Mario Sickert

Praxis · Futter

Futterzucht


Wer Tiere hält, braucht Futter, und wer eine Futterzucht hat, kennt ihre Tücken: Geruch, Milben, plötzlich leere Kulturen. Hier stehen Richtwerte für Heimchen, Steppengrillen und Fruchtfliegen, die Lösungen für die häufigsten Probleme und eine Tabelle, wie groß das Futter sein darf.

Überblick

Welches Futtertier wofür

Meine wichtigste Futterzucht sind Schokoschaben, dazu kommen Rosenkäferlarven, wie auf der Seite Futter beschrieben. Hier geht es um die anderen drei Klassiker: Heimchen, Steppengrillen und Fruchtfliegen. Die Zahlen stammen aus Praxisseiten, Händlerleitfäden und wenigen Studien. Sie schwanken je nach Quelle, deshalb steht bei jedem Wert, woher er kommt.

FuttertierTemperaturZyklusBesonderheit
HeimchenAcheta domesticusetwa 25 bis 30 °C, wärmer wächst schneller, verkürzt aber das LebenEi bis erwachsen etwa 6 bis 7 Wochenanfällig für das Acheta-Densovirus
SteppengrilleGryllus assimilisähnlich wie Heimchenähnlich, nicht eigens belegtgegen das Densovirus resistent, größer
FruchtfliegeDrosophila melanogaster, hydeietwa 21 bis 27 °Cmelanogaster 10 bis 14 Tage, hydei 20 bis 25 TageMilben sind der häufigste Grund für Zusammenbrüche

Heimchen

Acheta domesticus

  • Temperatur: Eine Quelle nennt 25 °C als Minimum, eine Hobbyseite 28 bis 35 °C mit höherer Sterblichkeit unter 27 °C. Die Quellen widersprechen sich, ein Bereich um 25 bis 30 °C ist die Schnittmenge.
  • Behälter: 50 × 30 × 30 cm reichen für etwa 500 Tiere, 60 × 40 × 40 cm fassen 500 bis 700 Erwachsene. Deckel mit Gaze, dazu Eierkartons als Verstecke.
  • Eiablage: mindestens 3 cm feuchtes Substrat (Torf, Erde oder Sägespäne), feucht, aber nicht nass. Die Eier liegen etwa 1 cm tief.
  • Futter: rund 20 bis 30 Prozent Rohprotein, zum Beispiel Haferflocken, Weizenkeime und Gemüse.
  • Wasser: immer verfügbar, aber so, dass kein Tier ertrinkt.
  • Schlupf: bei 30 °C nach etwa 10 Tagen, bei 25 °C nach 18, bei 20 °C nach 39 Tagen. Eine Angabe von 119 Tagen bei 25 °C halte ich für unplausibel.
Geruch
Entsteht durch zu viele Tiere, tote Tiere, alte Futterreste, zu wenig Lüftung und Nässe.
Sterben und Kannibalismus
Hängen oft an zu wenig Platz, Futter oder Wasser.
Milben
Bei starkem Befall wird ein Neustart empfohlen.
Densovirus
Das Acheta-Densovirus kann ganze Zuchten vernichten. Steppengrillen gelten dagegen als resistent.

Fruchtfliegen

Drosophila melanogaster und hydei

  • Temperatur: optimal 21 bis 27 °C. Über 29 °C drohen Sterilität, unter 18 °C geht die Produktion zurück.
  • Behälter und Medium: Becher oder Gläser, etwa zu einem Drittel mit einem Gemisch aus Kartoffelflocken, Hefe und Zucker gefüllt.
  • Zyklus: melanogaster liefert nach etwa 10 bis 14 Tagen, die größere hydei nach 20 bis 25 Tagen. hydei kommt in Wellen und bricht leichter zusammen.
  • Neuansatz: alle 7 bis 10 Tage eine neue Kultur starten, mit 50 bis 100 Fliegen, bei hydei eher mehr.
Milben
Gelten als häufigster Grund für Kulturabstürze. Forenerfahrung: Anti-Milbenpapier, Fliegen nur aus sauberen Kulturen weitergeben, monatlich reinigen.
Zu trocken
Risse im Medium lassen die Kultur stocken. Mehr Wasser oder leicht besprühen.
Schimmel
Schwarzer Schimmel bedeutet: Kultur verwerfen.

Wichtig zur Abgrenzung: Fruchtfliegen im Terrarium, die ungewollt auftauchen, sind etwas anderes. Woran man sie von Trauermücken und Buckelfliegen unterscheidet, steht im Problemlöser.

Futtergröße

Wie groß darf das Futter sein?

Die Faustregeln unterscheiden sich je nach Tier und Quelle. Zu große Beute kann Verletzungen verursachen, besonders in der Häutungsphase.

TierRichtwertHinweis
Vogelspinnenhöchstens etwa ein Drittel der Spinne, andere Quellen: nicht länger als der HinterleibJungtiere bekommen Fruchtfliegen oder kleine Heimchen.
Skorpionenicht länger als die Breite des Vorderkörpers (Prosoma)Wüstenarten alle 2 bis 3 Wochen, Waldarten wöchentlich.
Mantidenhöchstens der AugenabstandJunge Nymphen bekommen Fruchtfliegen.
Geckoshöchstens der Augenabstand, bei Jungtieren etwa 1 cmBei Rübenschwanz-Viperngeckos sind es kleine Heimchen.
GespenstschreckenentfälltSie fressen Laub und keine Futtertiere.

Immer: Nicht gefressene Futtertiere nach spätestens einem Tag wieder herausnehmen, vor einer Häutung besonders.

Gutload und Calcium

Das Futter füttern

Futtertiere sind nur so gut wie das, was sie selbst gefressen haben. Hochwertiges Futter bekommen sie 24 bis 48 Stunden vor dem Verfüttern, Heimchen etwa 12 Stunden. Calcium-Pulver wird unmittelbar vor dem Füttern aufgestäubt.

In Versuchen stieg das Verhältnis von Calcium zu Phosphor bei Heimchen auf über 1:1 nur durch Bestäuben, nicht durch Futter allein. Der Effekt hielt etwa 5,5 Stunden an. Bei Vogelspinnen und anderen Wirbellosen ist das meist nicht nötig, bei Geckos schon.

Kurz

Mehlkäfer und Buffalowürmer

Eine Studie sah 27 °C als günstigste Temperatur für Mehlkäfer, mit der höchsten Eizahl und der kürzesten Larvenzeit. Die Larvenentwicklung dauerte dort rund 143 Tage, deutlich länger als viele Hobbyangaben. Über 31 °C sank die Fruchtbarkeit stark. Zu Buffalowürmern habe ich keine verwertbare Quelle gefunden.

Auch hilfreich

Wie man Schaben, Rosenkäfer und Ofenfischchen hält, steht auf der Seite Futter. Wann Tiere nicht fressen, steht unter Frisst nicht, was nun?

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Wo es keine Studien gibt, stehen Erfahrungswerte aus Praxisseiten und Haltergruppen. Ich habe das im Text jeweils dazugeschrieben. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung.

Stand: 7. Oktober 2026. Dazu: Eier & Nachwuchs. Zurück zur Praxis.