Artenporträt · Vogelspinnen
Birupessimoroxigorum
Leuchtend blaue Beine, ein sandbrauner Vorderkörper und ein dunkler Hinterleib: Die Vogelspinne aus Sarawak auf Borneo wurde erst 2019 beschrieben und lief im Hobby vorher unter dem Namen „Biru“. Sie gräbt tief, ist sehr schnell und nichts für Anfänger. Bei mir lebt ein Tier namens Azura.
Kurzdaten
Steckbrief
- Name
- Birupes simoroxigorum Gabriel & Sherwood, 2019
- Früher
- im Hobby zuerst als Selenocosmiinae sp. „Biru“ bekannt
- Trivialname
- Borneo Neon Blue Leg, ein Handelsname
- Einordnung
- Vogelspinnen (Theraphosidae) · Selenocosmiinae, Typusart der Gattung Birupes
- Herkunft
- Sarawak im Norden der Insel Borneo, Malaysia; tropischer Regenwald
- Lebensweise
- bodenbewohnend, gräbt Röhren und webt viel
- Größe
- Beinspannweite je nach Quelle etwa 10 bis 15 cm, Männchen kleiner als Weibchen
- Lebenserwartung
- für die junge Art nicht belegt; Händlerangaben streuen stark, bei Weibchen von 8 bis 20 Jahren, bei Männchen von 3 bis 10 Jahren
- Verteidigung
- keine Brennhaare; mit wirksamem Gift ist zu rechnen, untersucht ist es nicht
- Schutzstatus
- nach meiner Recherche nicht in den CITES-Anhängen, bitte bei WISIA gegenprüfen
Fachbegriffe wie Carapax, Chelizeren oder Bulbus erklärt die Legende, was bei einer Häutung passiert, steht unter Häutung verstehen.
Erkennen
Blau an den Beinen
Auffällig sind die leuchtend blauen Beine. Der Vorderkörper ist sandbraun mit einem hellen Strahlenmuster, der Hinterleib dunkelbraun.
Blaue Beine tragen auch andere Altwelt-Arten, zum Beispiel Poecilotheria metallica. Die lebt aber auf Bäumen und wird ganz anders gehalten. Birupes sitzt am Boden in einer selbst gegrabenen Röhre.
Klima
Warm und feucht
Die Art stammt aus dem Regenwald von Sarawak. Weil sie erst seit 2019 bekannt ist, gehen die Angaben in Pflegeblättern und auf Händlerseiten weit auseinander. Ich halte sie am wärmeren und feuchteren Ende dieser Spanne. Der Bodengrund wird leicht feucht gehalten, die Oberfläche darf zwischen dem Anfeuchten antrocknen. Zur Häutung darf es etwas feuchter sein.
Dauernasser Boden ist trotzdem keine Lösung, er fördert Schimmel und Milben. Wichtig ist eine gute Querlüftung, damit die Luft nicht steht.
Einrichtung
Tief graben
Becken: für ein erwachsenes Tier eine Grundfläche von etwa 30 × 40 cm, das sind grob zwei mal drei Beinspannweiten. Die Höhe wird fast ganz vom Bodengrund eingenommen, so bleibt die Fallhöhe gering.
Bodengrund: mindestens die Hälfte, besser zwei Drittel der Beckenhöhe, bei erwachsenen Tieren also 13 cm und mehr. Den mische ich für sie extra an, angelehnt an die lockeren, humosen Waldböden ihrer Heimat. Mehr dazu unter Bodenleben.
Ausstattung: eine eingegrabene Korkröhre oder ein Stück Rinde als Ansatz für die Röhre und ein flacher Wassernapf. Den Rest baut die Spinne selbst: Gespinste und Röhren durchziehen den Bodengrund, das Becken bleibt deshalb möglichst lange ungestört.
Ernährung
Mit Maß
Heimchen, Grillen oder Schaben wie meine Schokoschaben, nicht größer als der Hinterleib. Als Richtwert aus Pflegeblättern gilt: Jungtiere zweimal pro Woche, Halbwüchsige alle 7 bis 10 Tage, erwachsene Tiere alle 2 bis 3 Wochen.
Der Hinterleib ist der Maßstab. Futterreste kommen nach einem Tag wieder heraus, vor und nach einer Häutung wird nicht gefüttert. Einzelne Halter berichten, dass vor allem Jungtiere wählerisch fressen.
Verhalten
Schnell und scheu
Bei Störung verschwindet sie blitzschnell in ihrer Röhre. Händler und Pflegeblätter stufen die Art als nichts für Anfänger ein. Brennhaare hat sie keine, wie die anderen Altwelt-Vogelspinnen. Das Gift gilt bei verwandten asiatischen Arten als wirksam, zu dieser Art habe ich keine Untersuchung gefunden.
Deshalb gehört sie nicht auf die Hand, umgesetzt wird mit Dose und Deckel. Sie lebt einzeln, Artgenossen im selben Becken werden gefressen.
Gut zu wissen
Erst 2019 beschrieben
Gabriel und Sherwood beschrieben Gattung und Art 2019 im Journal der British Tarantula Society nach Tieren aus Sarawak. Die Typustiere, ein Männchen und ein Weibchen, liegen im Sarawak Museum in Kuching. Zu Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise im Freiland ist kaum etwas veröffentlicht, die Haltungsangaben stammen deshalb aus dem Hobby und von verwandten Arten.
Wie bei allen meinen Tieren gilt: Nachzuchten sind Wildfängen vorzuziehen.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Werte sind Richtwerte. Sie stützen sich auf die folgenden Quellen sowie auf eigene Haltung und können von Tier zu Tier abweichen. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.
- World Spider Catalog, Natural History Museum Bern, Eintrag Birupes simoroxigorum Gabriel & Sherwood, 2019
- Gabriel, R. & Sherwood, D. (2019): A new genus and species of theraphosid spider from Sarawak, Borneo (Araneae: Theraphosidae), Journal of the British Tarantula Society 34(1): 19–34
- The Tarantula Collective: Pflegeblatt zu Birupes simoroxigorum
- Josh's Frogs: Artbeschreibung
- Buzzard Reptile: Artbeschreibung
- Arachnoboards und Tarantula Forum: Beiträge von Haltern
- Arachnoboards: früherer Hobbyname „Biru“; Wikipedia: Unterfamilie Selenocosmiinae
- CITES-Anhänge und WISIA des Bundesamts für Naturschutz (Schutzstatus)
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com. Warum es diese Porträts überhaupt gibt, erzähle ich unter Über dieses Projekt.
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