Mario Sickert

Artenporträt · Tausendfüßer

Desmoxytesplanata


Ein flacher Tausendfüßer mit hochgestellten rosa Seitenflügeln, im Handel als „Pink Dragon“ bekannt. Die Art ist ein Weltenbummler: Als Heimat gelten die Andamanen, durch den Menschen ist sie heute in den Tropen weit verbreitet.

Herkunft
Andamanen, weltweit verschleppt
Ordnung
Bandfüßer (Polydesmida)
Zeichnung eines flachen Tausendfüßers schräg von oben: gebogener, dunkler Körper mit rosafarbenen, hochgestellten Seitenflügeln, rosa Beinen und rosa Fühlern
Illustration, KI-generiert · Desmoxytes planata

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Desmoxytes planata (Pocock, 1895)
Frühere Namen
beschrieben als Pratinus planatus Pocock, 1895; als Synonyme gelten Desmoxytes coniger Chamberlin, 1923 und Euphyodesmus (Ceylonesmus) vector Chamberlin, 1941
Handelsnamen
Pink Dragon Millipede, Pink Dragon; ein fester deutscher Name hat sich nicht eingebürgert
Familie
Paradoxosomatidae · Ordnung Bandfüßer (Polydesmida)
Herkunft
die Andamanen gelten als Ursprung; durch den Menschen weit verschleppt, gemeldet unter anderem aus Thailand, Indonesien, Indien, Sri Lanka, den Seychellen, Fidschi und Französisch-Polynesien
Größe
in Fachpublikationen gemessene Tiere etwa 2,2 cm (Männchen) und 2,3 cm (Weibchen); Halter nennen bis etwa 3 cm. In der ganzen Gattung liegen die Männchen bei 1,6–3,5 cm, die Weibchen bei 2,0–3,8 cm
Färbung
lebend rosa, die Seitenflügel rosa; Jungtiere sind zuerst blass und durchscheinend. In Alkohol verblasst das Pigment, die Tiere werden dunkelbraun mit hellen Seitenflügeln
Lebensweise
gefunden an Steinen, auf Pflanzen und in Sekundärwald, in Botanischen Gärten; in der Natur nachts gesammelt
Lebenserwartung
ein Halter bezeichnet die Art als kurzlebig, belastbare Zahlen fehlen
Verteidigung
Wehrsekret; für diese Art selbst ist die Zusammensetzung nicht untersucht, nahe Verwandte bilden Blausäure
Schutzstatus
nach meiner Prüfung nicht in den CITES-Anhängen, ein nationaler Schutz ist mir nicht bekannt

Erkennen

Flach, mit hochgestellten Seitenflügeln

Wie alle Bandfüßer ist Desmoxytes planata flach statt rund: An jedem Segment stehen seitlich Fortsätze ab, die Paraterga. Bei den Drachentausendfüßern sind sie flügelförmig und deutlich nach oben gerichtet, bei dieser Art rosa. Den Namen „Dragon millipede“ prägten Cook und Loomis 1924 für eine Art mit stark aufgerichteten Seitenflügeln.

Lebende Tiere sind rosa. Jungtiere schlüpfen blass und durchscheinend, das Rosa kommt erst nach und nach, wie ein Halter bei der Aufzucht beobachtet hat. Wie dunkel der Rücken lebender Tiere ist, beschreiben die Quellen nicht genau, die Zeichnung oben ist deshalb eine Interpretation.

Verwechselt wird die Art mit der „Shocking Pink Dragon Millipede“ Desmoxytes purpurosea, die erst 2007 aus Thailand beschrieben wurde und etwa 3 cm erreicht. Beide laufen im Handel als „Pink Dragon“, und manche Angaben aus Beschreibungen im Handel, etwa zur Entdeckung 2007 oder zum Leben in Höhlen, gehören zu purpurosea. Für eine sichere Bestimmung prüfen Fachleute die Gonopoden der Männchen unter dem Mikroskop. Mit Antheromorpha uncinata ist sie kaum zu verwechseln, die wird mit 3 bis 4,5 cm deutlich größer und wirkt kompakter.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

22–27 °C
Temperatur
Halterangaben reichen von 21 bis 29 °C
80–90 %
Luftfeuchte
Substrat erdfeucht, nicht nass
ohne UV
Licht
UV ist bei Tausendfüßern nicht als nötig belegt

Alle Werte stammen aus Halterberichten, nicht aus Studien. Die Art gilt als empfindlich gegen Stauluft: Ein Halter hat eine erste Gruppe durch schlechte Belüftung verloren. Das Becken braucht also Lüftung, ohne dass das Substrat austrocknet.

Einrichtung

Mit Luft nach oben

Becken: Halter ziehen kleine Gruppen in Boxen ab etwa 30 × 20 cm. Die Tiere sind sehr aktiv und klettern gern, ein Halter rät zu etwa 8 cm Abstand zwischen Substrat und Deckel. Der Deckel sollte ausbruchsicher schließen.

Bodengrund: feucht, aber nicht matschig, mit krümeligem Holz. Das ist von anderen Bandfüßern übertragen und für diese Art nicht gesondert untersucht: zersetztes Laubholz, viel weißfaules Holz und Laub, dazu eine dauerhafte Kalkquelle, etwa Sepiaschale.

