Praxis · Asseln
Asselbox
Asselboxen sieht man selten, denn sie stehen meist unauffällig im Regal. Auf dieser Seite zeige ich, wie so eine Box im Grundsatz aufgebaut sein kann. Als grobe Inspiration für den Einstieg, nicht als fertige Anleitung.
Bitte so lesen: Das hier ist eine stark vereinfachte Erklärung. Sie zeigt einen Grundaufbau, mit dem viele Asselboxen ähnlich beginnen.
Wie feucht, wie warm, wie tief und wie luftig es sein muss, unterscheidet sich von Art zu Art, manchmal deutlich. Schau dir deshalb für jede Art genau an, was sie braucht, zum Beispiel in meinen Asselporträts, und passe die Box danach an.
Erst verstehen
Warum Asseln Feuchtigkeit brauchen
Asseln sind keine Insekten, sondern Krebstiere, die an Land leben. Viele Landasseln atmen über kleine Lungen in den Beinchen am Hinterleib. Ihr Panzer hat außerdem keine schützende Wachsschicht, deshalb verlieren sie in trockener Luft schnell Wasser.
Darum sitzen sie tagsüber in dunklen, feuchten Spalten unter Laub, Rinde und Holz. Rollasseln können sich zusätzlich zur Kugel einrollen und so weniger Wasser verdunsten. Genau diese Rückzugsorte baut man in der Box nach.
Der Grundaufbau
Eine Box, zehn Bausteine
- Lüftung im Deckel: lässt verbrauchte, feuchte Luft nach oben entweichen.
- Lüftung an den Seiten: sorgt zusammen mit dem Deckel für einen leichten Luftzug. Ohne Luftaustausch steht die feuchte Luft, es bildet sich schneller Schimmel. Zu viel Lüftung trocknet die Box dagegen aus.
- Moos in der feuchten Ecke: hier wird gegossen oder gesprüht. Das Moos hält die Feuchte und zeigt, wenn es zu trocken wird.
- Morsches, weißfaules Holz: Futter und Versteck zugleich. Es sollte von Laubbäumen stammen, etwa Buche, Eiche oder Birke. Nadelholz ist ungeeignet, es enthält Harz und ätherische Öle.
- Korkrinde: das wichtigste Versteck. Darunter sammeln sich die Tiere und darunter bleibt es feuchter.
- Laub: zum Beispiel Eiche oder Buche, die Hauptnahrung. Es wird immer wieder nachgelegt.
- Sepiaschale: Kalk für die Häutung. Bei mir ist immer Sepia in der Box.
- Futterschale: für Gemüse und ab und zu etwas Eiweiß. Reste kommen raus, bevor sie schimmeln.
- Bodengrund: locker, humus- und laubreich, mehrere Zentimeter hoch. Ich nehme ein Assel- und Käfersubstrat mit Laub, weißfaulem Holz und Kalk, Kokoshumus verwende ich nicht.
- Feuchte Zone unten: der Boden auf der feuchten Seite ist feucht wie ein gut ausgedrückter Schwamm. Wasser darf darin nicht stehen.
Das Prinzip dahinter ist ein Gefälle: eine Seite feucht, die andere trockener. So können die Asseln selbst wählen, wo sie gerade sitzen möchten. Wie groß der feuchte Teil ist, hängt von der Art ab, dazu gleich mehr.
Warum Kalk so wichtig ist: Asseln häuten sich in zwei Hälften, erst hinten, zwei bis drei Tage später vorne. Für den neuen Panzer brauchen sie Calcium. Vor der Häutung legen sie sich dafür einen kleinen Kalkvorrat an, und Jungtiere fressen ihre alte Haut oft wieder auf.
Material vorbereiten: Holz, Rinde und Laub mache ich vorher keimarm, meist 72 Stunden im Tiefkühler oder im Backofen. Vorsicht beim Backofen: Trockenes Laub, Rinde und Holz können sich entzünden. Deshalb nur bei niedriger Temperatur und den Ofen dabei niemals unbeaufsichtigt lassen.
Es gibt auch Halter, die Material aus Garten oder Wald einfach so einsetzen, wie es ist, und nach eigener Aussage seit Jahren gut damit fahren. Das muss jeder für sich entscheiden, Natur ist Natur. Ich bin gerade bei speziellen Arten lieber etwas vorsichtiger. Manche sind eben kleine Diven.
Woher kommt das Material? Darauf lohnt sich ein Blick. Manches Moos aus dem Handel stammt aus Nadelwäldern und bringt Nadeln und Reste von Nadelholz mit. Nadelbäume schützen sich mit Harz und ätherischen Ölen gegen Fraß, und diese Stoffe stecken auch in Nadeln und Holz. Nadeln verrotten außerdem viel langsamer als Laub und machen den Boden saurer. Für eine Asselbox, in der Laub und morsches Laubholz das Futter sein sollen, ist das keine gute Grundlage. Solches Moos dann gründlich auslesen und reinigen oder lieber gleich anderes Moos nehmen.
Bei mir: Einfahren muss eine Asselbox nicht, die Asseln sind ja selbst die Bodencrew. Ich setze aber gern ein paar Springschwänze dazu, die helfen beim Aufräumen von Resten und Schimmel.
Anpassen
Von nass bis trocken
Der Grundaufbau bleibt fast gleich, die Feuchte ändert sich. Manche Asseln leben in feuchtem Tropenwald, andere in eher trockenen Gegenden rund ums Mittelmeer. In einem Laborversuch reagierten drei Asselarten unterschiedlich stark darauf, dass die Luftfeuchte schrittweise sank. In der trockensten Stufe fraßen sie weniger.
