Mario Sickert

Praxis · Futter

Nährwerte


Wie viel Eiweiß, Fett und Calcium steckt eigentlich in dem, was ich verfüttere? Hier stehen gemessene Werte aus Fachveröffentlichungen und aus der Futtermitteldatenbank Feedipedia, für meine eigenen Futtertiere und für die, die ich kaufe. Wo es keine Messung gibt, steht das dabei.

Das Wichtigste

Fünf Dinge, die die Zahlen zeigen

  • Futtertiere bestehen vor allem aus Wasser

    In den untersuchten Frischproben (Tabelle unten) lag der Wassergehalt zwischen 58 und 77 Prozent. Wer Futtertiere vergleicht, sollte deshalb nie Frisch- und Trockenwerte durcheinanderbringen. Ein Wert in der Trockenmasse ist rechnerisch mehrfach so hoch wie derselbe Wert im lebenden Tier.

  • Eiweiß ist fast überall reichlich da

    Frisch lagen die Werte zwischen 14 und 21 Prozent. In der Trockenmasse reichte die Spanne bei acht Arten von 38 bis 76 Prozent (Oonincx und Dierenfeld 2012).

  • Beim Fett liegen die Welten auseinander

    Frisch von 3,3 Prozent bei Heimchen-Nymphen bis 24,9 Prozent bei Wachsmaden. Mehlwürmer (13,4) und Superwürmer (17,7) liegen dazwischen, Fruchtfliegen (5,9) und Fauchschaben-Nymphen (6,3) darunter.

  • Fast alle sind arm an Calcium und reich an Phosphor

    Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor lag bei den meisten Arten zwischen 0,08 und 0,30 zu 1 (Oonincx und Dierenfeld 2012). Ausnahmen sind Soldatenfliegenlarven mit deutlich mehr Calcium und Asseln: In der einen untersuchten Probe der Rauen Assel lag das Verhältnis bei etwa 12 zu 1.

  • Die Werte hängen davon ab, was das Futtertier gefressen hat

    Bei Argentinischen Schaben stieg das Verhältnis von Calcium zu Phosphor mit einem calciumreichen Futter vor dem Verfüttern bei Nymphen von 0,17 auf 1,5, bei erwachsenen Tieren von 1,6 auf 4,3 (Barras et al. 2025). Eine Tabelle zeigt also immer nur, wie die untersuchten Tiere damals gefüttert wurden. Wie Gutload funktioniert und wie lange es dauern sollte, steht im Abschnitt Gutload.

So, wie sie verfüttert werden

Nährwerte in der Frischmasse

Frischmasse heißt: das lebende Tier samt Wasser, so wie es im Becken ankommt. Die Zahlen stammen von Mark Finke, der die meisten dieser Futtertiere für Zoo Biology analysiert hat, hier in seiner eigenen Zusammenfassung. Die Quelle nennt die Bezugsgröße nicht ausdrücklich. Weil der Wassergehalt dabei steht, gehe ich von Frischmasse aus. In den Balkendiagrammen sind meine eigenen Futtertiere fett markiert.

Nährwerte in der Frischmasse
FuttertierWasser %Eiweiß %Fett %Calcium mg/kgPhosphor mg/kgCa zu P
Heimchen, erwachsenAcheta domesticus69,220,56,84072.9500,14
Heimchen, NymphenAcheta domesticus77,115,43,32752.5200,11
Mehlwurm, LarveTenebrio molitor61,918,713,41692.9500,06
Superwurm, LarveZophobas morio57,919,717,71772.3700,07
Wachsmade, LarveGalleria mellonella58,514,124,92431.9500,12
Soldatenfliege, LarveHermetia illucens61,217,514,09.3403.5602,62
Fruchtfliege, erwachsenDrosophila (Art laut Quelle nicht genannt)69,121,05,95264.0800,13
Turkestanschabe, Nymphen (Schokoschabe)Shelfordella lateralis69,119,010,03851.7600,22
Madagaskar-Fauchschabe, NymphenGromphadorhina portentosa69,219,56,37712.8700,27

Calcium und Phosphor in Milligramm je Kilogramm Frischmasse. Das Verhältnis (Ca zu P) habe ich aus diesen beiden Werten selbst berechnet.

