Mario Sickert

Artenporträt · Schaben

Lucihormeticaverrucosa


Dunkel, gedrungen und mit zwei großen Flecken auf dem Halsschild der Männchen: Die Warzen-Leuchtschabe wird im Hobby leicht mit Lucihormetica subcincta verwechselt. Bei mir leben Tiere, die ich als L. subcincta gekauft habe und als cf. verrucosa führe, weil die Bestimmung noch offen ist.

Im Bestand
als cf., Bestimmung offen
Herkunft der Art
Kolumbien, Venezuela
Zeichnung einer Warzen-Leuchtschabe von oben: dunkler Körper mit hellem Rand, zwei orangegelbe Flecken auf dem schwarzen Halsschild, zwei große orangefarbene Flecken auf den Flügeln und ein Hinterleib mit warzigen Punkten
Illustration, KI-generiert · Lucihormetica verrucosa

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Lucihormetica verrucosa (Brunner von Wattenwyl, 1865)
Bedeutung
verrucosa heißt auf Lateinisch „warzig“
Trivialnamen
Warzen-Leuchtschabe, auch Warzige Fauchschabe; Leuchtschabe (wie L. subcincta); englisch Warty Glowspot Cockroach
Einordnung
Schaben (Blattodea) · Familie Blaberidae · Unterfamilie Blaberinae · Gattung Lucihormetica Zompro & Fritzsche, 1999
Herkunft
Kolumbien und Venezuela
Größe
etwa 4 bis 5 cm, Männchen etwas kleiner als Weibchen
Geschlechter
Männchen mit einem Paar großer, meist gelber Flecken auf dem Halsschild, Weibchen ohne. Beide Geschlechter haben kurze Flügel und fliegen kaum
Fortpflanzung
ovovivipar: Die Weibchen bringen lebende Nymphen zur Welt
Aktivität
überwiegend nachtaktiv
Lebenserwartung
Händlerangabe: Männchen etwa 2 bis 3 Monate, Weibchen etwa 2 bis 3 Jahre, bei kühleren Temperaturen länger
Schutzstatus
nicht geprüft, in den genutzten Quellen steht dazu nichts

Verwechslungsgefahr

Und wo ist der Unterschied zu Lucihormetica subcincta?

Im Hobby werden Lucihormetica verrucosa und Lucihormetica subcincta häufig verwechselt oder unter falschem Namen gehandelt. Meine Tiere wurden als L. subcincta gekauft. Nach meinen eigenen Fotos passt die Zeichnung (cremefarbener Rand, orange-gelbe Flecken auf dem Halsschild, dunkle Flügeldecken mit orangebrauner Zeichnung) zu beiden Arten und hilft bei der Unterscheidung nicht weiter.

Auffällig ist bei meinen Tieren das grob genarbte, unebene Halsschild. Das spricht für mich eher für L. verrucosa, was zum Artnamen „warzig“ und zum englischen Namen passt. Das ist meine Einschätzung und kein gesichertes Bestimmungsmerkmal. Eine sichere Bestimmung per Foto ist nicht möglich, und wo die Gründertiere herstammen, ist mir nicht bekannt. Deshalb führe ich meine Tiere als Lucihormetica cf. verrucosa. Das „cf.“ heißt: vergleichbar mit, Bestimmung noch nicht bestätigt.

Wie die Art L. subcincta beschrieben wird, steht im eigenen Porträt.

Erkennen

Warzige Flecken, nur beim Männchen

Die Tiere sind überwiegend schwarz oder dunkelbraun, die Rückenplatten haben einen weißen Rand. Männchen tragen auf dem Halsschild (Pronotum) ein Paar großer, meist gelber Flecken, die mit einer dünnen, durchscheinenden Kutikula überzogen sind. Auf dieser sitzen kleine Höcker, die jeweils einen Mechanorezeptor tragen. Die Weibchen haben diese Flecken nicht. Die Nymphen sind dunkel und glänzend mit orangen Köpfen und bei der Geburt nur 2 bis 3 mm lang.

