammen aus Nachschlagewerken, die Haltungswerte aus Hobby- und Händlerangaben und eigener Haltung. Zu den beiden Linien gibt es keine wissenschaftliche Abgrenzung. Ihre Beschreibung stützt sich auf Händlerangaben und Hobbydiskussionen und ist als Einschätzung zu lesen.

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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