Fett in der Frischmasse

  • Wachsmade, Larve24,9 %
  • Superwurm, Larve17,7 %
  • Soldatenfliege, Larve14,0 %
  • Mehlwurm, Larve13,4 %
  • Turkestanschabe, Nymphen10,0 %
  • Heimchen, erwachsen6,8 %
  • Madagaskar-Fauchschabe, Nymphen6,3 %
  • Fruchtfliege, erwachsen5,9 %
  • Heimchen, Nymphen3,3 %

Verhältnis von Calcium zu Phosphor

Barker u. a. (1998) beschreiben das Verhältnis bei Futtertieren als unausgewogen, mit viel mehr Phosphor als Calcium. Die Balken zeigen, wie stark: Bei fast allen sind sie kurz. Nur Soldatenfliegenlarven haben mehr Calcium als Phosphor.

  • Soldatenfliege, Larve2,62
  • Madagaskar-Fauchschabe, Nymphen0,27
  • Turkestanschabe, Nymphen0,22
  • Heimchen, erwachsen0,14
  • Fruchtfliege, erwachsen0,13
  • Wachsmade, Larve0,12
  • Heimchen, Nymphen0,11
  • Superwurm, Larve0,07
  • Mehlwurm, Larve0,06

Zum Vergleichen

Nährwerte in der Trockenmasse

Hier ist das Wasser herausgerechnet. Das macht Arten vergleichbar, die unterschiedlich viel Wasser enthalten. Die Werte kommen aus drei Quellen: einer Studie an Schaben, Fliegen und Käfern (Oonincx und Dierenfeld 2012), einer Studie an Argentinischen Schaben (Barras et al. 2025) und der Futtermitteldatenbank Feedipedia (INRAE, CIRAD, AFZ, FAO). Die Zahlen sind auf eine Stelle gerundet, Calcium und Phosphor auf zwei.

Nährwerte in der Trockenmasse
FuttertierEiweiß % TMFett % TMAsche % TMCalcium % TMPhosphor % TMCa zu P
SchokoschabeBlatta (Shelfordella) lateralisklein, 2 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201276,114,57,90,241,220,20
SchokoschabeBlatta (Shelfordella) lateralismittel, 2 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201262,926,56,90,190,950,19
Argentinische SchabeBlaptica dubiaNymphen, Kontrollgruppe · Barras et al. 202576,917,8k. A.0,130,790,17
Argentinische SchabeBlaptica dubiaerwachsen, Kontrollgruppe · Barras et al. 202572,915,6k. A.1,200,721,60
Madagaskar-FauchschabeGromphadorhina portentosaklein, 2 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201263,420,38,50,250,930,27
Madagaskar-FauchschabeGromphadorhina portentosaerwachsen, 5 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201262,524,64,10,170,570,30
HeimchenAcheta domesticusMittel aus 4 Proben · Feedipedia63,317,35,61,010,79k. A.
FruchtfliegeDrosophila melanogastererwachsen, 2 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201268,019,07,20,171,320,13
MehlwurmTenebrio molitorKäfer, 2 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201267,717,74,50,060,790,07
MehlwurmTenebrio molitorLarven, getrocknet · Feedipedia50,435,63,60,240,77k. A.
SuperwurmZophobas morioKäfer, 4 Proben · Oonincx und Dierenfeld 201268,114,36,20,060,710,08
SoldatenfliegeHermetia illucensLarven, getrocknet, Fett unter 20 % · Feedipedia56,612,012,84,320,80k. A.
AsselPorcellio scabererwachsen, 1 Probe · Oonincx und Dierenfeld 201241,211,532,714,41,2211,79

TM = Trockenmasse. k. A. = keine Angabe in der Quelle. Bei den Feedipedia-Zeilen sind es Mittelwerte aus unterschiedlich vielen Proben. Ein Verhältnis von Calcium zu Phosphor habe ich dort nicht berechnet, weil beide Werte nicht aus denselben Proben stammen müssen.

Zwei Unstimmigkeiten: Bei den Heimchen liegen die einzelnen Proben beim Calcium weit auseinander (0,21 bis 1,32 Prozent der Trockenmasse), ein Mittelwert sagt hier wenig. Bei den erwachsenen Argentinischen Schaben nennt die Studie im Text 1,2 Prozent Calcium der Trockenmasse, an anderer Stelle 3,3 Gramm je Kilogramm, also 0,33 Prozent. Welcher Wert stimmt, kann ich nicht klären. Die Tabelle zeigt den Wert aus der Hauptauswertung.

