Mario Sickert

Artenporträt · Geißelspinnen

Phrynichusorientalis


Keine Spinne und kein Skorpion, sondern etwas ganz Eigenes: Geißelspinnen tasten mit zwei peitschendünnen Fühlerbeinen durch die Dunkelheit und packen ihre Beute mit bedornten Fangarmen. Bei mir lebt Sombra, die Geißelspinnen-Dame im Bestand.

Im Bestand
Sombra (0.1)
Zeichnung einer rotbraunen Geißelspinne auf einem Stück Borke mit Moos, mit zwei langen dünnen Fühlerbeinen und bedornten Fangarmen
Illustration, KI-generiert · Phrynichus orientalis

Kurzdaten

Steckbrief

Name
Phrynichus orientalis Weygoldt, 1998
Trivialname
Geißelspinne; englisch whip spider
Einordnung
Geißelspinnen (Amblypygi) · Familie Phrynichidae
Herkunft
Südostasien: laut World Amblypygi Catalog Thailand, Kambodscha und Vietnam, dazu Malaysia. Eine Quelle nennt Malaysia nicht, die Angabe ist also nicht ganz einheitlich. Der Fundort der Erstbeschreibung wird nur grob mit „Siam“ (Thailand) angegeben
Geschlechter
Weibchen haben längere Fühlerbeine als Männchen, Männchen längere Fangarme. Bei Geißelspinnen ist das ungewöhnlich, denn meist haben die Männchen die längeren Fühlerbeine
Größe
keine verlässliche Angabe gefunden
Lebenserwartung
keine verlässliche Angabe gefunden
Gift
keins: Geißelspinnen besitzen keine Giftdrüsen und keine Spinndrüsen
Schutzstatus
bei meiner Recherche kein Eintrag gefunden

Erkennen

Acht Beine, aber nur sechs zum Laufen

Der Körper ist flach und rotbraun. Das erste Beinpaar ist zu den Fühlerbeinen umgebaut: Sie sind lang und dünn, werden ständig bewegt und sind Tastorgane und Nase zugleich. Gelaufen wird auf den übrigen drei Beinpaaren, meist seitwärts und mit Blick nach vorn.

Vor dem Kopf sitzen die Fangarme (Pedipalpen), mit denen Beute gegriffen und festgehalten wird. Wer sie zum ersten Mal sieht, denkt an Scheren, es sind aber bedornte Greifwerkzeuge. Geißelspinnen gehören weder zu den echten Spinnen noch zu den Skorpionen, sie bilden eine eigene Ordnung der Spinnentiere.

Klima

Temperatur, Feuchte, Licht

warm
Temperatur
Südostasien, tropisch, genaue Werte zur Art nicht belegt
hoch
Luftfeuchte
feuchtes Substrat, Zahl nicht belegt
dunkel
Licht
Geißelspinnen sind nachtaktiv

Zur Haltung von Phrynichus orientalis habe ich keine Fachliteratur gefunden, nur Berichte einzelner Halter in Foren. Sie betonen, dass Geißelspinnen allgemein hohe Luftfeuchte und ein feuchtes Substrat brauchen. Genaue Werte für die Art nennen sie nicht. Deshalb stehen hier bewusst keine Zahlen.

Einrichtung

Höhe, Kork und feuchter Boden

Becken: Geißelspinnen klettern und häuten sich kopfüber hängend. Deshalb ist ein Becken sinnvoll, das höher ist, als es breit ist, mit viel freiem Raum unter der Decke. Die langen Fühlerbeine dürfen nirgends eingeklemmt werden.

Boden: feucht gehalten, aber ohne Staunässe. Halter berichten von gut durchfeuchteten Böden.

Klettern und Verstecken: Korkrinde, die an der Rückwand oder an den Seiten befestigt ist, bietet Halt und Versteck zugleich. Ein Halter ersetzt Kork durch Styropor. Dazu gehören eine Wasserschale und gute Belüftung.

Ernährung

Lebende Insekten

Geißelspinnen jagen lebende Beute. Die Fühlerbeine suchen die Umgebung ab, die Fangarme packen zu. Üblich sind Insekten wie Heimchen oder Schaben, etwa Schokoschaben. Berichtet wird, dass frisch erworbene Tiere gleich gut fraßen. Fressbare Tiere sollten kleiner sein als die Geißelspinne selbst. Was nicht gefressen wird, kommt wieder heraus.

Verhalten

Zusammen oder allein?

Geißelspinnen sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber, Halter berichten von Tieren, die hinter Kork sitzen und nur mit einem Fühlerbein die Umgebung nach Beute absuchen.

Das Paarungsverhalten der Art ist wissenschaftlich beschrieben: Weygoldt hat 2009 Balz und Paarung von Phrynichus orientalis untersucht. Zur Haltung von Paaren gibt es nur Halterberichte: Ein Forenbeitrag nennt, dass geschlechtsreife Tiere dauerhaft zusammen leben können, derselbe Beitrag warnt aber vor Kannibalismus und Stress, besonders in kleinen Becken. Solche Einzelberichte sehe ich nicht als gesichert an. Für Sombra suche ich ein Männchen, siehe Abgabe & Gesuche. Eine Verpaarung würde ich nur beaufsichtigt und in einem großen Becken versuchen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Zur Art gibt es wenig, deshalb ist diese Seite kürzer als andere und kennzeichnet allgemeine Angaben ausdrücklich. Die Werte sind Richtwerte.

  • Weygoldt, P. (1998): Erstbeschreibung von Phrynichus orientalis
  • Weygoldt, P. (2009): Courtship and mating in the whip spider Phrynichus orientalis, Zoologischer Anzeiger 248(3): 177–181
  • McArthur, I. W. et al. (2018): Global patterns of sexual dimorphism in Amblypygi, Zoologischer Anzeiger 273: 56–64
  • World Amblypygi Catalog, Eintrag Phrynichus orientalis (Verbreitung, Fundort)
  • Haltererfahrungen aus dem Forum Arachnoboards (Einzelberichte, nicht überprüft)

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt oder du Erfahrungen mit der Art hast, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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