Artenporträt · Springschwänze
Folsomiacandida
Weiß, blind und nur wenige Millimeter klein: Der Tropische Springschwanz lebt tiefer im Boden als viele Verwandte und vermehrt sich ganz ohne Männchen. In der Forschung ist er einer der bekanntesten Bodenbewohner, in meinen Becken die zweite Wahl nach den rosa Springschwänzen.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Folsomia candida Willem, 1902
- Trivialname
- Tropischer Springschwanz, so heißt er im Hobby
- Einordnung
- Springschwänze (Collembola) · Familie Isotomidae
- Verbreitung
- weltweit im Boden; das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist unklar, weil der Mensch die Art verschleppt hat
- Größe
- schlank, bis etwa 3 mm
- Aussehen
- ohne Farbstoff, also weiß; keine Augenflecken; Fühler mit vier Gliedern
- Fortpflanzung
- die Populationen bestehen nur aus Weibchen und vermehren sich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese)
- Lebenserwartung
- nach Wikipedia etwa 110 bis 240 Tage
- Schutzstatus
- nicht geschützt
Erkennen
Weiß, blind und aus tieferen Schichten
Der Tropische Springschwanz ist schlank, ohne Pigment und hat keine Augenflecken. Statt Augen besitzt er Sinnesorgane hinter den Fühlern, die Postantennalorgane. Die Sprunggabel (Furca) liegt eingeklappt unter dem Hinterleib, wie bei anderen Springschwänzen. Anhand der Borsten an der Gabel lässt sich die Art von nahen Verwandten unterscheiden.
Anders als viele Springschwänze, die an der Oberfläche in der Laubstreu leben, hält sich Folsomia candida eher in tieferen Bodenschichten auf und kommt mit hohen Kohlendioxidwerten im Boden zurecht. Das passt zu ihrer Lebensweise im Boden.
Vergleich
Tropischer und rosa Springschwanz
In den Becken setze ich inzwischen fast nur noch den Großen rosa Springschwanz ein (Sinella curviseta). Nach meiner Erfahrung räumt er Schimmel und Futterreste wirksamer auf. Den Tropischen Springschwanz halte ich weiterhin, er ist aber bei mir die zweite Wahl.
Ein wichtiger Unterschied liegt in der Fortpflanzung: Folsomia candida braucht keine Männchen, Sinella curviseta braucht beide Geschlechter. Dadurch kann sich schon ein einzelnes Weibchen vermehren, und eine Kultur wächst schnell.
Klima
Temperatur, Feuchte, Licht
Für Prüfzwecke wird die Art bei etwa 20 °C gehalten. Eine Haltungsvorschrift der kanadischen Umweltbehörde nennt 20 ± 2 °C und einen Untergrund, der feucht ist, aber kein stehendes Wasser hat. Ein Kulturbericht der Universität Washington nennt etwa 18 °C. Beide Werte liegen im normalen Zimmerbereich. Wie alle Springschwänze trocknen die Tiere schnell aus, deshalb gilt: Der Untergrund darf nie austrocknen.
Haltung
Feucht, mit Hefe als Futter
- Behälter
Flache Kunststoffboxen mit gut schließendem, aber luftdurchlässigem Deckel. Nach den Laborvorschriften sollen sie regelmäßig gelüftet werden, damit sich kein Schimmel breitmacht.
- Untergrund
Im Labor Gips mit Aktivkohle im Verhältnis 8 zu 1, der feucht gehalten wird. Ein Bericht der Universität Washington nutzt Kokosfaser mit einem Papiertuch obenauf. Bei mir liegt in den Zuchtboxen dieselbe Mischung wie in den Becken, dazu Holzkohle und Moos.
- Futter
Hauptsächlich Pilzfäden. Im Labor werden die Tiere mit trockener Bäckerhefe gefüttert, etwa zweimal pro Woche in kleinen Häufchen, alte Reste kommen vorher weg. Zu viel Futter lässt den Untergrund schimmeln.
- Dichte
Das Labor rechnet mit etwa zwei bis drei Tieren pro Quadratzentimeter und setzt die Kultur alle ein bis zwei Monate in frische Behälter um.
- Umsetzen
Ich lege ein Stück Holzkohle samt Springschwänzen ins Becken oder nutze leicht feuchte Blätter, unter denen sie sich sammeln.
Wie ich Springschwänze allgemein im Becken einsetze, steht unter Bodenleben.
Entwicklung
Schnell, mit vielen Häutungen
Die Weibchen legen runde, weiße Eier. Bei etwa 21 °C schlüpfen die Jungtiere nach rund einer Woche. Die Tiere häuten sich ihr Leben lang, nach Wikipedia etwa 45 Mal, und sind nach etwa drei Wochen erwachsen. Ein Weibchen legt im Laufe des Lebens Hunderte Eier.
Gut zu wissen
Ein Testorganismus der Bodenforschung
Folsomia candida wird seit mehr als vierzig Jahren als Testtier benutzt, um zu prüfen, wie Pestizide und andere Schadstoffe auf Bodenlebewesen wirken. Grund dafür sind die einfache Zucht und die schnelle Vermehrung. Auch Sinella curviseta gilt als Modellorganismus der Bodenökologie.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Angaben zur Art stammen aus der Fachliteratur und aus Laborvorschriften, die zur Haltung im Becken aus eigener Praxis. Die Werte sind Richtwerte.
- Wikipedia, Eintrag Folsomia candida (Merkmale, Verbreitung, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensdauer, Testorganismus)
- Environment and Climate Change Canada, Biological test method for measuring survival of springtails exposed to contaminants in soil, Kapitel 2 (Kultur, Substrat, Temperatur, Futter, Dichte)
- Collembola.org, Kulturbericht der Universität Washington (Kokosfaser, Hefe, Temperatur)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere und Pflanzen aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt oder du Erfahrungen hast, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.