Mario Sickert

Praxis · Ankommen

Neuzugang &Quarantäne


Ein neues Tier ist aufregend, und genau deshalb passieren in den ersten Wochen die meisten Fehler. Hier steht, worauf man beim Auspacken achtet, wie Quarantäne im Alltag funktioniert und warum es für ihre Dauer keine feste Zahl gibt.

Ankunft

Das Paket ist da

Ein neues Tier ist aufregend, und genau dann passieren die meisten Fehler. Öffne das Paket in Ruhe, in einem Raum mit geschlossener Tür, damit nichts entwischen kann. Den Herkunftsnachweis legst du gleich zu den Unterlagen, bei geschützten Arten gehört er dazu (mehr unter Artenschutz, passend dazu die Tierakte zum Ausdrucken).

  • Behälter ruhig halten und vor dem Öffnen nicht schütteln oder kippen.
  • Fotografiere Behälter und Tier, bevor du etwas veränderst. Falls etwas nicht stimmt, hast du einen Beleg.
  • Art, Datum und Herkunft notieren. Später weißt du dann, seit wann das Tier bei dir lebt.
  • Nichts mit bloßen Händen anfassen. Ein Becher, ein Löffel oder eine lange Pinzette reichen. Neuwelt-Vogelspinnen tragen Brennhaare.

Prüfen

Gesund oder nicht? Ein Blick sagt viel

Schau dir Tier und Behälter in Ruhe an. Diese Anzeichen nennen die Quellen:

  • Vogelspinnen: Gerade Beine und ein symmetrischer Hinterleib sprechen für ein gesundes Tier (Zooplus Magazin, nach eigener Angabe tierärztlich geprüft).
  • Wirbellose allgemein: Milben am Tier und im Behälter, vor allem am Rand und bei der Wasserschale. Dazu Fressverhalten, Kot und Schimmel. Das ist Erfahrungswissen einer Praxisseite, keine Studie.
  • Reptilien: Milben sitzen gern an dünnhäutigen Stellen wie Kloake und Augenregion. Hinweise sind Reiben an Flächen, Unruhe und Häutungsprobleme (Tierspital Zürich).

Wenn etwas nicht stimmt: Foto machen, den Verkäufer zeitnah informieren und Rat bei erfahrenen Haltern oder einer exotenkundigen Tierarztpraxis holen. Das Tier nicht hektisch umsetzen.

Quarantäne

Wie lange eigentlich?

Eine feste Zahl gibt es nicht, und das ist keine Ausrede, sondern der Stand der Dinge: Für Vogelspinnen, Asseln oder Schnecken gibt es keine belastbare Studie. Selbst innerhalb einer Praxisseite unterscheiden sich die Angaben. Die folgende Tabelle zeigt die Spannweite, damit du sie selbst einordnen kannst.

TiergruppeAngaben in den QuellenOrientierung
WirbelloseSpinnen, Skorpione, Insekten, AsselnPraxisseiten nennen 30 Tage als Minimum, 2 bis 4 Wochen oder mindestens 4 bis 6 Wochen. In einem Forum reichen die Angaben von 1 Woche bei vertrauenswürdiger Herkunft bis zu einem Monat.2 bis 4 Wochen als Spannweite, bei unsicherer Herkunft eher länger. Erfahrungswert, keine Studie.
Reptilienzum Beispiel GeckosDas Tierspital Zürich empfiehlt mindestens 4 Wochen, mit Kotproben an etwa drei aufeinanderfolgenden Tagen. Eine australische Tierarztpraxis hält 90 Tage bei Milben für ausreichend, bei Viren dauere es erheblich länger. Eine Hobbyseite nennt 3 bis 6 Monate.Hier widersprechen sich die Quellen deutlich. Eine tierärztlich untersuchte Kotprobe ist mehr wert als jede Zahl.
Schnecken, Tausendfüßer, Phasmiden, SchabenDazu habe ich keine belastbare Angabe gefunden.Sinngemäß wie bei den übrigen Wirbellosen. Das ist eine Annahme, keine belegte Regel.

Wichtig ist nicht nur die Dauer, sondern was in dieser Zeit passiert: Du beobachtest. Frisst das Tier, häutet es normal, sind Milben oder Schimmel zu sehen?

Im Alltag

So läuft Quarantäne praktisch

  • Eigener Raum, sonst wenigstens ein deutlich abgegrenzter Bereich.
  • Eigene Werkzeuge und eigene Wasserschalen. Pinzette und Löffel wandern nicht zwischen Quarantäne und Sammlung.
  • Hände waschen vor und nach der Arbeit mit einem Behälter.
  • Die Quarantäne wird zuletzt versorgt, die Hauptsammlung zuerst. Alle ausgewerteten Quellen sind sich darin einig.
  • Übrig gebliebenes Lebendfutter nicht weiterverwenden und nicht zurück in die Futterzucht setzen.
  • Reptilien: Papiertücher als Bodengrund, so sieht man Kot und Milben besser. Dazu Einmalhandschuhe und regelmäßiges Desinfizieren.
  • Tagebuch führen: Fressen, Häutung, Auffälligkeiten mit Datum notieren. Das hilft auch einer Tierarztpraxis.

Einsetzen

Wasser, Ruhe, erstes Futter

Zuerst bekommt das Tier Wasser und ein Versteck, dann seine Ruhe. Halte die Bedingungen stabil und räume nicht ständig um. Manche Arten brauchen einige Tage, bevor sie Futter annehmen.

Wann das erste Futter kommt, handhaben Halter sehr unterschiedlich. In einem Spinnenforum reichen die Berichte von „am Ankunftstag gefressen“ bis „ein bis zwei Tage abwarten“. Altweltarten fressen dort oft schneller als Neuweltarten, das ist Einzelerfahrung. Das Futter sollte nicht größer sein als etwa ein Drittel der Spinne, mehr dazu in der Tabelle zur Futtergröße.

Frisst es nicht? Nach dem Umzug fasten viele Tiere eine Weile. Wann das normal ist und wann man genauer hinsehen sollte, steht unter Frisst nicht, was nun?

Pflanzen

Pflanzen und Bodengrund aus dem Handel

Bei Pflanzen gibt es zwei Probleme: Schädlinge wie Trauermücken oder Spinnmilben und Pflanzenschutzmittel. Gegen Schädlinge hilft die Quarantäne. Eine Reptilienseite nennt dafür 4 bis 6 Wochen, dazu Abspülen mit lauwarmem Wasser und frische Erde.

Pflanzenschutzmittel sind das größere Rätsel. Systemische Mittel wie Neonikotinoide stecken in der Pflanze selbst und lassen sich durch Waschen oder Tauchen nicht entfernen, so eine Praxisseite für Vivarien. Wie lange sie wirken, konnte ich nirgends belastbar finden. Die genannte Spanne reicht bis zu mehreren Monaten Kultur in frischer Erde, eine Zahl ist das nicht. Am sichersten ist unbehandelte oder biologisch gezogene Ware. Frag danach.

Mehr zu meinem Umgang mit Pflanzen steht unter Pflanzen eine zweite Chance geben.

Weiterlesen

Was bei Milben, Schimmel und Fliegen hilft, steht im Problemlöser.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Wo es keine Studien gibt, stehen Erfahrungswerte aus Praxisseiten und Haltergruppen. Ich habe das im Text jeweils dazugeschrieben. Alles ist in eigenen Worten wiedergegeben und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung.

Stand: 7. Oktober 2026. Weiter mit Eier & Nachwuchs. Zurück zur Praxis.