Mario Sickert

Praxis · Schnelle Hilfe

ErsteHilfe


Brennhaare im Auge, ein Biss beim Umsetzen, ein Stich: Das passiert selten, aber es passiert. Hier steht, was die Quellen zur ersten Hilfe sagen, wann man nicht zögern sollte und wen man anruft.

Zuerst das Wichtigste

Diese Seite ist keine ärztliche Beratung. Bei Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Rachen, Kreislaufproblemen oder Bewusstlosigkeit sofort 112 rufen. Bei Unsicherheit nach einem Biss, Stich oder Augenkontakt lieber einmal zu viel ärztlichen Rat holen. Halte den wissenschaftlichen Namen des Tieres bereit, er steht in deiner Tierakte oder im Bestand.

Brennhaare

Wenn die Haare fliegen

Neuwelt-Vogelspinnen tragen Brennhaare auf dem Hinterleib und streifen sie bei Bedrohung mit den Hinterbeinen ab. Die Haare wirken über Haut, Augen, Schleimhäute und Atemwege. Wiederholter Kontakt kann allergisch machen. Arten aus Afrika und Asien besitzen keine Brennhaare, mehr in der Legende.

Haut
Juckreiz, Rötung, Schwellung, teils über Wochen. Eine US-Giftzentrale nennt als Maßnahme, die Haare mit Klebeband abzuziehen und danach ein kortisonhaltiges Mittel aufzutragen. Hausmittel wie Vaseline oder Kokosöl werden in Foren genannt, belegt ist ihre Wirkung nicht. Ob Waschen mit Wasser und Seife hilft oder die Haare verteilt, ist nicht geklärt.
Augen
Typisch sind ein schmerzhaft rotes Auge, Fremdkörpergefühl und Sehveränderungen. Nicht reiben, sonst dringen die Haare tiefer ein. Sicherheitshalber sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt, auch wenn zunächst wenig zu sehen ist, denn eingedrungene Haare zeigt nur die Spaltlampe. Fallberichte beschreiben Haare, die über Wochen tiefer wanderten, und Spätfolgen wie Granulome, Linsentrübung und Glaukom. Kontrollen sind nötig.
Atemwege
Eingeatmete Haare reizen stark zum Husten. Bei sensibilisierten Personen sind Nesselsucht, Schwellungen, Bronchospasmus und Blutdruckabfall beschrieben. Bei Atemnot oder Schwellung im Gesicht oder Rachen ist es ein Notfall, dann 112.
Vorbeugen
Hände nach jedem Kontakt waschen und nicht ins Gesicht fassen. Die Autoren der Fallberichte empfehlen Schutzbrille und Handschuhe bei Arbeiten im Becken, das ist ihre Empfehlung und keine Norm.

Biss und Stich

Vogelspinne, Skorpion, Hundertfüßer

Neuwelt-Vogelspinnen
Der Biss ist meist schmerzhaft, aber harmlos, vergleichbar mit einem Bienenstich.
Altwelt-Vogelspinnen
Für asiatische Gattungen wie Poecilotheria und für afrikanische Arten sind selten mehrtägige Muskelkrämpfe und Benommenheit beschrieben. Eine Studie zu 24 Bissen der asiatischen Gattung Chilobrachys fand starke Schmerzen, oft Blasen und in über der Hälfte der Fälle Gewebetod. Sie bezieht sich nur auf Asien und lässt sich nicht auf alle Altweltarten übertragen.
Erste Maßnahmen
Wunde reinigen, kühlen, Tetanusschutz prüfen. Die häufigste Komplikation ist eine Wundinfektion. Bei Altweltarten, Krämpfen, Atemnot, Herzklopfen, Erbrechen, Blasen oder absterbendem Gewebe ärztliche Hilfe holen. Mein Rat aus den Quellen abgeleitet: Nach dem Biss einer Altweltart gleich den Giftnotruf anrufen.
Skorpione
Die meisten Stiche verursachen Schmerz, Schwellung und Wärme. Kühlen mit eingewickeltem Eis hilft. Warnzeichen sind ungewöhnliche Augenbewegungen, Speichelfluss, Schwitzen, Krämpfe, Bluthochdruck oder Atemnot, vor allem bei Kindern. Die Quelle bezieht sich auf nordamerikanische Arten. Für stark giftige Terrarienarten habe ich keine Quelle ausgewertet. Dort gilt: sofort Giftnotruf und ärztliche Hilfe.
Hundertfüßer
Der Biss verursacht sofort starken, brennenden Schmerz für 30 Minuten bis drei Tage, dazu Rötung und Schwellung. Lebensgefährlich ist er selten. Genannt werden Spülen, Kühlen, Schmerzmittel und die Prüfung des Tetanusschutzes. Ob Wärme hilft, ist umstritten.

Tetanus: Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischung alle zehn Jahre. Nach Verletzungen gilt laut einer Zusammenfassung bei sauberer, kleiner Wunde eine Impfung, wenn die letzte Dosis zehn Jahre oder länger zurückliegt, bei verschmutzten Wunden ab fünf Jahren. Die Originaltabelle des Robert Koch-Instituts konnte ich nicht auslesen, schau deshalb in deinen Impfpass und frag bei Zweifeln in der Praxis.

Giftnotruf

Wen man anruft

Welche Giftinformationszentrale zuständig ist, hängt vom Bundesland ab. Sie beraten rund um die Uhr. Ich habe die Nummern an den Seiten der Zentralen und in der Liste des Bundesinstituts für Risikobewertung geprüft (Stand Juli 2026). Welche Zentrale für dein Bundesland zuständig ist, steht dort ebenfalls.

ZentraleTelefon
Göttingen, Nord (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein)0551 19240
Berlin030 19240
Bonn0228 19240
Erfurt0361 730730
Freiburg0761 19240
Mainz06131 19240
München089 19240

Der Giftnotruf eignet sich, wenn die betroffene Person ansprechbar und stabil ist. Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Verletzung oder akuter Gefahr gilt die 112. Ob die Zentralen gerade zu Terrarientieren viel Erfahrung haben, ist nicht belegt, rufen kann man trotzdem. Nenne den wissenschaftlichen Namen und sage, ob es ein Neuwelt- oder Altwelttier ist.

Nummer im Handy speichern: Lege den Kontakt an, bevor etwas passiert. Und wer allein mit gefährlichen Tieren lebt, sollte die Notfallkarte ausfüllen.

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Was bei Milben, Schimmel oder entlaufenen Tieren hilft, steht im Problemlöser. Wie man Häutung und Notfall unterscheidet, steht unter Häutung verstehen.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Wo es keine Studien gibt, stehen Erfahrungswerte aus Praxisseiten und Haltergruppen. Ich habe das im Text jeweils dazugeschrieben. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung.

Stand: 7. Oktober 2026. Dazu passend: Neuzugang & Quarantäne und Unterwegs. Zurück zur Praxis.