Gutload

Gutload: das Futter der Futtertiere und was es bringt

Gutload heißt: Futtertiere bekommen vor dem Verfüttern ein nährstoffreiches Futter, damit ihr Darm voll davon ist, wenn sie im Becken landen. Alles, was ein Futtertier gefressen hat, steckt in ihm: Eiweiß und Fett, Vitamine, Carotinoide und Mineralstoffe wie Calcium. Je nachdem, wer das Futtertier später frisst, ist etwas anderes wichtig. Bei Spinnen zählt die Qualität der Beute, bei Amphibien und Reptilien kommt Calcium dazu. Es wirkt über das, was gerade im Darm steckt, und nicht dauerhaft im Körper. Deshalb entscheiden Futter und Zeit über das Ergebnis.

Zuerst für Spinnen: Es zählt die Qualität der Beute

Beim Calcium stützen sich die Quellen auf Knochenerkrankungen bei Amphibien und Reptilien. Eine Calciumstudie an Spinnen habe ich nicht gefunden. Belegt ist etwas anderes: Wie nährstoffreich die Beute ist, beeinflusst das Wachstum von Spinnen. Die Studien dazu gibt es für Wolfspinnen und Kellerspinnen. Eine Untersuchung an Vogelspinnen habe ich nicht gefunden, die Übertragung auf sie ist eine Annahme.

  • Bessere Beute, schwerere Spinnen

    Jungspinnen einer Wolfspinnen- und einer Kellerspinnenart bekamen Fruchtfliegen, die nährstoffreich oder nährstoffarm aufgezogen waren. Mit den nährstoffreichen Fliegen waren sie im Mittel etwa 50 Prozent schwerer. Je nach Gelege lag der Unterschied zwischen 12 und 106 Prozent.Wilder 2013

  • Die Fliegen unterschieden sich messbar

    Fruchtfliegen von einem Medium mit 40 Prozent Hundefutter hatten rund 58 Prozent Eiweiß und 20,3 Prozent Fett, Fliegen vom normalen Medium 54 Prozent Eiweiß und 23,3 Prozent Fett. Wolfspinnen, die zuvor die bessere Beute gefressen hatten, erlegten danach mehr Fliegen und suchten sich aus einer Mischung gezielt die besseren heraus.Schmidt u. a. 2012

  • Was in der Beute steckt, kommt bei der Spinne an

    Wanderheuschrecken, in die Fett- oder Eiweißlösungen gespritzt wurden, wurden von Radnetzspinnen gefressen. Die Spinnen nahmen die eingespritzten Nährstoffe auf. Damit lässt sich der Nährstoffgehalt von Beute gezielt verändern. Das ist eine kurze Tagungszusammenfassung, kein ausgewertetes Paper.Wilder und Simpson 2011

  • Offen: Vitamine und Vogelspinnen

    Welche Vitamine Spinnen brauchen und ob Vitamin-Gutload bei ihnen etwas bewirkt, habe ich in den von mir gefundenen Quellen nicht gefunden. Das Eiweiß-Fett-Verhältnis der Beute dagegen ist untersucht, siehe oben.

Gemüse und Vitamine: was sie bringen und was nicht

Ein Versuch des Zoos in Omaha hat Heimchen 24 Stunden lang drei Futter vorgesetzt: eine Gemüsemischung aus Grünkohl, Möhre und Süßkartoffel zu gleichen Teilen, ein Legehennenfutter und ein käufliches Hochcalcium-Futter. Das Ergebnis zeigt, dass Gemüse und Calcium zwei verschiedene Dinge sind.

Gutload-Futter im Vergleich, Heimchen nach 24 Stunden
FutterCalcium % TMCa zu PBeta-Carotin IE/100 gRetinol IE/100 g
GemüsemischungGrünkohl, Möhre, Süßkartoffel0,130,1420.000unter 3
Legehennenfutter0,240,262.000unter 3
Hochcalcium-Futter1,041,081.800201

Werte der Heimchen nach 24 Stunden, in der Trockenmasse (TM). IE = Internationale Einheiten. Quelle: O'Hara u. a., Omaha's Henry Doorly Zoo and Aquarium, Tagungsbeitrag der AZA Nutrition Advisory Group, Jahr in der Quelle nicht angegeben.

