Artenporträt · Vogelspinnen
Vitaliuschromatus
Weiß gestreifte Beine, rostrot behaarter Hinterleib und ein ausgeprägter Jagdtrieb: Die Brazilian Red and White ist scheu und schnell. Wissenschaftlich steht sie heute wieder bei Nhandu, im Handel trägt sie oft noch den Namen Vitalius.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name im Bestand
- Vitalius chromatus
- Gültiger Name
- Nhandu chromatus Schmidt, 2004 laut World Spider Catalog, Stand März 2026
- Erstbeschreibung
- Schmidt 2004 in der Gattung Nhandu; Bertani 2023 stellte die Art zu Vitalius, Sherwood et al. 2026 stellten sie zu Nhandu zurück
- Früher verwechselt
- vor 2004 als Lasiodora oder Vitalius cristatus geführt
- Trivialname
- Brazilian Red and White, White Striped Birdeater; ein deutscher Name ist nicht belegt
- Familie
- Theraphosidae · Unterfamilie Theraphosinae
- Herkunft
- Brasilien; als Lebensraum wird Regenwald genannt
- Lebensweise
- bodenbewohnend, flüchtet bei Störung in den Bau
- Endgröße
- Weibchen Beinspannweite etwa 15 bis 18 cm; Männchen bleiben bei etwa 13 bis 14 cm
- Wachstum
- mittel bis schnell; Männchen können bei kräftiger Fütterung in gut einem Jahr reif werden
- Lebenserwartung
- Weibchen 10 bis 15 Jahre, Männchen etwa 4 Jahre
- Verteidigung
- Brennhaare, die als besonders unangenehm gelten; Gattungsangabe: Typ I und III bei Männchen, nur Typ I bei Weibchen
- Schutzstatus
- nach meiner Recherche nicht geschützt, bitte bei WISIA gegenprüfen
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.
Erkennen
Weiß gestreift und rostrot
Die Beine sind dunkel mit auffälligen weißen Streifen, der Vorderkörper graubeige, der Hinterleib trägt rötlich rostbraune Haare. Nach der Reifehäutung unterscheiden sich Männchen und Weibchen im Aussehen.
Schmidt beschrieb die Art 2004 als Doppelgänger der Acanthoscurria geniculata. Die Ähnlichkeit war so groß, dass die Art vor 2004 für eine andere gehalten wurde.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Die Temperaturangaben der Quellen liegen weit auseinander, ihre Schnittmenge ist etwa 24 °C. Bei der Luftfeuchte überschneiden sich die Angaben bei 70 bis 75 %. Der Bodengrund bleibt leicht feucht, aber nie nass, und die Luft soll zirkulieren.
Jahreslauf
Saisonale Veränderungen
Eine Winterruhe gibt es nicht. Bei großen Tieren ist nach der Häutung eine Pause von fünf bis zehn Tagen vor dem Futter üblich.
Häutung: Vorher frisst sie nichts mehr. Das Becken bleibt dann ungestört, bis der Panzer ausgehärtet ist.
Einrichtung
Horizontal und grabfähig
Becken: horizontal. Eine Quelle nennt mindestens 30 × 30 × 25 cm, Pflegeblätter das Drei- bis Fünffache der Beinspannweite an Grundfläche.
Bodengrund: grabfähig und leicht feucht, 6 bis 10 cm, zum Beispiel Erde mit Sand und Lehm.
Ausstattung: eine Höhle aus Kork oder Rinde und eine Wasserschale.
Ernährung
Futtertiere und Rhythmus
Futtertiere: Grillen, Heimchen und Schaben. Der Beutetrieb ist sehr stark, deshalb wird sie leicht überfüttert. Am besten füttert man mit der Pinzette.
- Jungtiere
- alle paar Tage, kleine Beute
- Halbwüchsig
- etwa wöchentlich
- Erwachsen
- alle 2 bis 3 Wochen, etwa 4 bis 5 Grillen oder eine große Schabe
Der Hinterleib zeigt, ob es genug war.
Verhalten
Scheu und schnell
Die Art flüchtet bei Störung in ihren Bau und ist bei Bedrängnis defensiv. Das Temperament schwankt von Tier zu Tier, Halter berichten von ruhigen bis zu sehr aggressiven Exemplaren. Die Brennhaare gelten als besonders unangenehm.
Zu einer medizinischen Wirkung des Bisses habe ich nichts gefunden, Hobbyquellen sehen die Haare als Hauptproblem. Gehalten wird jedes Tier allein.
Gut zu wissen
Eine Gattung, zwei Sprünge
Die Art wurde 2004 in Nhandu beschrieben, 2023 zu Vitalius gestellt und im März 2026 wieder zu Nhandu zurückversetzt. In Katalogen, Börsenlisten und Pflegeblättern findet man deshalb beide Namen.
Zu den Eiern pro Kokon werden in Hobbyberichten 600 bis 1200 genannt, ein Forenbeitrag dokumentiert 778 Jungtiere von einem frisch reifen Weibchen. Die Inkubationszeit habe ich nicht gefunden.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.
- World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Nhandu chromatus
- World Spider Catalog: Sherwood et al. 2026 (Arachnology 20 (4))
- Bertani, R. (2023): Taxonomic revision and cladistic analysis of Lasiodora, Zootaxa 5390 (1), mapress.com (Gattungszuordnung 2023)
- Bertani, R. (2001): Revision der Gattungen Vitalius, Nhandu und Proshapalopus, Arquivos de Zoologia (Brennhaare)
- The Tarantula Collective: Pflegeblatt
- Arachnoboards: Informationen zur Brazilian Red and White
- tarantulas.su: Nhandu chromatus
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.
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