Klima

Warm und mäßig feucht

Die Werte sind Händlerangaben zu L. verrucosa.

18–29 °C
Temperatur
aktiv in der Nacht und am frühen Morgen
50–70 %
Luftfeuchte
etwa ein Drittel des Behälters feucht halten, durch Sprühen oder Moos
dunkel
Licht
tagsüber versteckt, kein besonderes Licht nötig

Einrichtung

Zum Eingraben und Verstecken

Substrat: mindestens 5 cm tief, damit sich auch die Nymphen eingraben können. Der Händler nennt ungedüngten Torf mit zerkleinertem, morschem Laub, etwas Kokos und wenig Sand. Wie ich meine Tiere halte, steht beim Porträt von L. subcincta und im Kapitel Bodenleben.

Verstecke: Eierkartons, Korkrinde oder harte Rinde.

Ausbruchsschutz: Die Tiere können klettern, aber nicht fliegen. Das Becken muss ausbruchsicher sein.

Ernährung

Allesfresser

Genannt werden Obst, Grünzeug und Gemüse, Fischflocken, Hunde- oder Katzentrockenfutter, zerfallendes Laub, weißfaules Holz und Insektengelee. In Menschenhand werden auch Möhren gefüttert.

Fortpflanzung

Lebende Nymphen

Ein Weibchen bringt etwa 20 Nymphen zur Welt. Laut Händler sind sie nach 3 bis 6 Monaten erwachsen. Hobbyberichte zu L. subcincta nennen dafür etwa ein Jahr, die Angaben schwanken also.

Bei der Balz stimuliert das Männchen das Weibchen mit Antennen und Tastern, verfolgt es, schiebt und besteigt es. Das Weibchen kann annehmen oder abweisen. Die Paarung dauert etwa eine Stunde. Anders als bei manchen anderen Schaben sind die Weibchen nicht direkt nach der Häutung paarungsbereit, sondern erst etwa zwanzig Tage danach, wenn die Kutikula ausgehärtet ist.

Gut zu wissen

Der Mythos vom Leuchten

Die Flecken der Männchen galten lange als Leuchtorgane. Untersuchungen fanden dafür keine Belege für Eigenleuchten (Biolumineszenz). Unter UV-Licht fluoreszieren die Flecken, wie die Außenskelette vieler Gliederfüßer. Ihre Farbe hängt laut englischer Wikipedia vom Futter ab: Mit Möhren gefüttert können die Flecken orange bis rot werden, weil sich Carotinoide in einem Fettkörperpolster darunter anreichern. Die Händlerseite berichtet dagegen, dass Versuche, in Gefangenschaft ein Leuchten durch Futter zu erreichen, gescheitert sind. Die Angaben sind also nicht einheitlich. Welche Aufgabe die Flecken haben, ist nicht geklärt, vorgeschlagen wurden Aggression unter Männchen, die Partnerwahl der Weibchen oder eine Warnfunktion.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Die Werte sind Richtwerte und können von Tier zu Tier abweichen. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen. Zur Haltung gibt es wenig Belastbares, deshalb stammen die Klima- und Haltungsangaben aus einer Händlerseite.

  • Wikipedia (englisch), Lucihormetica verrucosa (Verbreitung, Größe, Geschlechter, Flecken, Balz und Paarung, Fluoreszenz) und Lucihormetica (Gattung, Unterfamilie, Biolumineszenz und Fluoreszenz)
  • Exuvium Isopods, Lucihormetica verrucosa (Händlerangaben zu Größe, Klima, Substrat, Futter, Nachwuchs, Lebenserwartung)
  • Greven & Zwanzig (2013), Balz, Paarung und Aufbau des Halsschilds, und Beckert, Greven & Lunau (2017), UV-Reflexion und Fluoreszenz der Flecken, beide in Entomologie heute, nach den Angaben der englischen Wikipedia

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.

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