Mario Sickert

Praxis · Einrichten

Natürliche Deko


Eine Lotuskapsel, ein Stück Kork, eine Handvoll Eichenlaub: Natürliche Deko sieht nicht nur schön aus. Sie gibt den Tieren Verstecke und Halt, manches wird nebenbei gefressen, und mit dem richtigen Stück kann man Asseln ganz ohne Stress umsetzen. Hier zeige ich, was ich nutze, wofür es gut ist und worauf man achten sollte.

Aus meiner Praxis

Der Lotus als Asselfähre

Ein Stück Deko, das ich gern als Werkzeug nutze, ist die Lotuskapsel. Bei meinen Kubanern, so nenne ich meine Porcellionides pruinosus in den Formen „KOI“, „KOI Orange“, „Powder Orange“ und „Powder Blue“, lege ich ein paar Tage lang einen Lotus ins Terrarium, mit den Öffnungen nach unten. Groß und Klein verkriecht sich darin. Manchmal braucht es etwas Zeit, Asseln haben keine Eile.

Dann kann ich den Lotus einfach hochnehmen und mitsamt seinen Bewohnern in ein anderes Terrarium bringen. Oder ich klopfe ihn sanft über einer Dose ab, und meist purzeln genügend Asseln hinein. Wirklich sanft, nicht schütteln wie einen Salzstreuer.

Mit Rinde oder einem Stück Eierkarton geht das auch. Ich finde aber, im Lotus bleiben die Tiere ruhiger, wenn man ihn anhebt. Unter einer Rinde starten manche sofort durch, sobald es hell wird. In den Kammern des Lotus fühlen sie sich offenbar sicher genug, um sitzen zu bleiben.

Das ist keine Methode aus einem Buch, sondern einfach im Alltag entstanden, als ich es mal so probiert habe. Nichts Großes, aber es funktioniert. Und es schont vor allem tragende Weibchen. Manche Asselarten werfen bei Stress die ganze Brut ab, und jedes Zusammentreiben mit der Hand ist Stress.

Getrocknete Lotuskapseln mit runden Samenkammern, flache Lotusschalen und eine aufgesprungene, holzige Buddhanuss auf hellem Grund
Lotus und BuddhanussLotuskapseln mit ihren Kammern, dazu eine aufgesprungene Buddhanuss. Eigene Aufnahme.

Mehr als Dekoration

Wozu natürliche Deko gut ist

  • Verstecke und Ruhe

    Asseln, Tausendfüßer, Skorpione und viele Spinnen sind tagsüber versteckt. Wer genug Verstecke hat, ist ruhiger und zeigt sich am Ende sogar öfter.

  • Halt und Struktur

    Kork, Wurzeln und Rinde geben Kletterern Halt und teilen das Becken in kleine, unterschiedliche Bereiche: feuchter darunter, trockener obendrauf.

  • Futter auf Zeit

    Laub und weiches Holz werden mit der Zeit zersetzt. Pilze und Bakterien wachsen darauf, und genau davon leben Asseln, Tausendfüßer und Springschwänze. Deko aus Laub ist deshalb immer auch Futter.

  • Ein Werkzeug

    Wie beim Lotus oben: Ein gutes Versteck lässt sich hochheben, umsetzen oder kontrollieren, ohne dass man im Boden wühlen muss.

Eine Auswahl

Was man nehmen kann

Das meiste davon gibt es getrocknet im Zubehör für Aquarium und Terrarium, manches liegt im Garten oder im Wald. Wie lange Lotus, Buddhanuss oder Kork im Becken halten, dazu habe ich keine unabhängigen Angaben gefunden. Das hängt stark davon ab, wie feucht das Becken ist.

Natürliche Deko und wofür sie gut ist
MaterialWas es istWofürGut zu wissen
LotuskapselSamenstand der Lotosblume Nelumbo nucifera, getrocknetVersteck mit vielen Kammern, mein Umsetzhelferkann in feuchten Becken schimmeln
BuddhanussHandelsname, meist für die holzige Kapsel von Pterygota alatagroße Höhle, sehr hartunter ähnlichen Namen werden auch andere Früchte verkauft
SeemandelbaumblätterBlätter von Terminalia catappa, reich an GerbstoffenLaubschicht, Futterzersetzen sich schneller als heimisches Laub
Erlenzapfenverholzte Fruchtstände der Schwarz-Erle, enthalten GerbstoffeDeko und Knabberstoff für Asseln, im Aquarium bei Garnelenwachsen bei mir in Hülle und Fülle im Garten
Korkrinde, KorkröhrenRinde der Korkeiche, wasserabweisend durch SuberinVersteck, Kletterwand, Höhlevorher waschen
Kokosschaleharte Steinschale der Kokosnussstabile Höhlesehr langlebig, Kanten glatt schleifen
Eichen- und Buchenlaubheimisches FalllaubLaubschicht, Hauptfutter vieler Asseln und TausendfüßerEiche zersetzt sich langsam, Buche in einer Studie am langsamsten
Magnolienblättergroße, ledrige Blätterlange haltende Laubschichtzersetzen sich sehr langsam
KorkenzieherweideÄste der Korkenzieherweide mit gedrehtem Wuchs, alt oder frischKletteräste mit besonderer Form, für kleine und große Beckenaufliegende Rinde wird gern abgeknabbert
Alte WurzelnWurzelstücke, gern auch kleineStruktur und Verstecke, richtig gesäubert sehr dekorativ im Waldterrariumgründlich säubern
FlechtenFlechten, etwa auf heruntergefallenen ZweigenNahrung für viele Asseln, Tausendfüßer und manche SchabenRentierflechten sind geschützt
Weißfaules HolzLaubholz, das von Pilzen weich gemacht wurdeFutter und Versteck für Asseln und Tausendfüßernur von Laubbäumen, Nadelholz ist ungeeignet

