Mario Sickert

Praxis · Unterwegs

Transport, Umzug &Urlaub


Tiere reisen nicht gern, aber manchmal müssen sie: im Paket, im Auto, beim Umzug oder während du im Urlaub bist. Hier steht, was die Quellen sagen, wo es keine belastbaren Zahlen gibt und wie man sich selbst helfen kann.

Verschicken

Was Paketdienste erlauben

Ob ein Tier mit der Post reisen darf, hängt vom Anbieter ab, und die Regeln ändern sich. Die Paket-AGB von DHL (Stand April 2022, vielleicht nicht mehr aktuell) schließen lebende Tiere aus. Ausnahmen gelten für wirbellose Tiere, genannt werden Bienenköniginnen und Futterinsekten, wenn der Absender einen gefahrlosen, tiergerechten Transport ohne Sonderbehandlung sicherstellt. DHL Express schließt lebende und tote Tiere dagegen aus.

Für andere Dienste fand ich nur pauschale Aussagen. Lies deshalb vor jedem Versand die aktuellen Bedingungen des Dienstes. Als rechtlicher Rahmen werden die Tierschutztransportverordnung, die EU-Verordnung 1/2005 und die IATA-Regeln genannt, laut einer Anwaltsseite ist der Versand zulässig, wenn die Tiere nicht verletzt werden. Das ist eine Sekundärquelle.

Bei geschützten Arten: Den Herkunftsnachweis in Kopie beilegen. Mehr dazu unter Artenschutz.

Temperatur

Wie warm, wie kalt?

Belastbare Grenzwerte für Deutschland habe ich nicht gefunden. Es gibt Leitlinien von US-amerikanischen Händlern und Magazinen, die ich hier in Celsius umgerechnet zeige. Das sind Praxisregeln, keine Studien, und die Werte für Reptilien und Wirbellose weichen leicht voneinander ab.

TiergruppeNicht versendenHeatpack nötigOhne ZusatzKühlpack
Reptilienunter etwa 4 °C oder über etwa 35 °Cetwa 4 bis 21 °Cetwa 21 bis 29 °Cetwa 29 bis 35 °C
Wirbelloseunter etwa 3 °C oder über etwa 38 °Cetwa 3 bis 18 °Cetwa 19 bis 33 °Ckeine Angabe

Dazu kommt die Dämmung: Ein Händler empfiehlt mindestens etwa 2 cm Schaumstoff als Isolierung und ein Heatpack in mehreren Lagen Papier. In einem Spinnenforum berichten Halter, dass sie Vogelspinnen ab etwa 10 bis 21 °C ohne Heatpack verschicken, tropische Arten seien kälteempfindlicher. Das ist Risikobereitschaft, keine Regel.

Vorsicht mit Heatpacks: In einer gedämmten Box können sie sehr heiß werden. Ein Forum nennt Werte über 46 °C, ein Hersteller gibt im Mittel 46 bis 52 °C und höchstens 65 °C an. Nie direkt ans Tier, immer in Papier wickeln und mit Abstand platzieren.

Verpackung

Dose, Papier, Ruhe

Praxisseiten und Händler packen ähnlich: eine feste Dose mit einigen Luftlöchern, darin feuchtes Küchenpapier oder etwas Substrat als Halt, bei Bedarf ein Stück Schwamm als Feuchtigkeitsspeicher. Die Dose kommt in eine Box mit Dämmung, Zeitungspapier füllt Lücken, damit nichts rutscht. Ein niederländischer Asselhändler beschreibt für den Winter eine Salatschale mit wenigen Löchern, Gartenvlies, Zeitungspapier, Styroporbox und ein 72-Stunden-Heatpack. Das ist ein Händlerbeispiel, keine Norm.

Je kürzer die Reise, desto besser. Plane Versand nur zu Zeiten, in denen das Paket nicht übers Wochenende in einem Depot liegt.

Im Auto

Nie im geparkten Wagen

Ein Auto in der Sonne heizt sich viel stärker auf als die Luft draußen. Genaue Werte sind in den Quellen unsicher. Ein Zeitungsartikel nennt rund 46 °C innen bei 20 °C außen nach einer Stunde, die Herkunft der Zahl bleibt unklar. Bei einem Testversand im August 2019 wurden in einem Päckchen bis zu etwa 60 °C gemessen, das war eine Einzelmessung.

Die folgenden Punkte sind Vorschläge aus der Praxis, keine geprüften Regeln.

  • Tiere nie im geparkten Auto lassen, weder im Sommer noch an kalten Tagen.
  • Die Box im Wageninneren transportieren, nicht im Kofferraum, und ein Min-Max-Thermometer dazulegen. Dann siehst du hinterher, wie warm oder kalt es wirklich war.
  • Im Winter vor der Fahrt vorwärmen, aber nicht überhitzen.

Umzug

Wenn das ganze Zimmer umzieht

Konkrete Quellen zu Vogelspinnen, Asseln oder Schnecken beim Umzug habe ich nicht gefunden. Eine Schweizer Umzugsseite empfiehlt für Reptilien: Transportbox mit etwas Substrat oder feuchtem Küchenpapier, Wärme mit Wärmflasche oder Heatpack, zwei bis drei Tage vor dem Umzug nicht mehr füttern, Tiere persönlich transportieren und den Beckeninhalt in Kisten oder Beutel packen. Das ist Ratgeber-Niveau. Der folgende Ablauf ist deshalb mein Vorschlag aus gesundem Menschenverstand, kein belegter Standard.

  • Zuerst das neue Becken aufbauen und die Technik probelaufen lassen, bevor ein Tier einzieht.
  • Die Tiere zuletzt einpacken und als Erstes wieder ins Becken setzen.
  • Tiere in sicheren Dosen persönlich transportieren, nicht mit dem Möbelwagen.
  • Bodengrund und Einrichtung in Kisten oder Beuteln verpacken, möglichst feucht halten und mit Etikett versehen.
  • Herkunftsnachweise mitführen, bei geschützten Arten gehört das dazu.
  • Danach Ruhe: Umzug bedeutet Stress, viele Tiere fasten eine Weile (siehe Frisst nicht, was nun?).
  • Notfallkarte aktualisieren, wenn sich Adresse oder Kontakte ändern: Notfallkarte.

Urlaub

Wenn du weg bist

Eine tierärztlich geprüfte Seite sagt: Vogelspinnen kommen mit ausreichend Wasser etwa eine Woche allein zurecht, Futter kann Wochen bis Monate fehlen. Lebendfutter sollte nicht im Becken bleiben, wegen des Häutungsrisikos. Bei längerer Abwesenheit oder bei Jungtieren sollte jemand nach dem Rechten sehen. Eine weitere Seite rät, in den zwei Wochen vor der Abreise nichts mehr umzubauen, das ist Erfahrungswissen.

Bei Reptilien nennen Ratgeber eine Zeitschaltuhr für die Beleuchtung, Ersatzlampen, eine schriftliche Anleitung und die Telefonnummer einer exotenkundigen Tierarztpraxis für die Vertretung.

Auch hilfreich

Wie ein Neuzugang ankommt und wie Quarantäne funktioniert, steht unter Neuzugang und Quarantäne. Bei Strom- oder Heizungsausfall hilft der Problemlöser.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Wo es keine Studien gibt, stehen Erfahrungswerte aus Praxisseiten und Haltergruppen. Ich habe das im Text jeweils dazugeschrieben. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung.

Stand: 7. Oktober 2026. Auch wichtig: Erste Hilfe und Neuzugang & Quarantäne. Zurück zur Praxis.