  • Gemüse liefert Carotinoide, aber kaum Calcium

    Die Heimchen von der Gemüsemischung hatten das Zehnfache an Beta-Carotin wie die der anderen beiden Gruppen, aber nur 0,13 Prozent Calcium. Die Autoren schlagen vor, carotinoidreiches Gemüse abwechselnd ins Gutload zu nehmen, um Vitamin-A-Mängel anzugehen.

  • Vitamin A als Retinol kam nur aus dem Fertigfutter

    Retinol fand sich nur in den Heimchen vom Hochcalcium-Futter (201 IE je 100 g). Ob Beta-Carotin im Futtertier für den Fresser dasselbe leistet, hängt vom Tier ab und ist für Spinnen nicht untersucht.

  • Bei Futtertieren fehlt oft mehr als Calcium

    Frühere Analysen fanden bei Futtertieren häufig wenig Vitamin A, D und E, außerdem wenig Thiamin, Jod und Vitamin B12 im Vergleich mit dem Bedarf von Ratten (Finke 2013). Bei Fruchtfliegen war Vitamin E eine Ausnahme: etwa 110 Milligramm je Kilogramm Trockenmasse, bei den meisten anderen Arten wenig (Oonincx und Dierenfeld 2012). Wurden Heimchen, Mehlwürmer, Superwürmer und Wachsmaden während des Wachstums auf angereichertem Futter gezogen, waren Vitamin E und Omega-3 höher als in früheren Daten (Finke 2015). Der Vergleichsmaßstab sind aber Ratten, nicht Spinnen.

Die Zeit: wann das Gutload wirkt, am Beispiel Calcium

  1. 5,5 Std.nach dem Bestäuben

    So lange hielt Calcium-Pulver auf Grillen das Verhältnis von Calcium zu Phosphor über 1 zu 1. Das galt für Schwarze Feldgrillen in jungen Stadien und für Stille Grillen, nicht für erwachsene Schwarze Feldgrillen.

    Michaels, Antwis, Preziosi 2014
  2. 12 Std.Gutload

    Winzige Heimchen-Nymphen erreichten mit einem Pulverfutter nach 12 Stunden ein Verhältnis von 1 zu 1. Bei erwachsenen Heimchen war 12 Stunden der früheste Messpunkt, Calcium stieg danach weiter.

    Spence u. a. 2023, Allen und Oftedal 1989
  3. 18 bis 24 Std.Gutload

    Winzige Nymphen hatten ihren Calciumgipfel nach 18 Stunden (Pulverfutter) oder 24 Stunden (feuchtes Gelfutter). Danach sank das Calcium beim Pulverfutter wieder, beim Gel blieb es weitgehend oben. Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor lag beim Pulverfutter nach 24 Stunden schon wieder unter 1 zu 1.

    Spence u. a. 2023
  4. 24 Std.Gemüse und Vitamine

    Heimchen, die einen Tag lang eine Gemüsemischung bekamen, hatten etwa 20.000 IE Beta-Carotin je 100 g Trockenmasse, mit Legehennenfutter 2.000. Für Vitamine liegt mir kaum mehr als dieser eine Messpunkt vor.

    O'Hara u. a.
  5. 48 Std.Gutload

    Bei erwachsenen Heimchen stiegen Calcium und das Verhältnis von Calcium zu Phosphor in den ersten 48 Stunden und blieben danach etwa auf diesem Niveau. In einem anderen Versuch lagen die Werte nach 48 Stunden Hochcalciumfutter drei- bis viermal über der Kontrolle.

    Allen und Oftedal 1989, Schlegel u. a. 2005
  6. 1 bis 7 TageGutload

    Erwachsene Argentinische Schaben hatten nach einem Tag mit Hochcalciumfutter mehr Calcium (3,8 Prozent der Trockenmasse) als nach sieben Tagen (2,4 Prozent). Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor sank von 5,1 auf 3,4. Länger ist also nicht besser.

