Mario Sickert

Praxis · Becken einrichten

Terrarium einrichten


Mein Becken für Tausendfüßer und Stabschrecken, 70 × 45 × 66 cm mit Schiebetür. Vom Haufen Substrat bis zum Einzug der Tiere: So ist es entstanden, in sechs Schritten.

Becken
70 × 45 × 66 cm
Substrat
13 bis 25 cm
Licht
15 Watt
Einfahren
3 bis 5 Wochen
Fertig eingerichtetes Terrarium mit Farn, Schusterpalmen, Efeutute und Moospolstern, darüber eine Pflanzenlampe; unten am Becken das Schild „Antheromorpha uncinata“
Das fertige Becken, bewohnt von Tausendfüßern und Stabschrecken

Schritt für Schritt

In sechs Schritten zum fertigen Becken


Erst der Boden, dann Kalk, Kork und Pflanzen, am Ende Licht und Geduld. Die Tiere ziehen erst ein, wenn das Becken eingelaufen ist.

  1. Leeres Glasbecken, in der Mitte ein Haufen Substrat, oben auf dem Deckel hängt die Lampe

    Substrat: 13 bis 25 cm hoch

    Vorn am Steg liegen 13 cm, hinten etwa 20 cm, stellenweise 25 cm. Diese Tiefe ist für die Tausendfüßer: Sie graben im Boden, häuten sich dort und fressen ihn zum Teil. Die Stabschrecken wohnen nicht im Boden, sie sitzen an Zweigen und Pflanzen. Nur ihre Eier fallen nach unten.

    Als Grundlage dient ein fertiges Assel- und Käfersubstrat aus Laub, Torf, Holz und Hanfstroh. Ich passe es an: viel weißfaules Holz, zusätzlicher Kalk und kleine Proteingaben. Warum der Boden so aufgebaut ist, steht unter Bodenleben.

    Eine Hand hält eine Portion Substrat mit Holzstückchen, Laubresten und Torf
    Das Substrat in der Hand: grobe Holzstückchen, Laub und Torf.
  2. Offene Kunststoffdose mit grauem Futterkalk und Messlöffel, beschriftet „Kohlensaurer Futterkalk“, auf Substrat und Laub

    Futterkalk untermischen

    Kohlensaurer Futterkalk kommt untergemischt, besonders dann, wenn ich Jungtiere möchte. Dazu liegen Sepiastücke versteckt im Becken.

    Tausendfüßer brauchen für ihren Panzer dauerhaft Kalk. Er gehört deshalb von Anfang an in den Boden und nicht erst dann dazu, wenn etwas auffällt.

  3. Ein Stück Korkrinde steht aufrecht im Substrat vor der Rückwand

    Kork als Struktur und Sichtschutz

    Der Kork gibt dem Becken Struktur. In der Mitte verdeckt er die Vase, die die Rosenzweige für die Schrecken frisch hält. Rose gehört zu den Futterpflanzen, die Zimtschrecke und Knickstabschrecke nehmen.

    Für jede Vase im Becken gilt: Die Öffnung muss dicht verschlossen sein, sonst fallen kleine Nymphen hinein und ertrinken.

  4. Frisch bepflanztes Becken mit Farn, zwei Schusterpalmen, Moos und Kork, darüber die leuchtende Pflanzenlampe

    Pflanzen ausgetopft und ungedüngt

    Ein Farn, Schusterpalmen links und rechts, dazu Efeutute und Fittonia und überall Moos. Alle Pflanzen sind ausgetopft, also aus dem Topf genommen und direkt ins Substrat gesetzt, und werden nicht gedüngt.

    Nahaufnahme: Moospolster und Blätter der Efeutute am Fuß einer Schusterpalme, dahinter ein Stück Kork
    Moos und Efeutute am Fuß einer Schusterpalme, dahinter der Kork.
  5. Licht: eine Pflanzenlampe

    Über dem Becken hängt eine Pflanzenlampe mit 15 Watt. Sie ist vor allem für die Pflanzen da. Die Tausendfüßer meiden das Licht bei mir nicht, manchmal sieht es sogar aus, als würden sie sich sonnen.