Buddhanuss oder nicht? „Buddhanuss“ ist kein botanischer Name. Meist ist die Frucht von Pterygota alata gemeint, eine große, holzige Kapsel, die bei Reife aufspringt. Unter ähnlichen Handelsnamen wird aber auch die Frucht von Sterculia foetida verkauft. Eine Fachquelle, die den Namen festlegt, habe ich nicht gefunden.

Aus meinem Garten

Was ich selbst sammle

Vieles muss ich gar nicht kaufen. Im Garten wächst genug, und da nicht gespritzt wird, weiß ich, was ins Becken kommt.

Erlenzapfen nutze ich sehr oft, wir haben sie in Hülle und Fülle. Im Aquarium liegen sie besonders bei den Garnelen, und bei den Asseln mag ich sie ebenso gern, als Deko und zum Dran- und Drinknabbern.

Äste der Korkenzieherweide nehme ich alt und frisch, vor allem wegen ihrer spannenden Wuchsformen, ob im großen oder im kleinen Terrarium. In der Box der Kongo-Rosenkäferlarven liegen sie auch, damit frisch geschlüpfte Käfer gleich etwas zum Klettern haben. Dort, wo das Holz auf der Erde aufliegt oder eingesunken ist, knabbern die Larven ziemlich häufig die Rinde ab.

Alte Wurzeln sind ebenfalls interessant, es muss kein riesiger Wurzelballen sein. Richtig gesäubert sind sie sogar eine richtig stylische Deko in einem Waldterrarium.

Flechten sind nicht nur hübsch, sondern für viele meiner Pfleglinge auch Nahrung. In den Steckbriefen stehen sie bei vielen Asseln, bei Tausendfüßern wie Epibolus pulchripes und Spirobolus caudulanus und bei der Schabe Pseudoglomeris magnifica.

Laub ist bei mir Deko und Futter zugleich, an Land wie im Wasser. Auf dem Foto unten sitzt eine Garnele auf einem Herbstblatt im Aquarium.

Und Magnolienblätter? Die kannte ich selbst noch nicht. Im Hobby werden sie genutzt, weil sie sehr langsam zerfallen und lange als Laubschicht halten.

Zweig der Schwarz-Erle mit langen Kätzchen und kleinen, dunklen, verholzten Zapfen
ErlenzapfenKätzchen und Zapfen der Schwarz-Erle im Garten.
Ein großer, verzweigter Ast der Korkenzieherweide mit gedrehten Zweigen liegt auf dem Gartenweg
KorkenzieherweideEin großer Ast mit den typisch gedrehten Zweigen.
Hand hält einen hellen Ast der Korkenzieherweide mit verdrehten Seitenzweigen
KorkenzieherweideEin kräftiger Ast mit verdrehten Seitenzweigen, gut zum Klettern.
Eine hellbraune Afrikanische Riesenmantis sitzt auf einem knorrigen Dekoast im Terrarium
Dekoast mit KunoKuno, meine Afrikanische Riesenmantis (im Bestand Kunoichi), auf ihrem Ast.
Alte, verdrehte Wurzel im Aquarium, bewachsen mit Moos, darauf rote Garnelen
Alte WurzelIm Aquarium mit Moos bewachsen, darauf rote Garnelen.
Hand hält mehrere dünne Zweige, die dicht mit grauen und grünlichen Flechten bewachsen sind
FlechtenZweige mit Flechten, Deko und Futter zugleich.
Eine rote Garnele sitzt auf einem gelb verfärbten Laubblatt, das an einem Zweig im Aquarium hängt
Laub als FutterEine Garnele auf einem Herbstblatt im Aquarium.

Nicht für jeden gleich

Jede Art für sich

Deko richtet sich nach den Bewohnern, nicht nach dem Geschmack des Halters. Das ist bei mir der wichtigste Grundsatz beim Einrichten.