    Barras u. a. 2025

So geht es richtig, soweit belegt

  • 1. Das Ziel bestimmt das Futter

    Für Spinnen zählt nach den Studien eine nährstoffreiche Beute, also etwa Fruchtfliegen von einem angereicherten Medium. Für Carotinoide eignet sich Gemüse, für Calcium nicht. Für Calcium entscheidet, wie viel davon im Futter steckt. Bei Heimchen enthielten die Tiere im Mittel mit einem Futter von 2 Prozent Calcium nur etwa 0,34 Prozent Calcium (Verhältnis 0,34 zu 1). Mit 8 bis 10 Prozent im Futter waren es etwa 1,0 bis 1,1 Prozent (1,3 zu 1), mit 12 Prozent etwa 1,4 Prozent (1,7 zu 1). Die Autoren halten für ein Verhältnis von mindestens 1 zu 1 ein Futter mit mindestens 8 Prozent Calcium für nötig. Bei den Argentinischen Schaben brachte ein calciumarmes Futter dagegen praktisch nichts (0,16 Prozent Calcium bei Nymphen).Allen und Oftedal 1989, Barras u. a. 2025

  • 2. Die Dauer an Art und Alter anpassen

    Erwachsene Heimchen etwa 48 Stunden, danach ist nicht mehr viel zu holen. Winzige Nymphen erreichen ihren Gipfel deutlich früher, nach 12 bis 24 Stunden, ein feuchtes Gelfutter hält das Calcium länger. Bei Argentinischen Schaben war ein Tag besser als sieben.

  • 3. Danach zügig verfüttern

    Der Calciumgipfel hält nicht ewig. Nach dem Gipfel sank der Wert bei Heimchen-Nymphen mit Pulverfutter, und bei den Schaben war er nach einer Woche niedriger als nach einem Tag. Das legt nahe, die Tiere nicht tagelang auf dem Hochcalciumfutter sitzen zu lassen, bevor sie verfüttert werden. Eine Studie, die genau das prüft, habe ich nicht gefunden.

  • 4. Bestäuben als Ergänzung, kurz vor dem Füttern

    In einem Versuch war Bestäuben mit Calciumcarbonat die wirksamste Methode: Das Calcium der Heimchen stieg mehr als 27-fach, und nur so ging das Verhältnis von Calcium zu Phosphor über 1 zu 1. Der Effekt ist aber kurz (rund 5,5 Stunden) und geht verloren, wenn die Tiere nicht bald gefressen werden. Bestäubte Futtertiere gehören deshalb sofort ins Becken.Schlegel u. a. 2005, Michaels u. a. 2014

  • 5. Nicht übertreiben

    Allen und Oftedal raten davon ab, Heimchen langfristig mit sehr calciumreichem Futter zu halten, weil sie daraus schlechter an Energie und andere Nährstoffe kommen. Außerdem können Geschmack, Temperatur und Körnung die Aufnahme senken. In einem Versuch wurde das Futter deshalb auf 1 Millimeter gemahlen.

  • 6. Wo Gutload an Grenzen stößt

    Bei Wachsmaden gilt das Aufwerten kurz vor dem Verfüttern als nicht möglich, siehe Futtertiere. Finke hat Heimchen, Mehlwürmer, Superwürmer und Wachsmaden stattdessen während des Wachstums auf angereichertem Futter gezogen. Vitamin E und Omega-3 lagen dadurch höher als in früheren Daten, Calcium blieb bei allen vier niedrig. Bei Mehlwürmern stieg das Calcium in einer früheren Arbeit nicht gleichmäßig mit dem Calcium im Futter, bei Heimchen dagegen schon.Finke 2003, Finke 2015

Wo sich die Quellen widersprechen: Auf der Seite Futterzucht steht die Angabe, Heimchen sollten etwa 12 Stunden vor dem Verfüttern gutes Futter bekommen, andere Fütterer nennen 24 bis 48 Stunden. Die Studien zeigen: Für erwachsene Heimchen sind es eher 48 Stunden, für winzige Nymphen 12 bis 24. Außerdem kam eine Arbeit zu dem Ergebnis, dass nur Bestäuben das Verhältnis über 1 zu 1 hebt (Schlegel u. a. 2005), eine ältere, dass es mit mindestens 8 Prozent Calcium im Futter auch ohne Bestäuben geht (Allen und Oftedal 1989). Plausibel ist, dass es an der Menge Calcium im Futter und an dem liegt, was die Tiere tatsächlich fressen. Beweisen kann ich das nicht.