Ausstattung: Rindenstücke, Moos und ein paar Äste als Deckung und zum Klettern, dazu eine flache Futterplatte, auf der man die Tiere gut sieht.

Ernährung

Pilze, Flechten, Moos und Holz

Halter nennen Pilze, Flechten, Moos und Holz als Futter, Jungtiere nehmen auch Gurke an. Eine Futterplatte hilft, Reste zu sehen und nach ein bis zwei Tagen zu entfernen. In einem Bericht wuchsen gut gefütterte Jungtiere deutlich schneller als knapp gehaltene.

Kalk und gelegentlich etwas Eiweiß gehören wie bei anderen Tausendfüßern dazu, für diese Art ist das nicht gesondert belegt.

Verhalten und Nachwuchs

Aktiv, zart und schnell wachsend

Die Tiere sind sehr beweglich und werden in Gruppen gehalten. Sie sind zart: Halter raten, sie nicht in die Hand zu nehmen, sondern mit einem Köder wie einem Stück Flechte oder einer Futterplatte umzusetzen. Stress soll das Leben verkürzen können.

Ein Halter mit zwei Weibchen und einem Männchen beobachtete die Paarung und fand später Eier. Die Jungtiere waren beim Schlüpfen etwa 1,5 mm groß, nach rund zweieinhalb Monaten 4 bis 6 mm und nach rund dreieinhalb Monaten 1,2 bis 1,5 cm. Eine Häutung dauert drei bis vier Tage, dazu kommt der Bau der Häutungskammer. Seine Temperatur lag bei 21 bis 24 °C.

Gut zu wissen

Ein Weltenbummler mit Blausäure

Von den zehn Arten der Gattung im engeren Sinn ist nur Desmoxytes planata nicht auf das Festland Südostasiens beschränkt. Die jüngste Revision sieht sie als „Tramp“-Art, die der Mensch verschleppt hat, und führt Fidschi, Französisch-Polynesien, Indien, Indonesien, die Seychellen und Sri Lanka auf. Auch ein Fund aus einem Botanischen Garten in China gilt als eingeschleppt. Wer die Art hält, sorgt deshalb dafür, dass keine Tiere entkommen.

Bandfüßer dieser Familie stellen in ihren Wehrdrüsen Blausäure her. Belegt ist das für die nahe Verwandte Desmoxytes purpurosea, deren Sekret nach Bittermandel riecht. Für planata selbst habe ich keine Untersuchung gefunden und behandle sie vorsichtshalber genauso: Tiere nicht ans Gesicht halten und nach dem Umgang die Hände waschen, denn das Sekret kann Haut und Augen reizen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte. Dieses Porträt beruht auf Fachliteratur und auf Berichten anderer Halter, nicht auf eigener Erfahrung mit der Art. Die Angaben können von Tier zu Tier abweichen.

  • Srisonchai, R., Enghoff, H., Likhitrakarn, N. & Panha, S. (2018): A revision of dragon millipedes I: genus Desmoxytes Chamberlin, 1923, with the description of eight new species. ZooKeys 761: 1–177, doi:10.3897/zookeys.761.24214 (Gattung, Bestimmung, Verbreitung als „Tramp“-Art)
  • Liu, W., Golovatch, S. I. & Tian, M. (2014): A review of the dragon millipede genus Desmoxytes Chamberlin, 1923 in China. ZooKeys 448: 9–26, doi:10.3897/zookeys.448.8081 (Verbreitung durch den Menschen)
  • Golovatch, S. I. (2018): On several new or poorly-known Oriental Paradoxosomatidae (Diplopoda: Polydesmida), XXV. Arthropoda Selecta 27(4): 261–277, PDF (Maße, Färbung lebend und in Alkohol, Fundorte)
  • Pocock, R. I. (1895): Erstbeschreibung als Pratinus planatus. Annali del Museo Civico di Storia Naturale 34: 787–834 (zitiert nach Liu et al. 2014)
  • Enghoff, H., Sutcharit, C. & Panha, S. (2007): The shocking pink dragon millipede, Desmoxytes purpurosea, a colourful new species from Thailand. Zootaxa 1563: 31–36, doi:10.11646/zootaxa.1563.1.3 (Vergleichsart, Blausäure)
  • Shear, W. A. (2015): The chemical defenses of millipedes (Diplopoda): biochemistry, physiology and ecology. Biochemical Systematics and Ecology 61: 78–117, doi:10.1016/j.bse.2015.04.033 (Wehrsekret, Blausäure)
  • Wikipedia, Desmoxytes planata mit Verweis auf den Catalogue of Life (Synonyme, Ursprungsgebiet)
  • Halterberichte im Forum Arachnoboards (Luftfeuchte, Belüftung, Futter, Handhabung) und in einem Aufzuchtbericht (Nachwuchs, Wachstum, Temperatur)
  • Furry Critter, UVB for Invertebrates (UVB bei Tausendfüßern nicht als nötig belegt)
  • CITES-Anhänge (Schutzstatus)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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