  • Asseln und Tausendfüßer

    Je mehr Verstecke, desto besser. Laub, Rinde, Kork und Kapseln dürfen ruhig übereinanderliegen, die Tiere suchen sich ihre Feuchtezone selbst.

  • Vogelspinnen

    Viele sorgen selbst für ihre Einrichtung und brauchen vor allem Ankerpunkte für ihr Gespinst. Manche graben alles um, andere wollen es eng und geschützt. Schwere, harte Deko kann eine Spinne verletzen, wenn sie stürzt, und Verstecke dürfen beim Graben nicht einstürzen.

  • Skorpione

    Ein Gräber wie Moros braucht vor allem tiefen Boden und ein stabiles Versteck, das nicht auf ihn fallen kann.

  • Geißelspinnen

    Sie brauchen Höhe und etwas zum Festhalten. Bei meiner Geißelspinne ist das eine große Wurzel.

So mache ich es

Vorbereiten

Für das Vorbereiten von Naturmaterial gibt es keine geprüften Zeiten und Temperaturen. Halter machen es sehr unterschiedlich, einige behandeln gar nicht, damit die kleinen Bodenbewohner erhalten bleiben. So halte ich es:

  • Einfrieren

    Holz, Kapseln und Laub kommen bei mir 72 Stunden in den Tiefkühler. Das nutze ich am meisten.

  • Backofen

    Vieles trockne und erhitze ich im Backofen. Bitte dabeibleiben, getrocknetes Material ist leicht entzündlich.

  • Überbrühen

    Manche Blätter überbrühe ich nur kurz mit heißem Wasser.

  • Auskochen fürs Aquarium

    Auskochen nutze ich vor allem für Sachen, die ins Aquarium kommen. Sie saugen sich dabei voll und schwimmen danach nicht so lange auf.

  • Kork waschen

    Staubigen Kork vorher abwaschen. Ein Halter berichtet von monatelangen Pilzproblemen durch ungewaschenen Kork.

Lieber einmal mehr hinschauen

Worauf man achten sollte

  • Woher kommt es?

    Dekoware aus dem Bastel- oder Floristikbedarf kann gefärbt, lackiert, beduftet oder behandelt sein, ohne dass es draufsteht. Belege dazu habe ich nicht gefunden, aber die Regel ist einfach: Riecht es nach Parfum, glänzt es lackiert oder färbt es ab, kommt es nicht ins Becken.

  • Schimmel

    Getrocknete Kapseln, Holz und Rinde können in feuchten Becken schimmeln. Gute Belüftung hilft, und Asseln und Springschwänze räumen viel davon weg. Flaumiger Schimmel über Jungtieren sollte trotzdem raus.

  • Laub nur von unbehandelten Flächen

    Kein Laub von Straßenrändern, Feldern oder gespritzten Gärten. Frisch gesammeltes Laub nicht sofort einsetzen, sondern vorher trocknen.

  • Kein Nadelholz

    Holz und Rinde nur von Laubbäumen. Nadelholz ist harzig und für Asseln ungeeignet.

  • Nicht zu schwer

    Schwere Stücke so legen, dass nichts kippen oder auf ein grabendes Tier fallen kann.

Draußen

Selbst sammeln, aber richtig

Laub, Zweige und ein paar Zapfen in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf mitzunehmen, ist nach der sogenannten Handstraußregel im Bundesnaturschutzgesetz erlaubt. Es gibt aber Grenzen:

  • Geschützte Moose und Flechten

    Weißmoos, Torfmoose und Rentierflechten stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht entnommen werden. Wer Moos braucht, nimmt besser Ware aus dem Handel.

  • Schutzgebiete

    In Naturschutzgebieten, Naturdenkmälern und Nationalparks wird gar nichts mitgenommen.

  • Wald gehört jemandem

    Holz, Rinde und Zweige darf man im Wald nach den Landeswaldgesetzen meist nicht einfach mitnehmen. Für kleine Mengen gilt die Handstraußregel, für mehr braucht es eine Erlaubnis.

  • Cholla-Holz

    Das Holz abgestorbener Kakteen der Gattung Cylindropuntia wird oft verkauft. Ein Hersteller schreibt, es stehe unter Artenschutz. Eine amtliche Bestätigung dafür habe ich nicht gefunden.

Grundlagen

Worauf die Angaben beruhen

Der Lotus-Trick ist meine eigene Methode aus dem Alltag, die Vorbereitung und alles aus dem Garten sind meine eigene Praxis. Für die übrigen Angaben:

Ich bin kein Biologe, sondern halte diese Tiere aus Leidenschaft. Wenn dir ein Fehler auffällt oder du Erfahrungen hast, sag mir gern Bescheid, auf Instagram oder an poststelle@kunstspuren.com.

Stand: 20. Oktober 2026. Dazu: Asselbox einrichten, Terrarium einrichten, Fundstücke und Upcycling und die DIY-Werkstatt. Zurück zur Praxis.