Meine Tiere im Einzelnen

Was zu welchem Futtertier bekannt ist

  • Schokoschaben
    Shelfordella lateralis, auch Blatta lateralis oder Turkestanschabe

    Frisch hatten Nymphen etwa 19 Prozent Eiweiß und 10 Prozent Fett, das Verhältnis von Calcium zu Phosphor lag bei 0,22 (Finke). In der Trockenmasse hatten kleine Tiere 76 Prozent Eiweiß und 14,5 Prozent Fett, mittlere 63 Prozent Eiweiß und 26,5 Prozent Fett (Oonincx und Dierenfeld 2012). Von klein zu mittel stieg also der Fettanteil und der Eiweißanteil sank. Eine tschechische Untersuchung an drei Schabenarten fand beim Übergang zu erwachsenen Tieren das Gegenteil: Erwachsene hatten mehr Eiweiß (602 bis 678 gegen 489 bis 547 Gramm je Kilogramm Trockenmasse) und weniger Fett als halbwüchsige (Kulma et al. 2016). Das ist kein Widerspruch in den Messungen, sondern zeigt, dass der Fettanteil je nach Wachstumsphase steigen oder fallen kann.

  • Argentinische Schaben
    Blaptica dubia

    Die genaueste Untersuchung ist Barras et al. (2025) aus der Reptilienmedizin. Nymphen der Kontrollgruppe hatten 77 Prozent Eiweiß und 17,8 Prozent Fett in der Trockenmasse, Wassergehalt etwa 74,5 Prozent. Mit calciumreichem Futter vor dem Verfüttern stieg das Calcium der Nymphen von 0,13 auf 1,2 Prozent der Trockenmasse. Mit einem calciumarmen Futter blieb es bei 0,16 Prozent. Die Studie nennt als Vergleich frühere Arbeiten, in denen Nymphen bei anderer Fütterung 0,22 Prozent Calcium hatten.

  • Halloween-Fauchschaben
    Elliptorhina javanica

    Für diese Art habe ich keine Analyse gefunden. Die nächste untersuchte Verwandte ist die Madagaskar-Fauchschabe (Gromphadorhina portentosa): Nymphen frisch 19,5 Prozent Eiweiß und 6,3 Prozent Fett, erwachsene Tiere in der Trockenmasse 62,5 Prozent Eiweiß und 24,6 Prozent Fett. Ob die Werte für E. javanica gelten, ist nicht belegt.

  • Heimchen
    Acheta domesticus

    Frisch sind erwachsene Heimchen mit 6,8 Prozent Fett deutlich magerer als Mehlwürmer oder Wachsmaden, Nymphen mit 3,3 Prozent noch einmal deutlich magerer. Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor lag frisch bei 0,14 (Erwachsene) und 0,11 (Nymphen). Zu Steppengrillen (Gryllus assimilis) habe ich keine Analyse gefunden.

  • Fruchtfliegen
    Drosophila

    Frisch 21 Prozent Eiweiß und 5,9 Prozent Fett. In der Trockenmasse hatte D. melanogaster 68 Prozent Eiweiß, 19 Prozent Fett und eines der höchsten Vitamin-E-Niveaus der untersuchten Arten: etwa 110 Milligramm je Kilogramm Trockenmasse, bei den meisten anderen Arten war Vitamin E niedrig (Oonincx und Dierenfeld 2012). Für D. hydei habe ich keine Analyse gefunden.

  • Mehlwürmer und Superwürmer
    Tenebrio molitor, Zophobas morio

    Frisch hatten Mehlwurmlarven 13,4 Prozent Fett, Superwurmlarven 17,7 Prozent. Finke kam in einer Untersuchung von 2015 zu dem Schluss, dass die fettärmeren Heimchen und eher kleine Mehlwürmer den Hauptteil der Nahrung eines Insektenfressers ausmachen sollten, Wachsmaden und Superwürmer dagegen, die viel Fett und wenig Wasser haben, bei gleichem Energiegehalt in mehr Nährstoffen zu kurz kommen. Das ist seine Einordnung und keine Vorschrift.

  • Wachsmaden
    Galleria mellonella

    Mit 24,9 Prozent Fett frisch das fettreichste Futtertier in der Tabelle, bei nur 14,1 Prozent Eiweiß und einem Verhältnis von Calcium zu Phosphor von 0,12. Das deckt sich mit der Angabe auf der Seite Futtertiere. Ein offener Punkt: Finke hat Wachsmaden in seiner Studie von 2015 während des Wachstums auf angereichertem Futter gezogen, was etwas anderes ist als ein kurzes Aufwerten vor dem Verfüttern, das FurryCritter bei Wachsmaden für nicht möglich hält (siehe Futtertiere). Beides sollte man nicht gleichsetzen.