    Brauchen die Stabschrecken UVB? Ich habe keine Quelle gefunden, die das belegt, kontrollierte Studien fehlen. Die Pflegeblätter der Phasmid Study Group zu den beiden Zuchtnummern der Zimtschrecke nennen kein besonderes Licht, und ein Übersichtsartikel zu UVB bei Wirbellosen stuft es als nicht belegt ein. Nach den Quellen genügt ein Tag-Nacht-Wechsel, direkte Sonne gehört nicht ins Becken. Erwachsene Stabschrecken sind meist nachtaktiv, junge Nymphen tagsüber unterwegs.

  6. Einfahren: 3 bis 5 Wochen Geduld

    Jedes Becken läuft 3 bis 5 Wochen ein, bevor Tiere einziehen. So lange steht es ohne Besatz da, die Pflanzen wachsen an, und Feuchtigkeit und Licht können sich einspielen. Das Foto ganz oben zeigt das Ergebnis.

Der Besatz

Wer in dem Becken wohnt

Drei Arten, alles Nachzuchten. Ob noch Asseln einziehen, weiß ich noch nicht, da bin ich unentschlossen.

  • Antheromorpha uncinata

    Der flache Bandfüßer aus Thailand, im Handel als Thai Pink Dragon Millipede bekannt. Er lebt im Boden und auf ihm und frisst das Substrat zum Teil. Auf dem Foto wirken die beiden Tiere ganz unterschiedlich gefärbt, rosa und orange. Es ist dieselbe Art, je nach Licht sieht die Färbung anders aus.

  • Lamponius guerini, Zimtschrecke

    Eine flügellose Stabschrecke, die tagsüber meist reglos an einem Ast sitzt und nachts frisst. Von Dominica führt die Phasmid Study Group die Art unter der Zuchtnummer PSG 378.

  • Lonchodes haematomus, Knickstabschrecke

    Ein Zweig mit Knick: Bei Störung knickt sie den Körper ab und bleibt reglos, daher der Name. Sie lebt in Zweigen und Pflanzen, nicht im Boden.

Zwei Antheromorpha uncinata auf Moos und Rinde, ein Tier wirkt rosa auf dunklem Grund, das andere orange auf Schwarz
Zwei Antheromorpha uncinata im Becken, dieselbe Art unter unterschiedlichem Licht.

Suchbild

Findest du die Schrecken?

Im Becken leben zwei Arten Stabschrecken, und zwischen Zweigen und Blättern sieht man sie oft erst auf den zweiten Blick. Der Clip ist ein Suchbild aus meinem Becken: Versteckt sind zwei Knickstabschrecken und eine Zimtschrecke. Am Ende des Clips sind sie eingekreist.

Mehr zu den beiden steht in den Porträts der Zimtschrecke und der Knickstabschrecke.

SuchbildWo sitzen die Schrecken? Am Ende lösen die Ringe auf, weiß für die Knickstabschrecken, gelb für die Zimtschrecke. Eigene Aufnahme.

Meine Praxis, nicht der einzige Weg

So richte ich dieses Becken ein. Das ist keine Anleitung und keine Empfehlung für andere: Wer Tiere hält, ist selbst dafür verantwortlich, dass Becken und Besatz zur Art passen.

Wie richtest du deine Becken ein? Schreib es mir gern auf Instagram unter @mario.vivarium. Die Fotos auf dieser Seite sind von mir, aufgenommen in meinem eigenen Becken.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Alle Angaben zu Aufbau und Haltung sind meine eigene Praxis. Für die Tiere stützen sie sich zusätzlich auf die verlinkten Artenporträts und auf diese Quellen:

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

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Stand: 9. Oktober 2026.