Eher nass
über 80 %
Kleine weiße Zwergassel aus den Tropen. Mag es dauerhaft feucht, gern mit viel Moos.
Dazwischen
55 bis 70 %
Aus Südostasien. Eine Hälfte feucht, die andere trockener, nach einem Anbieter gern auch etwas mehr.
Eher trocken und warm
45 bis 55 %
Aus Südspanien. Überwiegend trocken, aber mit einer feuchten Moosecke.
Die Zahlen sind Luftfeuchte-Richtwerte aus meinen Steckbriefen. Wichtig: Auch die trockenen Arten brauchen immer eine feuchte Ecke, in die sie sich zurückziehen können. Ganz trocken hält keine Assel aus.
Der Start
Warum eine kleine Box am Anfang besser ist
Asseln sind gern zusammen. In einem Versuch mit Kellerasseln saßen nach wenigen Minuten fast neun von zehn Tieren unter den angebotenen Verstecken, und meist entschied sich die Gruppe für ein gemeinsames Versteck. Forscher sehen darin mehrere Vorteile: Die Tiere trocknen in der Gruppe weniger aus und finden leichter einen Partner.
In einer großen Box verlieren sich wenige Tiere. Sie verteilen sich, finden schlechter zueinander, und man sieht sie kaum. Futter liegt dann irgendwo herum und schimmelt, und wenn etwas nicht stimmt, merkt man es spät. In einer kleinen Box ist alles näher beieinander: die Tiere, das Futter, die feuchte Ecke. Man sieht schneller, ob es ihnen gut geht.
Lieber eine Gruppe als ein Paar. Bei jungen Asseln sieht man das Geschlecht oft noch nicht sicher. Mit einer kleinen Gruppe ist die Chance groß, dass beide Geschlechter dabei sind. Wie viele Tiere sinnvoll sind, hängt von Art und Größe ab. Einige wenige Arten, wie die weiße Zwergassel, vermehren sich sogar ohne Männchen.
Nachwuchs: Asseln legen keine Eier in den Boden. Das Weibchen legt sie in einen Brutbeutel an seiner Unterseite, das Marsupium. Dort entwickeln sich die Eier, die Jungtiere schlüpfen noch im Beutel und werden danach lebend entlassen. Sie sind winzig, oft fast weiß, und haben anfangs ein Beinpaar weniger. In einer kleinen, gut eingerichteten Box finden sie Futter und Verstecke direkt um sich herum, und du findest sie auch.
Tragende Weibchen in Ruhe lassen: Stress bekommt der Brut nicht. In einem Versuch trugen gestresste Weibchen ihre Brut kürzer und hatten weniger Nachwuchs. Manche Arten werfen die Brut bei Stress sogar vorzeitig ab, etwa nach häufigem Umsetzen, Hochnehmen, großem Umbau oder zu trockener Luft. Die unfertigen Jungtiere überleben das nicht, dann ist die ganze Brut verloren. Bei mir ist Cristarmadillidium muricatum so ein Kandidat, die wirft bei Stress gern ab. Deshalb gilt: Box nur stören, wenn es nötig ist.
Später: Wird die Gruppe groß, ziehen die Tiere in eine größere Box oder ins Terrarium um, oder die Gruppe wird geteilt. Zu viele Tiere auf zu wenig Raum sind auch nicht gut.
Das Wichtigste
Jede Art für sich anschauen
Bevor eine neue Art einzieht, lohnt sich ein Blick auf diese Fragen:
- Woher kommt die Art, aus feuchtem Wald oder aus einer eher trockenen Gegend?
- Wie warm mag sie es, und verträgt sie Schwankungen?
- Wie groß wird sie? Große Arten brauchen mehr Platz und mehr Bodengrund.
- Wie groß soll der feuchte Teil der Box sein, ein Drittel, die Hälfte oder fast alles?
- Gräbt sie, rollt sie sich ein, sitzt sie lieber unter Rinde oder im Moos?
Die Antworten stehen, soweit ich sie belegen kann, in meinen Asselporträts. Dort findest du für jede meiner Arten Temperatur, Luftfeuchte und Hinweise zur Einrichtung.
Grundlagen
Worauf die Angaben beruhen
Die Grundlagen zu Atmung, Häutung, Brutbeutel und Gruppenverhalten stammen aus Fachlexika und Fachartikeln. Der Aufbau der Box ist bewährte Praxis aus der Asselhaltung und meine eigene Erfahrung, er ist nicht wissenschaftlich geprüft. Die Feuchtewerte stammen aus meinen Steckbriefen und sind Richtwerte.
- Spektrum Lexikon der Biologie, Landasseln (Atmung, Wasserverlust, Nahrung, Einrollen)
- Wikipedia, Oniscidea (Häutung in zwei Hälften, Brutbeutel, Jungtiere)
- Broly und andere 2012, ZooKeys, Gruppenbildung bei Kellerasseln
- Broly und andere 2013, Insectes Sociaux, Vorteile der Gruppenbildung bei Asseln
- Kight und Nevo 2004, Journal of the Kansas Entomological Society 77: 285 bis 287, Weibchen von Porcellio laevis verkürzen bei Stress die Brutzeit (Stress und Brut)
- Montesanto und andere 2012, ZooKeys, Entwicklung der Jungtiere und Kalkvorrat vor der Häutung
- Delhoumi und andere 2023, European Zoological Journal, Reaktion von drei Asselarten auf sinkende Luftfeuchte
Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt oder du Erfahrungen hast, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.