  • Asseln
    Porcellio scaber

    Die einzige untersuchte Assel hatte 41 Prozent Eiweiß, 11,5 Prozent Fett und eine Asche von 32,7 Prozent der Trockenmasse, bei 14,4 Prozent Calcium. Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor lag bei etwa 12 zu 1. Die Autoren halten Asseln deshalb für eine mögliche Calciumquelle. Es war aber nur eine Probe einer einzigen Art.

Offen

Wofür ich keine belastbaren Zahlen gefunden habe

  • Ofenfischchen

    Für Thermobia domestica habe ich keine Nährstoffanalyse gefunden, nur Angaben zu Größe, Wärme und Entwicklung auf der Seite Futtertiere.

  • Rosenkäferlarven

    Zu Pachnoda marginata habe ich keine Analyse gefunden. Die Aussage, dass die Larven „sehr gehaltvoll“ sind, ist meine Erfahrung und kein Messwert.

  • Pinkies

    Zu den Maden der Stubenfliege habe ich keine passende Analyse gefunden. Finke hat in seiner Studie von 2013 erwachsene Stubenfliegen untersucht, keine Maden. Die Datenbank Feedipedia führt ein Madenmehl aus einer Aufzucht auf Rinderblut, das mit meinen Pinkies nicht vergleichbar ist.

  • Krullfliegen, Steppengrillen, Halloween-Fauchschaben, D. hydei

    Für diese Arten gibt es in den von mir gefundenen Quellen keine eigene Analyse, siehe die Einzelabschnitte oben.

Einordnung

Wie belastbar sind die Zahlen?

  • Unterschiedliche Fütterung und Entwicklungsstufe

    Alle Werte gelten für die Tiere, wie sie im jeweiligen Versuch gefüttert und in welchem Stadium sie untersucht wurden. Nymphen, Erwachsene und Larven unterscheiden sich deutlich. Meine eigenen Tiere können abweichen.

  • Kleine Stichproben

    Manche Zeilen beruhen auf einer oder zwei Proben. Die Anzahl steht in der Tabelle, wo die Quelle sie nennt.

  • Zweite Hand

    Die Frischwerte habe ich einer Zusammenfassung von Mark Finke entnommen und nicht den Originaltabellen der Zoo-Biology-Arbeiten, die bei Wiley hinter einer Bezahlschranke liegen. Zwei Gegenproben: Die Werte für Soldatenfliegenlarven und Turkestanschaben liegen innerhalb der Spannen, die die Zusammenfassung der Arbeit von 2013 nennt. Und auf Trockenmasse umgerechnet passen die Mehlwurmwerte (Fett 35, Eiweiß 49 Prozent) zu Feedipedia (35,6 und 50,4 Prozent). Seidenraupen und Butterwürmer habe ich nicht aufgenommen: Bei den Seidenraupen sind die Mineralwerte in der Tabelle identisch mit denen der Superwürmer, das sieht nach einem Übertragungsfehler aus, und die Quelle der Butterwürmer ist unklar.

  • Kein Fütterungsplan

    Die Tabellen beschreiben, was in den Tieren steckt, nicht, wie oft oder wie viel ein bestimmtes Tier bekommen soll. Das hängt von Art, Alter und Tier ab und steht, soweit belegt, im Abschnitt Gutload und auf der Seite Futterzucht.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben. Gelesen und geprüft habe ich die frei zugänglichen Fassungen und Zusammenfassungen, nicht jede Arbeit im Volltext.

