Mario Sickert

Praxis · Nachzucht

Eier, Ootheken &Kokons


Aus Eiern werden Tiere, wenn man sie lässt. Das Schwierigste daran ist das Warten. Hier steht, was verschiedene Gelege brauchen, wie lange sie dauern können und woran man erkennt, dass nichts mehr schlüpft.

Überblick

Was braucht welches Gelege?

Eier brauchen vor allem zwei Dinge: gleichmäßige Bedingungen und Geduld. Die Werte stammen aus Pflegeblättern, Hobbyquellen und einzelnen Studien. Sie unterscheiden sich teils stark, die Spannweite steht deshalb dabei.

TierBedingungenDauerHinweis
GespenstschreckeExtatosoma tiaratumetwa 20 bis 23 °C, leicht feuchter Sand oder feines Vermiculit, mindestens 60 % Luftfeuchtebefruchtete Eier etwa 4 bis 5 Monate, unbefruchtete bis etwa 9 Monate, einzelne Tiere schlüpfen noch Monate späterDie Außenschicht der Eier lockt Ameisen an. Die Nymphen schlüpfen als Ameisenimitation mit orangem Kopf.
Eri-SeidenspinnerSamia riciniZimmertemperatur, gut belüftetLabor bei etwa 24 °C knapp 9 Tage, Hobbyquellen 10 bis 15 TageNässe fördert bakterielle Erkrankungen. Ein Weibchen legt etwa 200 bis 300 Eier.
AchatschneckeLissachatina fulicafeuchter, tiefer Bodenvon Stunden bis wenige Wochen, nach einer Quelle 1 bis 17 TageEin Gelege kann 300 bis 1000 und mehr Eier umfassen.
OrchideenmantisHymenopus coronatus25 bis 30 °C, 70 bis 90 % Luftfeuchteetwa 6 bis 8 WochenKein Nistmaterial vor dem Schlupf, das fördert Schimmel.
MantisSphodromantisZimmertemperaturForum: 4 bis 6 Wochen, Studie an S. gastrica: etwa 10 WochenDie Spanne ist groß, vermutlich wegen Art und Temperatur.

Gespenstschrecken

Monate des Wartens

Die Eier der Gespenstschrecke brauchen Geduld. Ein Pflegeblatt nennt 20 bis 23 °C, leicht feuchten Sand und mindestens 60 Prozent Luftfeuchte. Trockene Fichtennadeln über den Eiern erleichtern den Schlupf. Ein anderes Pflegeblatt empfiehlt feines Vermiculit von 1 bis 2 mm, weil es nicht schimmelt. Bei tropischen Arten rechnet man etwa 45 bis 50 Prozent der maximalen Wasseraufnahme, das Material soll sich fast trocken anfühlen.

Die Box sollte zur Schlupfgröße passen. Zu enge Boxen führen zu Missbildungen wie verbogenen Beinen. Ein Wikipedia-Artikel nennt, die Eier müssten unter 25 °C bleiben, das steht nur dort und ist unsicher. Wer aus unbefruchteten Eiern Nachwuchs bekommt (Parthenogenese), erhält nur Weibchen.

Achatschnecken

Gelege finden und umgehen

Achatschnecken legen große Gelege, nach USDA alle zwei bis drei Monate. Die Schale ist dünn und kalkig, die Jungen bleiben zunächst im Boden und fressen Eischalen. Schlüpflinge können sich durch mindestens 81 cm Erde graben, Ausbruch ist also leicht möglich.

  • Den Boden alle paar Tage auf Gelege prüfen.
  • Unerwünschte Gelege 48 Stunden einfrieren und entsorgen (Praxisangabe zweier Quellen).
  • Hygiene: Achatschnecken können den Rattenlungenwurm tragen. Nach Kontakt Hände waschen und die Tiere niemals aussetzen.

Vogelspinnen

Der Kokon, ein Überblick

Das Weibchen bewacht den Kokon etwa sechs bis acht Wochen, je nach Art mit 50 bis 2000 Eiern. Üblich sind zwei Wege: Der Kokon bleibt bei der Mutter, oder er wird nach etwa 30 Tagen entnommen und künstlich bebrütet. Bleibt er bei der Mutter, schlüpfen die Jungen im Becken, die Lüftungsöffnungen müssen also gesichert sein. Das Weibchen frisst und trinkt in dieser Zeit kaum.

Ein Züchter nannte nur etwa 20 Prozent Erfolg beim Selbstbrüten, das ist anekdotisch. Als Warnzeichen gelten eine gelbe oder braune, nie entwickelte Masse mit säuerlichem Geruch, die Quelle dazu ist schwach. Das Zuchtprojekt mit Brachypelma auratum beschreibe ich im Porträt.

Geduld

Wann ist ein Gelege tot?

Sicher weißt du es erst, wenn die volle Zeit verstrichen ist. Phasmiden brauchen Monate bis über ein Jahr. Typische Zeichen für ein totes Gelege sind stark eingefallene Eier, Fäulnisgeruch oder flächiger Schimmel. Bei Ootheken gilt ein Fäulnisgeruch als eindeutiges Zeichen, ansonsten rät ein Forum, nicht nach zwei Wochen aufzugeben und mindestens zwei bis drei Wochen über die erwartete Zeit zu warten.

  • Etwas Schimmel schadet kaum. Bei starkem Befall befallene Eier entfernen, lüften und weniger sprühen.
  • Dünne Vermiculitschicht oder Springschwänze können den Schimmel bremsen.
  • Ootheken: über feuchtes Küchenpapier hängen, täglich sprühen, ohne die Ootheke zu benetzen (Halterbericht).
  • Eier im Kühlschrank: Beim Eri-Seidenspinner überstanden Eier bis zu fünf Tage bei 5 °C, ab sechs Tagen schlüpfte nichts mehr.

Auch hilfreich

Nach dem Schlupf geht es um Futter: Futterzucht. Fachwörter wie Ootheke, Nymphe oder L1 erklärt die Legende.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Wo es keine Studien gibt, stehen Erfahrungswerte aus Praxisseiten und Haltergruppen. Ich habe das im Text jeweils dazugeschrieben. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung.

Stand: 7. Oktober 2026. Dazu: Häutung verstehen. Zurück zur Praxis.