  • Finke MD (2002): Complete nutrient composition of commercially raised invertebrates used as food for insectivores. Zoo Biology 21, 269 bis 285, doi 10.1002/zoo.10031 (Mehlwurm, Superwurm, Wachsmade, Heimchen u. a.)
  • Finke MD (2013): Complete nutrient content of four species of feeder insects. Zoo Biology 32, 27 bis 36, Zusammenfassung (Soldatenfliegenlarven, Turkestanschaben, Tebowürmer, Stubenfliegen)
  • Finke MD (2015): Complete nutrient content of four species of commercially available feeder insects fed enhanced diets during growth. Zoo Biology 34, 554 bis 564, Zusammenfassung (Heimchen, Mehlwurm, Superwurm, Wachsmade)
  • Finke MD, Nutritional value of commercially raised insects, GeckoTime 2014 (Tabelle der Frischmassewerte)
  • Barker D, Fitzpatrick MP, Dierenfeld ES (1998): Nutrient composition of selected whole invertebrates. Zoo Biology 17, 123 bis 134, doi, Zusammenfassung (Calcium niedrig, Verhältnis unausgewogen)
  • Oonincx DGAB, Dierenfeld ES (2012): An investigation into the chemical composition of alternative invertebrate prey. Zoo Biology 31, 40 bis 54, doi 10.1002/zoo.20382 (Schokoschabe, Fauchschabe, Fruchtfliege, Mehlwurm- und Superwurmkäfer, Assel)
  • Kulma M u. a. (2016): Nutritional value of three Blattodea species used as feed for animals. Journal of Animal and Feed Sciences 25, 354 bis 360, Zusammenfassung (Argentinische Schabe, Blaberus discoidalis, Blatta lateralis)
  • Wilder SM (2013): Variation among clutches in the response of spiders to prey nutrient content. Journal of Arachnology 41, 53 bis 58, Volltext (Wolfspinne Tigrosa helluo, Kellerspinne Pholcus phalangioides)
  • Schmidt JM, Sebastian P, Wilder SM, Rypstra AL (2012): The nutritional content of prey affects the foraging of a generalist arthropod predator. PLoS ONE 7, e49223, doi 10.1371/journal.pone.0049223 (Wolfspinne Pardosa milvina)
  • Wilder SM, Simpson SJ (2011): Manipulating the nutrient content of prey for carnivorous arthropods. Tagungsbeitrag, Ecological Society of America, Zusammenfassung (Radnetzspinne Argiope keyserlingi)
  • O'Hara JL, Kappen KL, Morris CL: A comparison between a commercial cricket gut-loading diet and a poultry layer grain in proximate, mineral, and vitamin composition. Omaha's Henry Doorly Zoo and Aquarium, Tagungsbeitrag (PDF), Jahr in der Quelle nicht angegeben
  • Allen ME, Oftedal OT (1989): Dietary manipulation of the calcium content of feed crickets. Journal of Zoo and Wildlife Medicine 20 (1), 26 bis 33, Volltext (Smithsonian) (Gutload bei Heimchen: Calcium im Futter, Dauer)
  • Schlegel ML, Renjifo A, Valdes EV (2005): Evaluating gut-loading diets and dusting to improve the calcium concentration of pin-head and adult crickets (Acheta domesticus). Proceedings of the Sixth Conference on Zoo and Wildlife Nutrition, AZA Nutrition Advisory Group, Zusammenfassung
  • Michaels CJ, Antwis RE, Preziosi RF (2014): Manipulation of the calcium content of insectivore diets through supplementary dusting. Journal of Zoo and Aquarium Research 2 (3), 77 bis 81, doi 10.19227/jzar.v2i3.59
  • Spence KJ u. a. (2023): Gut-loading tiny crickets, not just a smaller version of adult cricket gut-loading. Proceedings of the Fifteenth Conference on Zoo and Wildlife Nutrition, Zusammenfassung
  • Finke MD (2003): Gut loading to enhance the nutrient content of insects as food for reptiles: a mathematical approach. Zoo Biology 22, 147 bis 162, doi 10.1002/zoo.10082
  • Finke MD (2015): A review of the nutrient content of commercial feeder insects and strategies for increasing their nutrient content. Proceedings of the Eleventh Conference on Zoo and Wildlife Nutrition, Zusammenfassung
  • Barras E u. a. (2025): Effect of commercial diets on the nutritional value and mortality rates of dubia roaches (Blaptica dubia). Journal of Herpetological Medicine and Surgery 35 (3), 176 bis 191, doi 10.5818/JHMS-D-24-00053
  • Feedipedia (INRAE, CIRAD, AFZ und FAO): Hausgrille, Mehlwurm, getrocknet, Soldatenfliegenlarven, getrocknet, abgerufen am 19. Oktober 2026

Stand: 19. Oktober 2026. Dazu: Futtertiere, Futterzucht und Futterplaner. Zurück zur Praxis.